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Lokales Laborzelt ist vorbereitet – bald können Besucher beim Präparieren zuschauen
Leipzig Lokales Laborzelt ist vorbereitet – bald können Besucher beim Präparieren zuschauen
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11:02 21.04.2019
Rene Diebitz – hier mit einem Gipsabdruck – wird den Besuchern ab und an zeigen, wie er Tiere präpariert. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Ohne Schutzanzug und Maske wird es nicht gehen. Ein Teil der historischen Präparate sind kontaminiert. Deshalb ist im Naturkundemuseum ein Wissenschaftszelt aufgebaut worden, in dem Tierpräparator René Diebitz hin und wieder beim Bearbeiten eines Säugetiers anzutreffen sein wird. „Taxidermie“ steht an dem Zelt, auch der vor Gefahren warnende Totenkopf ist aufgedruckt. „Ich muss die Besucher, aber auch mich selbst vor einer Schadstoffbelastung schützen“, erläutert Diebitz. Derzeit laufen die Vorbereitungen.

Die Idee: Museumsbesucher sollen verfolgen können, wie ein Tier bearbeitet werden muss, damit es der Nachwelt erhalten bleibt. Das Museum ist bekanntlich im Aufbruch, sucht einen Standort, an dem ein modernes Konzept umgesetzt werden kann (die LVZ berichtete). Dazu gehört es auch, zu zeigen, was das jetzige Haus in der Lortzingstraße 3 leisten kann und wo die Grenzen sind.

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Museum besitzt wertvolle Ter-Meer-Sammlung

Im Laborzelt werden nun die Arbeiten von Herman ter Meer (1871-1934), eines Wegbereiters der modernen Dermoplastik, konservatorisch betreut. Davon besitzt das hiesige Naturkundemuseum eine Sammlung von 233 wertvollen Exponaten, von der aber aus Platzmangel nur ein Teil ausgestellt werden kann. Diebitz hat bereits 63 Ter-Meer-Dermoplastiken in den zurückliegenden Jahren gereinigt und restauriert. „Sie sind sehr unterschiedlich geschädigt. So kann es passieren, dass die Haut teilweise gerissen ist. Dann muss sie neu verklebt, retuschiert und eventuell coloriert werden“, nennt er ein Beispiel. Was im Laborzelt fertig ist, wird in der Ausstellung präsentiert. Daneben gibt es auch etliche der 44 Exemplare zu sehen, die Eduard Poeppig (1798–1868) während seiner großen Amerikareise gesammelt hat. Dafür wurde eigens ein Raum neu arrangiert.

Tierskulptur als Hingucker geplant

Über mangelnde Aufträge muss sich Diebitz nicht beklagen. Die Kühltruhen mit diversen naturkundlichen Belegen, die das Museum sammeln muss, sind voll. Auch für den künftigen Hingucker: eine Skulptur aus verschiedenen Tierkörpern (12 bis 14 Meter hoch). Die wird völlig neu geschaffen – ein virtueller Vorgeschmack ist in der Dauerschau schon jetzt zu sehen. Für die künftige Präsentation – wo, ist nach wie vor nicht entschieden – hat das Museum einige der notwendigen Arten „gebunkert“. „Die Skulptur bekommt eine dynamische Dramatik, stellt Elemente der natürlichen Nahrungskette dar“, erklärt Direktor Ronny Maik Leder, der das Konzept für die künftige Präsentation erstellte. Dafür werden selbstverständlich die Ter-Meer-Präparate nicht verwendet. „Die sind schließlich Kulturgut“, sagt Diebitz. Die Skulptur berücksichtigt viele Arten – darunter Gnus, die von einem Nilkrokodil angefallen wurden, und Löwen.

Stelle für zweiten Präparatoren ist ausgeschrieben

Unterstützung bekommt der Tierpräparator im Frühsommer durch eine Kollegin oder einen Kollegen. Die Stelle ist ausgeschrieben. Leder ist zufrieden, dass die Leute das aufgehübschte Museum annehmen. „Schon am ersten Wochenende kamen 1000 Besucher“, sagt er – und freut sich erst einmal auf die Kinder in den Osterferien.

Das Naturkundemuseum in der Lortzingstraße 3 ist täglich – außer montags – von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Von Mathias Orbeck