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Lokales Leipzig schließt den Fernwasserring
Leipzig Lokales Leipzig schließt den Fernwasserring
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06:01 18.08.2018
Ulrich Meyer und Sven Lietzmann an der Kanalbaustelle in der Roscherstraße. Quelle: André Kempner
Leipzig

Hitze, Dürre, Trockenheit: Das aktuelle Wetter macht auch deutlich, wie wichtig eine stabile Wasserversorgung ist. Wie rüsten sich die Leipziger Wasserwerke (LW) für den Klimawandel? Darüber sprechen wir in unserer Reihe „Leipzig 2030“ mit Ulrich Meyer (51), Technischer Geschäftsführer, und Sven Lietzmann (40), Teamleiter Anlagen- und Kanalnetzmanagement.

Im Mittel lag der Verbrauch in Ihrem Netz bisher bei 98 000 Kubikmetern am Tag; die bisheriger Spitze gab es am 3. Juli 2015 mit 126 000 Kubikmetern. Hat sich daran in diesem Sommer etwas geändert?

Meyer: Beim Spitzenverbrauch nicht – hier haben wir den höchsten Wert am 5. Juli gemessen, der ebenfalls bei 126 000 Kubikmetern lag. Das Besondere an diesem extrem trockenen und warmen Sommer ist eher die konstant hohe Abgabe über einen so langen Zeitraum. Seit Anfang Juni haben wir im Mittel 109 000 Kubikmeter Trinkwasser in das Netz abgegeben. Im gleichen Zeitraum im Vorjahr lag der Mittelwert bei nur 101 000 Kubikmetern am Tag.

Wir haben es seit Wochen mit Hitze und Dürre zu tun. Da stellt man sich die Frage: Wenn es so weiter geht, reicht dann das Trinkwasser noch aus? Fließt es auch im Jahr 2030 noch einfach so aus dem Hahn?

Meyer: Selbstverständlich. Unser „Zukunftskonzept Trinkwasserversorgung 2030“ hat zum Ziel, genau dafür zu sorgen. Wir machen uns fit für das Bevölkerungswachstum, die Industrie- und Gewerbeentwicklung und haben auch den Klimawandel im Blick. Die Klimaveränderungen sind ein ganz entscheidender Faktor, den wir in der Wasserwirtschaft zu berücksichtigen haben. Es gibt zunehmend längere Trockenperioden und dann wieder Starkregen-Ereignisse, mit denen unsere Systeme klarkommen mussmüssen. Aktuell können wir die Versorgung trotz der langen Trockenperiode mit unseren vier Wasserwerken und der Kapazität aus dem Fernwassernetz aber sicherstellen. Auch wenn die Pegel in den Brunnen und Gewässern teilweise einen historischen Tiefstand aufweisen.

Was sieht Ihr Zukunftskonzept 2030 alles vor?

Meyer: Wie am Ende des 19. Jahrhunderts, als die erste moderne Trinkwasserversorgung Leipzigs entstand, haben wir es wieder mit einer Situation dynamischen Wachstums zu tun, in der wir einen steigenden Bedarf decken müssen. Wir gehen dabei von 700 000 Einwohnern aus. Das erfordert eine umfangreiche Umstrukturierung und Modernisierung. Derzeit betreiben wir vier Großwasserwerke: zwei in Canitz/Thallwitz, zwei in Naunhof. Diese liefern drei Viertel des Wassers; der Rest kommt von der Fernwasser Elbaue-Ostharz GmbH. Die beiden über 100 Jahre alten Wasserwerke in Naunhof haben wir untersucht – mit dem Ergebnis, dass es wirtschaftlicher ist, beide stillzulegen und durch ein neues und modernes Werk zu ersetzen. Die Behälteranlage in Probstheida liegt sehr niedrig, so dass wir mit elektrischen Pumpen für den nötigen Druck im Wassernetz sorgen müssen, das verbraucht viel Energie. Wir werden daher auf dem schwarzen Berg bei Taucha und auf dem Galgenberg bei Liebertwolkwitz die bestehenden Behälter erweitern, das spart Pumpenergie und erhöht die Versorgungssicherheit. Der Fernleitungsring, der bisher im Südwesten noch eine Lücke hat, wird geschlossen. Das erhöht die Versorgungssicherheit zusätzlich.

Wann soll das alles passieren?

Meyer: Im Rahmen des Zukunftskonzeptes schrittweise in den nächsten Jahren. Die zentralen Elemente – neues Wasserwerk, Ringschluss und Behälter Galgenberg – sollen bis 2030 fertig sein. Es handelt sich um die umfassendste Neustrukturierung unserer Wasserversorgung seit ihrer Entstehung. Wir haben uns dieser Aufgabe nicht nur wegen des Bevölkerungswachstums gestellt. Auch wenn wir bei 600 000 Einwohnern bleiben würden, stehen bestimmte Investitionen einfach an. Zur Umsetzung des Konzeptes werden wir in den kommenden Jahren bis 2030 jährlich etwa zehn Millionen Euro investieren.

