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LVZ-Interview: Warum Leipzigs OBM Jung einen Lockdown will und Geimpfte in Quarantäne sollen

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20:00 30.11.2021
Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) fordert einen harten Lockdown bis Anfang nächsten Jahres.
Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) fordert einen harten Lockdown bis Anfang nächsten Jahres. Quelle: dpa, André Kempner
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Leipzig

Der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) spricht sich nachdrücklich dafür aus, die Quarantäne auch auf geimpfte Menschen auszuweiten. “Wer einen positiven PCR-Test erhalten hat, sollte mit seinem ganzen Umfeld in Quarantäne gehen und nicht darauf warten, bis der Bescheid da ist. Das heißt auch, dass in einer Familie, in der jemand positiv ist, sich alle absondern – auch wenn sie geimpft sind“, sagte der 63-Jährige in einem Interview mit der Leipziger Volkszeitung. „Wir können es uns nicht mehr leisten, dass der Ehemann noch weiter als Lehrer arbeitet, während die Frau zu Hause positiv ist. Das ist ein Fehler im System. Wir müssen die Quarantäne wieder ausweiten auf mehr Menschen, mit denen man zusammenlebt“, fordert der OBM.

Mobilität hat sich verringert

Der vor neun Tagen über Sachsen verhängte Teillockdown zeigt nach Aussagen Jungs bereits Wirkung. „Wir haben jetzt die ersten Auswertungen der Bewegungsprofile bekommen“, sagte der Oberbürgermeister. „Der kleine Lockdown“ habe „immerhin schon eine 40- bis 50-prozentige Mobilitätsverringerung gebracht“, so Jung. Das Ziel sei eine Kontaktbeschränkung von 60 Prozent gewesen, um die heftige vierte Corona-Welle zu brechen. Mit einer Inzidenz von 1269 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner verzeichnet Sachsen die höchste Sieben-Tage-Inzidenz alle Bundesländer.

Lockdown wie im April 2020

Dennoch reichten die Maßnahmen, die unter anderem 2G im Einzelhandel, Veranstaltungsverbote, frühere Laden- und Gaststättenschließungen sowie 3G im öffentlichen Personennahverkehr umfassen, nach Auffassung des SPD-Politikers nicht aus, um die hohen Infektionszahlen deutlich zu reduzieren. Deshalb sprach er sich für einen harten Lockdown „in Sachsen, Bayern, Thüringen und in den angrenzenden Gebieten“ aus, wie er im April 2020 kurz nach Ausbruch der Corona-Pandemie schon einmal verhängt wurde. „Keine Veranstaltungen, kein Einzelhandel – außer für Waren des täglichen Bedarfs, keine Gastronomie“, forderte Jung. Das öffentliche und wirtschaftliche Leben müsse bis Anfang des neuen Jahres auf ein Mindestmaß zurückgefahren, Kontakte müssten drastisch reduziert werden, um die Infektionsketten zu durchbrechen.

10.000 bis 12.000 Impfungen pro Tag in Leipzig

Zugleich kündigte Jung an, in Leipzig mehr Impfangebote zu schaffen. In der vergangenen Woche seien bereits 33.000 Menschen in der Stadt geimpft worden. Ab 1. Dezember werde zusätzlich zu den Arztpraxen ein dauerhaftes Netz von Impfstellen sowie ein Impfzentrum in der zentral gelegenen Sport- und Veranstaltungshalle Arena aufgebaut. Damit könnte sich die Zahl der Impfungen verdoppeln, sofern die zusagten Dosen geliefert werden. „Ziel sind 10.000 bis 12.000 Impfungen pro Tag“ kündigte Jung an.

Von Klaus Staeubert