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Lokales Leihladen in Leipzig: Benutzen statt Besitzen
Leipzig Lokales Leihladen in Leipzig: Benutzen statt Besitzen
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20:27 05.10.2019
Frank Reck (59) engagiert sich schon seit mehr als zwei Jahren ehrenamtlich beim Leipziger Leihladen in Plagwitz. Quelle: André Kempner
Leipzig

In der „Bibliothek der Dinge“ in der Naumburger Straße 49 stehen im Schaufenster einige Küchengeräte, darunter auch ein Kirschentkerner. Kommt man durch die Tür rein, überrumpelt den Besucher auf den ersten Blick ein buntes Durcheinander. Auf den zweiten begegnet einem das freundliche Lächeln von Frank Reck. Der Rentner engagiert sich ehrenamtlich beim Leila – kurz für Leihladen.

2016 gründeten Lars Frost und Jana Rehwagen den Laden. Das Konzept ist einfach: ein ehrenamtliches Projekt zur gemeinschaftlichen Nutzung von Gegenständen. Nun gibt es den Leila seit mehr als drei Jahren. Frank hilft seit knapp 2,5 davon mit. „Uns war in erster Linie wichtig, dass wir die Bibliothek der Dinge nur mit Menschen gründen, die auch vollkommen hinter der Idee stehen“, erzählt Lars. Frank sei da wohl „Man of The Year“ – Mann des Jahres. Bei ihm kämen die meisten neuen Mitglieder hinzu. Ein bisschen neidisch mache Lars das schon, bemerkt er scherzhaft. Umso mehr freut es ihn, dass sich Frank wohl fühlt und für die Sache richtig brennt.

Neueste Mitglieder kommen aus Norwegen

Das neueste Mitglied, das der Rentner für den Leila begeistert hat, ist ein junges Pärchen aus Norwegen. Sie seien gerade erst nach Leipzig gezogen und bräuchten Geräte, um ihre Wohnung einzurichten. „Sie hatten sich auch vorher schon informiert und wurden spontan Mitglieder. Natürlich haben sie auch sofort die Stichsäge ausgeliehen, weil am nächsten Tag der Küchenbau anstand“, erzählt Frank.

Vom Werkzeug bis zum Grill

Im Leihladen finden sich aber weitaus mehr Dinge, als nur eine Stichsäge. Wer mit Freunden mal campen möchte, kann sich dort auch Zelte und Schlafsäcke holen. „Wir haben viel Werkzeug, Campingausrüstung, Reiseführer und neuerdings auch mehrere Küchen- und Haushaltsgeräte“, zählt Frank auf. In den Regalen drängen sich Brettspiele, DVDs, Bücher und Ähnliches. Auch eine Gitarre kann man sich ausleihen. Absolutes Highlight im Laden: Ein glänzender neuwertiger Edelstahlgrill, den sie als Spende erhalten haben.

Einjährige Mitgliedschaft kostet 24 Euro

Um sich Gegenstände auszuleihen, muss man zunächst Mitglied werden. Für zwölf Euro ist man ein halbes Jahr Mitglied, für 24 Euro läuft die Mitgliedschaft zwölf Monate lang. Wer den Laden mit einem Beitrag von 36 Euro unterstützt, bekommt auch ein frischgebackenes Leila Bio-Brot geschenkt. Neben der Mitgliedsgebühr muss man selbst einen Gegenstand zum Ausleihen beisteuern. Zieht man irgendwann weg oder man will die Mitgliedschaft kündigen, kann man die eigenen Zugaben auch wieder mitnehmen.

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Über einen Flyer wurde Frank auf den Leila aufmerksam. „Als ich das erste Mal vorbeigekommen bin, war es noch sehr chaotisch“, erzählt er. Zwischen Lars und ihm habe es auf Anhieb gefunkt: „Kaum haben wir uns kennengelernt, wurde ich eingewiesen und stand auch schon hier alleine im Laden.“ Das Vertrauen, dass ihm Lars entgegengebracht habe, sei für ihn die Bestätigung gewesen. Außerdem wolle der Rentner etwas Sinnvolles mit seiner freien Zeit anstellen. „Ich kann natürlich auch eine Modelleisenbahn in meinem Keller bauen, aber davon habe ja nur ich etwas“, sagt er. Die Bereitschaft der Menschen, auch anderen etwas Gutes zu tun, bedeutet ihm besonders viel.

Konzept schont Umwelt und Ressourcen

Das umweltbewusste und Ressourcen schonende Konzept des Leihladens schätzt er sehr. Hinter der Idee stehe nämlich hauptsächlich das Thema Nachhaltigkeit. Menschen zu sensibilisieren, dass sie nicht alles besitzen müssen, sei jedoch eine Herausforderung. Vieles, was man im Haushalt vielleicht ein bis zwei Mal im Jahr braucht, steht die meiste Zeit unbenutzt herum. Frank selbst habe zwei Tapeziertische im Keller, auf denen er noch nie etwas tapeziert hat.

So ist es ganz nützlich, sich eine Bohrmaschine auszuleihen, wenn man mal eben ein Bild aufhängen möchte. „Derartige Geräte kosten viel Geld und sind auch zum Großteil in Plastik verpackt. Akkuschrauber oder Bohrer werden eben in großen Kunststoffkoffern verkauft“, erklärt Frank.

Suche nach neuem Standort

Die Bibliothek der Dinge kämpft derzeit mit einem ernsten Problem: Bis Ende Oktober müssen sie ihren jetzigen Standort räumen, da sie mit den Mitgliedsbeiträgen die Miete nicht bezahlen können. Deshalb brauchen sie für ihre Leihgegenstände einen neuen Raum und sind auch bereit, bei anderen Vereinen unterzukommen. Lars und sein Team wären für Hinweise diesbezüglich dankbar.

Weitere Informationen

Mehr Infos gibt es unter www.leila-leipzig.de oder per Mail an kontakt@leila-leipzig.de.

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