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Lokales Leipzig schließt drei Asylunterkünfte – und nimmt mehr Venezolaner auf
Leipzig Lokales Leipzig schließt drei Asylunterkünfte – und nimmt mehr Venezolaner auf
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17:36 30.01.2019
Millionen Menschen sind bereits aus Venezuela geflüchtet. In Leipzig machen Menschen aus dem südamerikanischen Land derzeit die zweitgrößte Gruppe von Asylbewerbern aus. Quelle: Juan Pablo Cohen/colprensa/dpa
Leipzig

Die politische und wirtschaftliche Krise in Venezuela macht sich auch in Leipzig bemerkbar. Im vergangenen Jahr sind mehr Flüchtlinge aus dem südamerikanischen Land an die Pleiße gekommen als aus Afghanistan oder dem Irak. Das ist einer der Fakten, die aus dem aktuellen Asylbericht des Sozialdezernats von Bürgermeister Thomas Fabian (SPD) hervorgehen. Die LVZ fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

Wie haben sich die Flüchtlingszahlen in Leipzig 2018 entwickelt?

Insgesamt ist die Zahl neuer Asylsuchenden in Leipzig im vergangenen Jahr weiter zurückgegangen. 887 Personen, die nach Asylbewerberleistungsgesetz leistungsberechtigt sind, wurden der Stadt 2018 zugewiesen. Das waren 87 weniger als im Jahr zuvor und rund 1100 weniger als 2016. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle 2015 kamen fast fünfmal so viele Menschen nach Leipzig (4230). Zusätzlich wurden 2018 weitere 193 Migranten in Leipzig aufgenommen, für die entweder eine Unterbringungsverpflichtung durch die Stadt bestand oder die aufgrund einer fehlenden Wohnung vorübergehend untergebracht wurden, heißt es in dem Bericht.

Wie viele Flüchtlinge leben derzeit in Leipzig?

Die Gesamtzahl der Asyl-Leistungsberechtigten lag Ende des vergangenen Jahres bei genau 3000. Hinzu kamen rund 9850 Geflüchtete, die Leistungen nach Sozialgesetzbuch II, also Hartz IV, erhielten. Zusammen mit den Menschen in den Erstaufnahmeeinrichtungen lebten rund 13.300 Einwohner mit Flüchtlingshintergrund in Leipzig.

Woher kamen 2018 die meisten Flüchtlinge?

Das Bürgerkriegsland Syrien ist nach wie vor der Staat, aus dem die meisten Flüchtlinge nach Leipzig kommen (135 Personen). Direkt dahinter schob sich Venezuela auf den zweiten Platz bei den Herkunftsländen nach vorn (81) – vor Kamerun (66), dem Irak (65), der Türkei (52) und Afghanistan (48). Grund für den Anstieg bei Venezolanern: Sachsen ist das einzige Aufnahmebundesland für Menschen aus dem krisengeschüttelten lateinamerikanischen Staat. Laut Vereinten Nationen waren Mitte 2018 bereits mehr als zwei Millionen Bewohner auf der Flucht. Nur ein kleiner Teil davon suchte Schutz in Deutschland, denn die Wenigsten können sich eine Reise nach Europa leisten.

Herkunftsländer von Flüchtlingen in Leipzig: Die meisten Asylbewerber kamen 2018 aus Syrien, Venezuela,Kamerun und dem Irak. Quelle: Stadt Leipzig

Insgesamt kamen im vergangenen Jahr 393 Venezolaner nach Sachsen (2017: 293). Bei einem starken Anstieg könnten weitere Bundesländer zur Erstaufnahme und Verteilung verpflichtet werden, heißt es in dem Bericht der Stadt. Geflüchtete aus 39 verschiedenen Ländern kamen 2018 nach Leipzig. Sieben Personen waren staatenlos und 48 Personen konnten keinem Staat zugeordnet werden.

Wie viele Asyl-Unterkünfte stehen derzeit bereit und wie sind diese ausgelastet?

3545 Plätze in 32 Gemeinschaftsunterkünften hielt die Stadt Ende Dezember 2018 bereit – verteilt über alle Stadtbezirke. Hinzu kamen bis November 120 Plätze in zwei Pensionen, deren Verträge zum Jahresende planmäßig ausliefen. Ende Dezember waren 2212 Plätze belegt. Die Auslastung der Unterkünfte im vierten Quartal lag durchschnittlich bei 69 Prozent. Neben den städtischen Asyl-Unterkünften betreibt der Freistaat in der Max-Liebermann-Straße eine Erstaufnahmeeinrichtung mit 700 Plätzen. Ende Dezember waren davon 424 Plätze belegt. Als Reserve stehen bei Bedarf 700 weitere Plätze in der General-Olbricht-Kaserne zur Verfügung.

Welche Unterkünfte werden geschlossen?

Da die Auslastung zuletzt kontinuierlich sank, sollen drei Standorte mit insgesamt 596 Plätzen aufgegeben werden. Bis August schließt das Containerdorf in der Straße An den Tierkliniken (348 Plätze), bereits im Juli das private Verwaltungsgebäude in der Zschortauer Straße (200 Plätze). Der Auszug wurde laut Sozialdezernat um fünf Monate vorgezogen, um das Gebäude für die Rückgabe an den Eigentümer mietvertragsgerecht herrichten zu können. 48 Plätze fallen Ende Februar in der Braunstraße weg. Ebenfalls nicht mehr zur Verfügung steht ein ehemaliges Autohaus in der Lindenthaler Straße in Gohlis, das als Reserve bereitgehalten wurde. Der Stadtrat hatte im November beschlossen, das Gebäude der Kultur- und Kreativszene zur Verfügung zu stellen. Neu entstehen sollen bis Juli lediglich 70 zusätzliche Plätze im ehemaligen Seniorenheim der Waldstraße.

32 Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge gibt es aktuell in Leipzig – sie verteilen sich quer über die Stadt. Quelle: Stadt Leipzig

Wie viele Asylbewerber werden 2019 erwartet?

Mit rund 1200 Personen rechnet das Sozialdezernat für das aktuelle Jahr – ebenso viele wurden für 2018 prognostiziert. Dies umfasse alle Personen, die der Stadt zugewiesen werden beziehungsweise durch Familiennachzug oder Wohnsitzauflage nach Leipzig kommen und eine Unterbringung benötigen, heißt es. Weil Leipzig kontinuierlich wächst, ist der Anteil der vom Freistaat zugewiesenen Flüchtlinge zuletzt gestiegen – von 13,8 auf 14,1 Prozent. Da auch für die nächsten Jahre ein Bevölkerungsanstieg erwartet wird, steigt dieser Wert voraussichtlich weiter an. Durch den Rückgang der Flüchtlingszahlen, dürften es aber – nach aktueller Prognose – tendenziell eher weniger Asylbewerber sein, die in die Messestadt kommen. In den ersten fünf Wochen des neuen Jahres wurden der Stadt nach Angabe der Landesdirektion 80 neue Asylsuchende zugewiesen.

Von Robert Nößler

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