Wann geht das neue Wasserwerk in Naunhof ans Netz?

Meyer: Nach aktueller Planung 2024/2025.

Was ist in einem solchen modernen Wasserwerk anders?

Meyer: Entsäuerung, Filtration mit Entmanganung und Enteisenung – diese wesentlichen Behandlungsstufen sind im Prinzip dieselben wie vor 100 Jahren. Aber halt mit effizienterer Technik und einem höheren Grad an Automatisierung.

In Canitz bleibt alles beim Alten?

Meyer: Im Wesentlichen ja. Wir haben dort aber in den letzten Jahren knapp 100 moderne Brunnen mit hoher Förderkapazität neu errichtet und damit alte, nicht mehr leistungsfähige Brunnen ersetzt. Ende des Jahres ist dieser Prozess beendet.

Wie teuer ist das Wasser in zwölf Jahren?

Meyer: Das kann man über diesen Zeitraum nicht ganz einfach vorhersagen. Im Rückblick haben wir seit 2010 im Wesentlichen stabile Trinkwasserpreise. In den nächsten Jahren sehe ich moderate Steigerungen im Rahmen der normalen Teuerung. Wir werden beim Trinkwasser also nicht über die Inflationsrate gehen und rechnen eher damit, leicht darunter zu bleiben.

In vielen Regionen ist die Nitratbelastung infolge landwirtschaftlicher Einträge ein Problem. Wie sieht das bei Ihnen aus?

Meyer: In Canitz betreiben wir selbst ökologische Landwirtschaft in unseren Grundwassereinzugsgebieten, sodass wir die Nitrateinträge aktiv steuern können und damit deutlich minimieren. In Naunhof arbeiten wir mit Landwirten zusammen, da gibt es vereinbarte Düngemengen, und der Wald wirkt sich auch positiv aus. Es gibt auch dort keine Nitratprobleme.

Was bereitet Ihnen denn die meisten Probleme, um die Qualität dauerhaft zu sichern?

Meyer: Auch wenn es aktuell noch kein akutes Problem für die Trinkwasserqualität in unserem Gebiet darstellt, müssen unsere natürlichen Wasserressourcen mittelfristig noch besser vor Mikroverunreinigungen geschützt werden, wie zum Beispiel vor Rückständen von Medikamenten, Industriechemikalien oder Pestiziden.

Wie gehen Sie mit Arzneirückständen im Abwasser um?

Meyer: Wir reden hier ja von einer Vielzahl von Stoffen, die in winzigsten Mengen von häufig wenigen Mikrogramm je Liter im Abwasservorkommen. Diese Stoffe können mit der etablierten Technik in den Klärwerken nicht komplett zurückgehalten werden. Deshalb gehen wir ja immer wieder in die Öffentlichkeit und klären die Bevölkerung auf, dass die Toilette kein Abfallbehälter für nicht gebrauchte Medikamente ist. Ob eine vierte Reinigungsstufe erforderlich und sinnvoll ist, wird derzeit intensiv in Politik und Branche diskutiert. Wir denken, dass zunächst andere vorbeugende Maßnahmen zur Vermeidung des Eintrags solcher Stoffe umgesetzt werden sollten, halten aber im Rosental Platz vor, um eine solche vierte Stufe eventuell bauen zu können.

Es gibt derzeit wieder verstärkte Debatten über die Auswirkungen einer Privatisierung der Wasserversorgung, vor allem in afrikanischen Ländern. Auch in einigen Versorgungsgebieten Deutschlands sind private Anteilseigner im Boot. Gibt es bei Ihnen für die Zukunft ähnliche Überlegungen?

Meyer: Nein, überhaupt nicht. In Leipzig und Umland ist die Trinkwasserver- und die Abwasserentsorgung eine der ganz zentralen Aufgaben kommunaler Daseinsfürsorge. Insgesamt sehen wir in Deutschland hier eher einen Trend zur Rekommunalisierung als zu einer weitergehenden Privatisierung.

Sie hatten bereits die Erweiterung des Klärwerks im Rosental angesprochen. Wie ist da der Stand, wie geht es weiter?

Meyer: Ende des Jahres wollen wir den Genehmigungsantrag bei der Landesdirektion einreichen. Die technischen und umweltrechtlichen Planungen sind nahezu fertig. Wenn wir den Genehmigungsantrag eingereicht haben, bringen wir die Ausführungsplanungen auf den Weg. Wir hoffen, dass wir noch 2021 anfangen können zu bauen und spätestens 2025 mit der ersten Stufe in Betrieb gehen.

