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Lokales Leipzig-Besucher offenbar Opfer einer Verwechslung: Nach Übergriff auf einem Auge blind
Leipzig Lokales Leipzig-Besucher offenbar Opfer einer Verwechslung: Nach Übergriff auf einem Auge blind
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18:56 25.05.2016
Einem Angestellten aus Leipzig wird wegen schwerer Körperverletzung am Landgericht der Prozess gemacht.
Einem Angestellten aus Leipzig wird wegen schwerer Körperverletzung am Landgericht der Prozess gemacht. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Schläge in sein Gesicht haben sein Leben kolossal verändert: Seit der massiven Gewalteinwirkung ist Nico Q. (32) auf dem linken Auge blind. Mit dem tragischen Fall des Mannes aus dem Vogtland, der am 26. September 2014 in der Leipziger City offenbar ohne erkennbaren Anlass angegriffen wurde, befasst sich derzeit das Landgericht. Das Urteil gegen den Angeklagten Matthias W. (29), einen Angestellten aus Leipzig, ergeht voraussichtlich am 1. Juni. Ihm wird schwere Körperverletzung angelastet.

Nach der Darstellung des Geschädigten hatte er sich damals zu einem Blitzbesuch in Leipzig entschlossen. Noch zu später Stunde brach er in der Kleinstadt Netzschkau im Vogtland mit einem Kumpel auf, um einen weiteren Netzschkauer, der damals in Leipzig Musikwissenschaften studiert hat, zu treffen. Die kleine Gruppe blieb gleich in der Innenstadt – am Hauptbahnhof. „Wir haben uns einen schönen Abend gemacht, geredet und getrunken. Eine Gitarre war auch dabei“, berichtete Nico Q. vor Gericht. Als er dann Zigaretten kaufen wollte, hatten jedoch längst alle Geschäfte geschlossen, sodass die Truppe eine Bar unweit des Bahnhofs aufsuchte. Auf dem Weg zurück, gerade als er die Treppe zum Querbahnsteig hinauflief, wurde er plötzlich von hinten angegriffen. „Ich ging zu Boden und war gleich weg“, so der 32-Jährige. Seine beiden Kumpel aus dem Vogtland waren noch etliche Meter hinter ihm, wurden Zeugen des Übergriffs nur aus einiger Entfernung. In der Hand des Schlägers habe es „geglitzert, vielleicht war das eine Faustklinge“, mutmaßte einer von ihnen. Die Staatsanwaltschaft geht bislang davon aus, dass der Angeklagte mit der rechten Hand, aus der eine fünf Zentimeter lange Klinge herausragte, zuschlug und sie dem Opfer über das Gesicht zog. Dadurch sei der linke Augapfel und die linke Wange zerschnitten worden. Laut einer Ärztin kann das Augenlicht definitiv nicht wiederhergestellt werden. „Ich kann nicht mehr räumlich sehen“, so der Geschädigte. Er verlor seinen Job als Leiter eines Möbelhaus-Lagers, er konnte nicht mehr Fußball spielen, auch nicht mehr Auto fahren. „Ich habe sogar Schwierigkeiten, eine Treppe herunterzulaufen.“ Ein Jahr lang war Nico Q. krankgeschrieben. „Aber ich muss wieder auf die Beine kommen“, macht er sich selbst Mut. Doch mit diesem Handicap einen Job zu finden, sei schwer. Der Angeklagte gab das Zuschlagen zu. „Er hat aber kein Messer oder einen ähnlich spitzen Gegenstand verwendet“, sagte Verteidigerin Nadine Lippold, die eine Erklärung für ihren Mandanten abgab. Demnach wollte sich Matthias W. für Schläge rächen, die er zuvor angeblich vom Geschädigten bekommen hat. Letzterer jedoch widersprach: „Ich schließe aus, dass ich vorher Stress mit ihm hatte, ich sehe den Angeklagten im Gericht zum ersten Mal.“ Möglicherweise war der Geschädigte das Opfer einer Verwechslung. Denn an dem Abend hatten sich am Hauptbahnhof offenbar die Wege gleich mehrerer Grüppchen betrunkener Männer gekreuzt, die teils auch heftig aneinandergeraten waren.

Von Sabine Kreuz