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Lokales Leipzig: Mehdis Mannschaft im Länderspiel
Leipzig Lokales Leipzig: Mehdis Mannschaft im Länderspiel
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12:09 09.07.2019
Mehdi Bahrami (17) tritt mit seiner Mannschaft am interkulturellen Fußballturnier der Initiative Weltoffenes Gohlis an. Quelle: Andre Kempner
Leipzig

In eigenen blaugelben Adidas-Trikots werden Mehdi (17), Sayed (18) die anderen Jungs von „Mohajer Leipzig“ auf dem Platz stehen. Genau genommen bilden sie heute sogar zwei Mannschaften, denn bei dem Kleinfeld-Turnier, das der Bürgerverein Gohlis gemeinsam mit dem Roten Stern ausrichtet, spielen nur jeweils sieben Leute in einem Team. Mohajer I und Mohajer II haben sich dafür heute formiert. Die eine Mannschaft wird später Gold vom Platz tragen, die andere eine bittere Niederlage. Noch aber herrscht pure Vorfreude. Gut gelaunt besprühen die Jungs gemeinsam ihre beiden Plakate: „Wir haben dieses Jahr schon drei Pokale gewonnen“ erzählt Mehdi stolz.

FC Somalia Grimma will den Titel verteidigen.

Das Team Somalia Grimma holte im letzten Jahr Gold – und ist bereit den Titel zu verteidigen. Quelle: Andre Kempner

Nebenan bereiten sich die Sieger des letztjährigen Turniers auf die Verteidigung ihres Titel vor. Die Spieler um Abdirahman ilmi Sharif (22) von den Somali Jungs sind gemeinsam mit fast dreißig Landsmännern da, sie werden mit drei Mannschaften am Turnier teilnehmen: FC Somalia Leipzig, FC Somalia Grimma und die Somali Jungs. Außerdem spielen Nigeria, Venezuela und das Team „Mama Afrika“, die beiden Letzteren haben zwar keine Trikots, aber dafür jede Menge personellen Support: Zahlreiche Landsmänner und –frauen sind als Zuschauer zum Stadion des Friedens in die Max-Liebermann-Straße gekommen. „Das war die letzten Jahre noch nicht so“, freut sich Gerd Klenk vom Bürgerverein Gohlis, der das Turnier zum vierten Mal in Folge mit organisiert. Wenn später der Grill angeschmissen wird, kommen nicht nur die Spieler der verschiedenen Mannschaften, sondern auch deren Freunde und Anhänger und sogar die Handvoll deutscher Zuschauer zusammen. Um diese Begegnung geht es der Initiative Weltoffenes Gohlis, natürlich neben dem Spaß am Sport: „Es ist eine tolle Sache, wenn die Menschen so zusammenkommen“ sagt Andreas Praße, der ein Mikrofon und die sportliche Organisation heute in seinen Händen hält. Er ist selbst begeisterter Fußballer, Mitglied sowohl beim Connewitzer Fußballverein Roter Stern also auch in der Initiative.

„Die Deutschen sind zu spät“

Das sind die Teilnehmer des diesjährigen interkulturellen Fußballturnieres. Quelle: Andre Kempner

Gerade tüftelt Gerd Klenk vom Bürgerverein Gohlis und dessen angegliederter Initiative weltoffenes Gohlis am Turnierplan: Im letzten Moment hat sich das Team International noch formiert. Dank Lieven Hoffmann (20), er ist im letzten Moment eingesprungen: „Die ganzen Deutschen sind zu spät“, witzeln Kevin Mensah (24) und Ramazan Tehin (23) in akzentfreiem Deutsch. Sie sind hier geboren. Wenn Mehdi Bahrami (17) so weitermacht, wird er seinen Akzent auch bald verloren haben: Vor drei Jahren kam er aus dem afghanischen Wardak nach Deutschland, jüngst hat er die Aufnahmeprüfung für das berufliche Gymnasium geschafft: „Ich wusste nicht, was für eine Ausbildung ich machen soll und dachte dann, ich gehe einfach weiter zur Schule“ erzählt er bescheiden lächelnd in nahezu fließendem Deutsch. Sein Teamkollege Sayed Hashemi (17) lebt in Eilenburg, zum Herbst wird er eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker in Grimma beginnen. An den Wochenenden treffen sich Mehdi, Sayed und die anderen zum Training in Leipzig, einen Coach haben sie selbstverständlich auch. Das Trikot von Sattat Karimi (24) ist dunkelblau, er hat die beiden Mannschaften heute zusammengestellt, die Besetzung aber möchte er erst kurz vor Spielbeginn bekannt geben. „Wir sind alle stark!“ stellt da der 17-jährige Ali Mertatt gleich mal mit einem frechen Grinsen klar, sein Trainer erwidert das mit einem sanften Kopfnicken.

Erstes Spiel, keine Tore

Die Gruppenphase beginnt, Levi Beinborn (13) und Christopher Pitz (28) vom Roten Stern pfeifen die ersten beiden Spiele an. Die Mohajer-Jungs haben sich formiert und stehen beide auf dem Feld: Mohajer I links gegen die Somali Jungs, Mohajer II gegen FC Somalia Grimma rechts, das erste Spiel geht ohne Tore zu Ende. nimmt es gelassen:

Schon in der nächsten Spielphase ist es dann aber vorbei mit der Gelassenheit. Ein ungültiges Tor und die Unzufriedenheit mit einer Schiedsrichter-Entscheidung lassen die Emotionen bei Mohajer II hochkochen. Als die gelbe Karte schließlich zerrissen ist und die energischen Erklärungsversuche der Spieler nicht enden wollen, fällt das Orga-Team eine radikale Entscheidung: Mohajer II wird vom Turnier ausgeschlossen. Erst regiert Enttäuschung, später dann auch Einsicht: „Ich weiß, was ein Schiedsichter sagt, muss akzeptiert werden“, sagt Mehdi tapfer, sein blaues Trikot hat er ausgezogen. „Es fiel kurz schwer, das zu akzeptieren“. Schiedsrichter Christopher Pitz (28) weiß das zu gut: „In den unteren Ligen wird es sehr oft schnell emotional. Ich finde es gut, dass eine radikale Entscheidung gefällt wurde“, sagt er. Dank der blieb den Jungs von Mohajer II nunmehr nichts anderes zu tun, als ihren Team-Kollegen den Rücken zu stärken. Die räumten schließlich ab an diesen Nachmittag – und klopften dem jungen Schiedsrichter am Ende dieses Nachmittages noch einmal anerkennend auf die Schulter.

Von Anna Flora Schade

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