Wir haben es immer häufiger mit Starkregen-Ereignissen zu tun: Legen Sie Ihre Systeme größer an?

Lietzmann: Für extreme Starkregenereignisse ist die Kanalisation nicht ausgelegt. Um sich bestmöglich zu wappnen, müssen Abwasserentsorger, Kommune und Bürger zusammen Lösungen finden. Wo kann es bei Starkregen zu Überflutungen kommen, und was können wir dagegen tun, damit das Wasser nicht in Häuser und Tiefgaragen läuft, sondern dorthin, wo es keinen Schaden verursacht? Dazu bauen wir gerade ein hydraulisches Modell auf, das Risikogebiete aufzeigen wird. Da geht es nicht nur um bereits bekannte Stellen, sondern auch um Orte, die künftig gefährdet sein können. Diesen Stellen können wir uns dann gezielt widmen und mit Stadt und Anliegern Handlungsoptionen prüfen. Gegebenenfalls müssen wir dann auch Kanäle mit größerem Querschnitt verlegen. Das wird von Fall zu Fall entschieden. Die zunehmende Versiegelung stellt uns ebenfalls vor Herausforderungen..

Was können die Bürger selbst tun? Natürliche Flächen, von denen Wasser versickern, auf denen der Boden Wasser aufnehmen kann, findet man in vielen Gärten nicht mehr...

Lietzmann: Zunächst einmal müssen Grundstückseigentümer ihr Eigentum vor Rückstau aus der Kanalisation und vor Oberflächenwasser etwa durch Starkregen schützen. Dazu haben wir zusammen mit der Stadt gerade einen Leitfaden mit Tipps aufgelegt. Als Bürger kann ich dafür sorgen, dass möglichst wenig Wasser von meinem Grundstück in die Kanalisation fließt. Zum Beispiel indem ich Flächen schaffe, auf denen Wasser versickern oder verdunsten kann, indem ich möglichst wenig Fläche versiegele, durchlässige Materialen wie Rasengittersteine verwende oder indem ich Dächer begrüne. Da gibt es schon gute Möglichkeiten.

Wie ist der Stand beim Kanalsanierungsprogramm?

Lietzmann: Wir haben unser gesamtes Netz mit Kameras befahren – das sind 2800 Kilometer, ohne Hausanschlüsse. Wir wissen, wo es welche Schäden gibt. Ein großer Teil ist in einem guten betriebsfähigen Zustand, ein Teil davon ist relativ neu – nach der Wende haben wir ziemlich viel neu gebaut. Dringend sanieren müssen wir derzeit rund ein Viertel des Systems, das bis etwa 1950/1960 gebaut wurde und nun dran ist. Fertig ist man nie. Aber 2030 werden wir bei den großen Kanälen auf einem guten Stand sein. Neben den größeren Investitionen beheben wir etwa 1000 Schäden pro Jahr mit grabenlosen Reparaturverfahren. Insgesamt sind 20 Millionen Euro pro Jahr für die Kanalsanierung vorgesehen. Das ist einiges mehr als in den Vorjahren.

Wie gehen Sie vor?

Lietzmann: Wir sanieren das Netz mit Neubau, Renovierung oder Reparatur. Beim Neubau verwenden wir auch modernere Rohrwerkstoffe, die länger halten. Große gemauerte Kanäle unter den Magistralen, die um die Jahrhundertwende entstanden sind und aus Klinkersteinen bestehen, haben aber noch eine sehr gute Grundsubstanz, die wir weiter nutzen wollen. Davon gibt es rund 100 Kilometer. Die setzen wir mit eigenen Maurerkolonnen händisch soweit instand, dass wir die grundhafte Sanierung noch eine ganze Generation hinausschieben können. Das ist wirtschaftlicher und führt zu weniger Einschränkungen, weil die Arbeiten ohne Baugruben erfolgen. Der Bürger sucht dann oft nach Bauarbeitern, aber die sind halt nicht zu sehen.

Brauchen Sie 2030 mehr oder weniger als die heute rund 570 Mitarbeiter?

Meyer: Für die genannten großen Aufgaben müssen wir uns personell fit machen. Dazu werden wir in bestimmten Bereichen sicher noch einige Leute neu einstellen müssen. Dann geht es darum, dass wir Kollegen ersetzen müssen, weil sie in Rente gehen. Hier müssen wir aufpassen, dass ihr Wissen nicht mit in Rente geht. Mit unserem Personalkonzept versuchen wir, dafür zu sorgen, dass es Übergangszeiträume mit Doppelbesetzungen gibt und die ausscheidenden Mitarbeiter ihr Spezialwissen so an die Nachfolger weitergeben können.

Von Björn Meine

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