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Lokales LVB verkaufen 20 Tatra-Straßenbahnen in die Ukraine
Leipzig Lokales LVB verkaufen 20 Tatra-Straßenbahnen in die Ukraine
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14:26 23.05.2019
Seit genau 50 Jahren fahren die Tatras durch Leipzig – und demnächst auch durch Dnipropetrowsk. Quelle: Armin Kühne
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Leipzig

Von der Pleiße an den Dnepr: Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) haben 20 ausgemusterte Tatra-Straßenbahnen in die Ukraine verkauft. Sie gehen für einen Preis von 15.000 Euro pro Stück nach Dnipropetrowsk, wie LVB-Sprecher Marc Backhaus der LVZ bestätigte. Die ersten drei Bahnen wurden in dieser Woche am Leutzscher Straßenbahnhof mit Kränen auf Lastwagen verladen und abtransportiert. Weitere Lieferungen sollen in den kommenden Wochen folgen.

Insgesamt haben die LVB noch 86 der tschechischen Tatra-Bahnen im Einsatz. In Spitzenzeiten waren es laut Backhaus bis zu 1000 Stück. Die 450 Kilometer südöstlich von Kiew gelegene Millionenstadt (seit der Umbenennung 2016 nur noch „Dnipro“) hat sich per Option die Möglichkeit offengehalten, weitere Fahrzeuge zu erwerben. Abgewickelt wurde der Verkauf, über den zuerst die Bild-Zeitung berichtet hatte, durch einen Schweizer Zwischenhändler. Insgesamt erhalten die LVB 300.000 Euro. „Das bringt mehr Geld ein, als wenn wir sie verschrotten würden“, erklärt Backhaus.

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„Die Ansprüche in Leipzig sind andere als in der Ukraine

In Leipzig hätten die Bahnen nur noch mit viel Aufwand weitergenutzt werden können. Alle acht Jahre ist eine Hauptuntersuchung fällig, was bei den jahrzehntealten Fahrzeugen laut den LVB nicht mehr wirtschaftlich ist. Ein weiterer Grund für den Export ins Ausland: „Die Ansprüche in Leipzig sind andere als in der Ukraine. Unsere Kunden wollen die hohen Wagen nicht mehr haben“, erklärte Backhaus. In der Ukraine sollen die Bahnen umgebaut und an die lokalen Bedürfnisse angepasst werden.

Noch gehören sie zum Leipziger Straßenbild, aber das wird sich bis 2025 ändern: Die alten Tatra-Bahnen werden schrittweise durch neue Fahrzeuge ersetzt. 

Es ist nicht das erste Mal, dass Leipzigs Tatras in anderen Ländern weiterfahren. 2010 verkauften die LVB 30 Wagen im Wert von 1,5 Millionen Euro nach Sofia in Bulgarien. Auch die nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang übernahm in den späten 1990-Jahren ausgemusterte Fahrzeuge vom Typ T4D aus der Messestadt. „Wir bekommen heute immer noch Bilder von alten Fahrzeugen zugeschickt, auf denen teilweise noch unsere Internetadresse draufsteht“, berichtet LVB-Sprecher Backhaus.

Tatra-Ära endet spätestens 2025

Ab 2021 sollen die Tatras nicht mehr im Linienbetrieb eingesetzt werden. Sie werden durch die neuen XL-Bahnen ersetzt, die seit 2017 im Einsatz sind und deren Bestand schrittweise auf 61 Exemplare aufgestockt werden soll. Für eine der drei Millionen Euro teuren Niederflur-Straßenbahnen werden im Schnitt zweieinhalb Tatras ausgemustert.

Die LVB behalten für Großereignisse wie Fußballspiele oder Konzerte noch eine Reserve an Tatras im Bestand. 2025 soll die Ära der tschechischen Klassiker auf Leipzigs Schienen nach mehr als 50 Jahren endgültig enden. Die Bahnen sind dann nur noch im Museum zu bestaunen.

Von Robert Nößler

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