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Lokales „Leipzig ist Leipzig – übertriebene Vergleiche müssen nicht sein“
Leipzig Lokales „Leipzig ist Leipzig – übertriebene Vergleiche müssen nicht sein“
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12:01 25.05.2019
Ulrich Becker im Alten Rathaus. Quelle: Kempner
Leipzig

Ulrich Becker, noch 80, ist ein Bürger Leipzigs. Und das im besten Sinn des Wortes. Die Menschen, die Stadt, die Kultur haben es ihm angetan. Er „erinnert“ sich an eine sehr frühe Begegnung, „es war im Jahr 1938, da war ich das erste Mal hier, im Bauch meiner Mutter, Vater hatte als Rechtsanwalt am Reichsgericht zu tun“.

Der alten Bundesrepublik schnell adieu gesagt

Als die Friedliche Revolution geschehen war, sagte Becker, Architekt von Beruf, der zudem Kunst und Religion studiert hatte, der alten Bundesrepublik schnell adieu. Er verkaufte seinen Bauernhof in Niederbayern und zog nach Leipzig. Die Stadt kannte er bis dato nur aus der Ferne und ob ihrer üblichen Verdächtigkeiten, Messe, Bach, Völkerschlacht samt Denkmal, das Alte Rathaus. Becker kam sozusagen als Arbeiter hierher, hatte in den 1990er-Jahren mit dem Neubau und der Rekonstruktion von Wohngebäuden, vor allem auch im Waldstraßenviertel, gut zu tun. Über Jahre brummte der Motor, als der aber stotterte und die großen Firmen hier aufschlugen, war Becker fast im Rentenalter, schloss sein Büro und widmete sich ganz seiner neuen, seiner späten Heimat Leipzig mit ihrer Kunst und Kultur.

Gegen Leipziger Größenwahn

Er schätzt die Stadt ob der Weltoffenheit und einem überreichen Angebot von Musik und Geschichte, Kunst und Sport. Das alles nimmt er in sich auf, nur mag er es nicht, wenn ab und an der hiesige Größenwahn durchkommt und in Superlativen gedacht wird: „Leipzig ist Leipzig, übertriebene Vergleiche müssen nicht sein.“ Der Architekt lobt den „herausragenden Bau der neuen Paulinerkirche“ und ist „verärgert über die Gestaltung der Höfe am Brühl. Ein Fehlgriff, der nicht hätte passieren dürfen“. Und was wünscht er sich für die Zukunft? – „Eine Neugestaltung der Grassi-Insel mit dem Wiederaufbau des Johanniskirchturms würde ich begrüßen, Leipzig muss wieder eine Markthalle bekommen, auf dem einstigen Königsplatz, und endlich ein vorzeigbares Naturkundemuseum, das alte Gebäude sanieren und mit einem modernen Anbau ergänzen. Gerade auch in der Nähe zum Zoo ist der Standort optimal.“

Stark engagiert im Verein

Die Stadt in ihrer Vielfalt bedeutete für Becker stets ein Geben und Nehmen, vor allem auch in der Hieronymus-Lotter-Gesellschaft, zu dessen Ehrenmitglied er jüngst ernannt worden war. Über Jahre leitete er den Verein zur Förderung des Stadtgeschichtlichen Museums und prägte ihn mit seinem Charisma. Projekte anschieben, wie das auf den Stand der Zeit gebrachte Stadtmodell im Festsaal des Alten Rathaus, und Bildungsfahrten für die Mitglieder organisieren, das waren seine Stärken. „Etwas gemeinsam erleben, die Kulturlandschaften durchwandern, sich kennenlernen, zusammen essen und trinken“, das alles gehörte für Becker zum Vereinsleben bei „Lotter“. Ihm lag sehr viel an den persönlichen Kontakten zu den Mitgliedern, „wie könne man sie sonst motivieren, Geld zu geben?“

Von wegen Oldtimer

Beckers Erkennungszeichen ist sein roter Schal. Da es in Leipzig noch weitere diesbezügliche Träger gibt, hat er sich auf die Farbe Bordeauxrot festgelegt. Der Schal, warum, seit wann? – „Seit ich einen Mercedes mit Schiebedach fahre, dient der Schal als Schutz für den Hals.“ Der Wagen, nun fast 30 Jahre alt, rollt noch immer und gilt ab nächstem Jahr als Oldtimer. Sein Fahrer macht sich über sein Alter(n) wenig Gedanken, er ist gut unterwegs, hat viel vor, der Geist ist wach. Von wegen Oldtimer. Es gibt neue Herausforderungen. Zum Beispiel im Förderverein für die Dorfkirche in Dehlitz an der Saale. Der alte Teil des Gotteshauses aus Zeiten der Renaissance soll ergänzt werden um einem neuen aus Glas und Beton und einen Ort für Begegnungen über das Christsein hinaus. Benefizkonzerte zugunsten des Vorhabens finden statt. Noch fehlt Geld für die Realisierung. Zweifel, dass auch das zu schaffen ist, hat Becker nicht. Getreu der Lebensweisheit seines Vater, der da meinte „Wer 99 Jahre Pfeffer ist, wird alt“, hat er ja auch noch einige Jahre vor sich.

Von Thomas Mayer

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