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Lokales Corona-Lage in Sachsen: „Wir können gar nicht so schwarz malen, wie die Situation jetzt werden wird“
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LVZ-Talk zu Corona in Sachsen: „Wir können gar nicht so schwarz malen, wie die Situation jetzt werden wird“

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08:30 26.11.2021
LVZ-Talk zur Corona-Situation mit Dr. Thomas Grünewald, Prof. Michael Borte und LVZ-Chefredakteurin Hannah Suppa.
LVZ-Talk zur Corona-Situation mit Dr. Thomas Grünewald, Prof. Michael Borte und LVZ-Chefredakteurin Hannah Suppa. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Die Corona-Infektionslage ist in Sachsen aktuell so brisant wie nie zuvor. Gleichzeitig hat der Freistaat in allen Altersgruppen die geringsten Impfquoten. Einige Menschen lehnen die Immunisierung kategorisch ab, viele sind aber auch verunsichert, ob sie dem Schutz in der Spritze trauen können. Im Video-Talk sprach LVZ-Chefredakteurin Hannah Suppa am Donnerstagabend mit dem Chef der Sächsischen Impfkommission, Dr. Thomas Grünewald, und mit Professor Michael Borte vom Leipziger Klinikum St. Georg über die Infektionslage im Freistaat.

„Wir können gar nicht so schwarz malen, wie die Situation jetzt werden wird“, erklärte Grünewald gleich zu Beginn des Gesprächs mit Verweis auf die extrem hohen Infektionszahlen in Sachsen. Dabei sei der Freistaat wieder sehenden Auges in die nächste Corona-Welle hineingegangen. Laut Grünewald war es völlig klar, dass die Impfungen auch Auffrischungen brauchten. Es sei versäumt worden, dies frühzeitig anzugehen.

Bereits im August hätten in den besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen Boosterungen beginnen müssen, so der Siko-Chef. „Viele haben die Lage aber unterschätzt, weil die Inzidenzen damals sehr niedrig waren. Vielleicht haben wir uns zu leise geäußert“, so Grünewald selbstkritisch. Er verwies aber auch darauf, dass Warnende in dieser Pandemie generell als „Schwarzmaler“ stigmatisiert würden.

Borte: Geimpfte werden nicht zu Superspreadern

Neben den vielen Ungeimpften haben laut Michael Borte nun auch Geimpfte Anteil am Infektionsgeschehen. „Als doppelt Geimpfter kann man sich infizieren. Aber wir wissen auch, dass die Viruslast dann viel geringer ist, als bei einem Ungeimpften“, so der Infektiologe. Zudem sei die Zeitspanne, in der Betroffene das Virus weitergeben können, nach einer Impfung viel kürzer, als bei ungeimpften Menschen. „Die Gefahr, trotz Impfung zum Superspreader zu werden, ist nicht existent“, so Borte.

Der Mediziner bezeichnete die 2G-Regelung deshalb generell auch als sinnvoll, um das öffentliche Leben aufrecht erhalten zu können. Besonders wenn sie mit zusätzlichen Testungen verbunden wird. Allerdings sagte Borte auch: „Die 2G-Regelung wird jetzt nicht mehr ausreichen. Wir gehen auf einen größeren Lockdown zu.“

Siko-Chef: Müssen eine allgemeine Impfpflicht diskutieren

Siko-Chef Grünewald ist grundsätzlich kein Verfechter von Zwangsmaßnahmen. „Aber selbst die Impfpflicht nur für das Gesundheitspersonal wird nicht mehr ausreichen, um die Pandemie zu begrenzen. Deshalb müssen wir jetzt tatsächlich auch eine allgemeine Impfpflicht diskutieren – mit allen verfassungsrechtlichen Problemen“, so Grünewald. Es stehe zu entscheiden, ob Deutschland in den kommenden zwei Jahren noch zwei, drei weitere Wellen durchleben müsse oder ob dies mit einer hohen Impfrate von 95 Prozent verhindert werden soll. „Und diese werden wir ohne Impfpflicht nicht erreichen“, so Grünewald.

Im Verlauf des Gesprächs gingen die Experten auch auf viele Fragen von Leserinnen und Leser ein. Beispielsweise zu Corona-Impfungen bei kleinen Kindern – deren Freigabe die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) seit Donnerstag empfiehlt. Laut des Chefs der sächsischen Impfkommission zeigten die Testreihen hohe Wirksamkeit. „Wir brauchen aber auch Sicherheitsdaten von Hunderttausenden, vielleicht eine Million Kindern, damit wir seltene Nebenwirkungen erfassen.“

Auf der anderen Seite sei aber schon gesichert, dass auch kleine Kinder schwere Covid-19-Erkrankungen erleiden können. „Mindestens Kinder mit gesundheitlichen Risiken sollten deshalb geimpft werden“, so Grünewald. Er kündigte an, dass die Siko auch Impfungen aller anderen Kindern offen gegenüber stehe. Er selbst würde kein Familie abweisen, die dies wünsche.

Von Matthias Puppe