Leipzig hat ein "Ministerium für Abenteuer" - es macht den gesamten Juni zum Kindertag
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Leipzig hat ein "Ministerium für Abenteuer" - es macht den gesamten Juni zum Kindertag

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14:37 01.06.2021
Die Leipziger „Abenteuerminister“ Eric Rechtschaffen und Marie Lehmann.
Die Leipziger „Abenteuerminister“ Eric Rechtschaffen und Marie Lehmann. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen nach Abenteuern sind in Leipzig ganz hoch angebunden, beim „Ministerium für Abenteuer“, das im Leipziger Sportforum sitzt. Wir sprachen mit „Abenteuerminister“ Eric Rechtschaffen (48) und „Abenteuerministerin“ Marie Lehmann (30).

Frage: Wer hat euch zu Ministern ernannt?

Eric Rechtschaffen: Das waren wir selbst. „Ministerium für Abenteuer“ ist einfach ein cooler Name, den die Leute sich merken. Wir arbeiten seit 2016 unter dieser Marke, mittlerweile mit 350 Schulen in Mitteldeutschland zusammen. Offiziell heißt unser Unternehmen Campus für Bildung und Sport gGmbH. Wir sind ein Team von 40 Leuten – Sozialpädagogen, Sozialarbeiter, Sportwissenschaftler, unsere Übungsleiter sind meist Studenten. Wir machen nicht nur Angebote für Kinder, sondern auch für Lehrer. Unsere drei großen Säulen sind die Themen Digitalisierung und Bewegung, Teambuilding und Motivation sowie Sport. Alles auf moderne Art.

Das "Ministerium für Abenteuer" bietet auch 2021 ein Sommerferienprogramm an. Kinder und Jugendliche können unter anderem beim Stand-up-Paddeln am Cospudener oder Kulkwitzer See mitmachen. Quelle: PR

Wann konntet ihr das letzte Mal Abenteuer mit Kindern ausrichten?

Marie Lehmann: Im September fanden die letzten vereinzelten Events statt. Hinter uns allen liegt eine harte Zeit, der Lockdown war für viele Kinder eine unglaubliche Last. Über Monate waren sie mit Angst konfrontiert, immer ging es darum, sich von anderen zu isolieren. Aber der Mensch ist ein soziales Wesen. Jetzt ist das Bedürfnis natürlich groß, aktiv zu sein, draußen zu sein, mit anderen zusammen etwas Neues zu erleben.

Aktion „Der Juni gehört den Kids“

Das „Ministerium für Abenteuer“ und sein Partner Freizeitcampus wandeln den gesamten Juni zum Kindertag um. Innerhalb dieses Monats können Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 14 Jahren einmalig kostenlos für 1,5 Stunden am Stand-up-Paddeln oder an Strandspielen teilnehmen, wahlweise am Cospudener See oder Kulkwitzer See. Die Outdoor-Abenteuer finden montags bis freitags zwischen 16 und 18 Uhr sowie sonnabends und sonntags zwischen 10 und 18 Uhr statt. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden durch ausgebildete Coaches und Rettungsschwimmer begleitet. Es gilt ein spezielles Hygienekonzept. Freiwillige Spenden sind willkommen.

Die Juni-Aktion ist zugleich ein Vorgeschmack auf das Sommerferienprogramm, dabei handelt es sich dann um ein sechsstündiges Tagesprogramm (Kosten: 29,90 Euro, mit Ferienpass 19,90 Euro)

Was brauchen Kinder jetzt besonders?

Marie Lehmann: Nach der Corona-Zeit geht es jetzt darum, dass Kinder und Jugendliche wieder mit anderen zusammenfinden, ein Wir-Gefühl entwickeln und sich wieder als Gemeinschaft verstehen. Die Isolation und Abkapselung werden uns noch lange begleiten, aber wir brauchen wieder Kinder, die lachen.

Wie könnt ihr das fördern?

Eric Rechtschaffen: Mit Teamaufgaben wie ein Floß bauen, oder gemeinsam ein anderes Projekt umzusetzen. Jeder soll seine Stärken und Schwächen einbringen, Selbstbewusstsein neu aufbauen und seine Rolle in der Gruppe finden. Wir verbinden Herzlichkeit mit Motivation und Emotion, so dass die Kinder am Ende sagen: Das war cool, meine Schule ist cool, meine Klasse ist cool und ich bin okay so wie ich bin.

Mit der Aktion „Der Juni gehört den Kids“ erklärt ihr gleich einen ganzen Monat zum Kindertag, wie kommt das?

Eric Rechtschaffen: Die Kids wurden über so viele Monate im Stich gelassen. Wir fühlen uns in der Pflicht, etwas für sie zu tun. Deshalb können sie im Juni zu uns an den Cospudener oder Kulkwitzer See kommen und für anderthalb Stunden kostenlos beim Stand-up-Paddeln oder bei Strandspielen mitmachen. Wir bekommen dafür keinerlei Förderung, bezahlen die Übungsleiter und das Material aus eigener Tasche. Spenden sind natürlich gern gesehen. Sollten sich mehr als 750 Kinder anmelden, dann wären wir allerdings auf Sponsoren angewiesen. Machbar ist viel, wenn wir zusammenarbeiten.

Von Kerstin Decker