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Lokales Leipzig setzt auf breitere Straßenbahnen
Leipzig Lokales Leipzig setzt auf breitere Straßenbahnen
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08:55 19.06.2019
Auch um kürzere Haltezeiten bei den Straßenbahnen zu ermöglichen, soll die größte LVB-Haltestelle am Leipziger Hauptbahnhof in diesem Sommer umgestaltet werden. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

Die Stadtverwaltung will die Straßenbahnen verbreitern, um mehr Passagiere befördern zu können. Die Zahl der Fahrgäste bei den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) soll unter anderem durch dieses Projekt bis zum Jahr 2024 um fast ein Fünftel steigen. Dies wären dann 185 Millionen Fahrgäste pro Jahr – statt wie im letzten Jahr 156,4 Millionen. Dies teilte Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos) am Dienstag bei der Vorstellung des neuen Nahverkehrsplans mit.

Straßenbahnen sind künftig 2,40 Meter breit

Bereits mit der nächsten Bestellung von Straßenbahnen, die gemeinsam mit den Görlitzer Verkehrsbetrieben erfolgen soll (die LVZ berichtete), würden 2,40 Meter breite Wagen geordert. Das sind zehn beziehungsweise 20 Zentimeter mehr als bei den bisher in der Messestadt eingesetzten, unterschiedlichen Typen. „Zehn Zentimeter klingt nicht viel“, sagte Dubrau. Doch die Menge der Fahrgäste könne dadurch um bis zu 25 Prozent steigen. Zum Beispiel seien dann vier Sitzplätze pro Reihe möglich, statt bislang nur drei.

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Etliche Baumaßnahmen bis zum Jahr 2024

Aktuell gebe es im Stadtgebiet aber noch etwa 60 Stellen, an denen zwei Bahnen der neuen Breite nicht gefahrlos aneinander vorbei passen. Meist liegen sie in Kurven, ergänzte Michael Jana, der Leiter des Amtes für Verkehr und Tiefbau (VTA). „Schon seit Langem beachten wir dieses Thema bei jeder Baustelle, schaffen überall die Voraussetzungen für 2,40 Meter.“

Diese Vorhaben sind im neuen Nahverkehrsplan der Stadt Leipzig geplant. Quelle: Stadt Leipzig/LVZ

Gemäß der Ziele, die der neue Nahverkehrsplan vorgibt, sollen die Investitionen in die Infrastruktur des öffentlichen Nahverkehrs in Zukunft bei jährlich 70 bis 80 Millionen Euro liegen. Zum Vergleich: 2018 hatten die LVB rund 30 Millionen Euro bei diversen Baustellen ausgegeben. Künftig müssten es über 40 Millionen sein.

Mehr Fördermittel für Gleisbau und Fahrzeuge

Die Situation bei den Fördermitteln für Gleisanlagen oder Fahrzeugen habe sich schon spürbar gebessert, lobte Dubrau. „Das große Problem ist jedoch, dass oft die Mittel für den übrigen Straßenraum links und rechts der Gleise fehlen.“ Erst am Wochenende habe sie an einem Treffen mit vielen Amtskollegen teilgenommen, bei dem gemeinsam an die Bundesregierung appelliert wurde, hier zügig nachzubessern. „Um Verkehr flüssiger zu gestalten, muss meist der ganze Straßenraum erneuert werden, nicht nur dessen Mitte.“

450 Anregungen bei Bürgerbeteiligung

Bekanntlich hatte das Baudezernat im Oktober 2018 bereits einen Entwurf für den neuen Nahverkehrsplan vorgestellt. In der anschließenden Bürgerbeteiligung gingen 61 Stellungnahmen mit 450 Anregungen ein. Davon seien nun etwa 25 Prozent in das über 110 Seiten starke Papier aufgenommen worden, erklärte Stephan Rausch, der Fachbereichsleiter Nahverkehr im VTA. Neu sei unter anderem, dass das einstimmig vom Stadtrat beschlossene „Nachhaltigkeitsszenario“ als Strategie bis 2030 Eingang fand. Auch werde eine Gleichbehandlung aller Verkehrsunternehmen, die ihren Beschäftigten Tariflöhne zahlen, festgeschrieben. Im Nachtverkehr dürfe das Angebot nicht unter den aktuellen Stand sinken, zudem sollen Abruf-Kleinbusse geprüft werden. Auch gehe das überarbeitete Papier – das die Stadt den Journalisten am Dienstag noch nicht zur Verfügung stellte – auf die Tarifentwicklung mitsamt einer eventuellen Einführung eines 365-Euro-Tickets ein.

Größte Haltestellen werden umgebaut

Auch wurde die Liste der in den nächsten fünf Jahren geplanten Baumaßnahmen (siehe Karte oben) aktualisiert, fuhr Rausch fort. In diesem Sommer werde die größte LVB-Haltestelle am Hauptbahnhof, binnen zwei Jahren auch das Pendant am Leuschnerplatz umgestaltet. Für zwei zusätzliche Busverbindungen – so an der Olbrichtstraße – seien Mindesttakte vorgeschrieben und außerdem zwei weitere „Trassenfreihaltungen“ ergänzt worden. Das betreffe mögliche Verlängerungen von Straßenbahnlinien bis zum Miltitizer Bahnhof und nach Engelsdorf (eine frühere Trasse durch die Hans-Weigel-Straße).

Geschwindigkeit bei Fahrten soll steigen

Schließlich kam das Ziel hinzu, die Beförderungsgeschwindigkeit bei den Trams bis zum Jahr 2024 wieder auf im Schnitt 20 Stundenkilometer anzuheben (dabei zählen die Haltestellen-Stopps mit). Zuletzt war der Wert durch kaputte Gleise auf „knapp unter 19 Stundenkilometer“ gefallen, so Rausch. Künftig seien die Langsamfahrstrecken auf maximal acht Kilometer zu begrenzen. Auch der barrierefreie Umbau von mindestens zehn Straßenbahn- und 20 Bushaltestellen pro Jahr solle für kürzere Haltezeiten sorgen.

Vorrang für ÖPNV gegenüber Autofahrern

In dem neuen Plan tauche „mindestens 30 Mal das Wort Beschleunigung“ auf. Im Oktober-Entwurf hieß es an einer Stelle, die Stadt wolle „den ÖPNV beschleunigen und ihm Vorrang gegenüber dem motorisierten Individualverkehr einräumen, damit die Fahrgäste schneller ans Ziel kommen.“ Eine Bevorrechtigung des ÖPNV sei nötig, damit der Wirtschaftsverkehr nicht im Stau versinkt, verteidigte VTA-Chef Jana den Ansatz. Dennoch seien im neuen Nahverkehrsplan, über den der Stadtrat im September entscheide, „erstmals auch alle anderen Verkehrsarten mitgedacht und austariert worden.“

Von Jens Rometsch

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