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Lokales Leipzig will Hauptstadt des fairen Handels werden
Leipzig Lokales Leipzig will Hauptstadt des fairen Handels werden
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15:46 18.06.2019
Leipzig will „Hauptstadt des fairen Handels“ werden. Katharina Krefft (Grüne) als Vertreterin des Netzwerks „Leipzig handelt fair“ setzt sich dafür ein.  Quelle: Mathias Orbeck
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Leipzig

Beim Fußballnachwuchs – etwa beim Finaltag des Leipziger Cups am 22. Juni – wird ausschließlich mit fair gehandelten Bällen gespielt. Beim Sportunterricht in Leipzigs Schulen funktioniert das noch nicht. „Da müssen wir noch Überzeugungsarbeit leisten, dass ein Stadtratsbeschluss auch umgesetzt wird“, sagt Grünen-Fraktionschefin Katharina Krefft. Sie unterstützt das Netzwerk „Leipzig handelt fair“ und die Stadt, die Leipzig erneut in den Wettbewerb um den Titel „Hauptstadt des fairen Handels“ schickt. Die Bewerbungsmappe füllen Aktionen zur Förderung fair gehandelter Produkte wie Schokolade, Blumen, Kleidung oder Sportbälle, Veranstaltungen wie Infoabende, Filmvorführungen und Stadtrundgänge sowie Maßnahmen zur Stärkung des lokalen Netzwerks „Leipzig handelt fair“.

Leipzig will „Hauptstadt des fairen Handels“ werden; Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (rechts) und Martin Finke, Sprecher des Netzwerks „Leipzig handelt fair“, verschicken symbolisch die Bewerbung Quelle: Mathias Orbeck

Da muss natürlich etwas Symbolik sein. Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) steckte den Bewerbungsbrief daher am Dienstag symbolisch in den Briefkastenschlitz. „Wir sind ein wesentlicher Arbeitgeber als Stadt. Deshalb gehen wir mit gutem Beispiel voran und wollen so Unternehmen und Bürger animieren, beim Einkauf auf Fairness zu achten.“ Was heißt: Möglichst viele Leipziger sollen auf Güter verzichten, die beispielsweise durch ausbeuterische Kinderarbeit oder unter Verletzung sozialer Mindeststandards hergestellt werden. Leipzig hatte bereits beim Wettbewerb 2015 teilgenommen. Damals wurde das Engagement mit einem vierten Platz sowie einem Preisgeld von 12 500 Euro gewürdigt. Das Geld wird gezielt für neue Aktionen eingesetzt.

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Feuerwehr kauft fair gehandelte Shirts

Die Leipziger Feuerwehr macht es vor: „Wir haben erstmals 2500 Polo-Shirts, T-Shirts und Sweat-Shirts aus erwiesenermaßen fairer Produktion beschaffen können. Unsere anfängliche Sorge um mögliche Kostensteigerungen war dabei unbegründet – das faire Angebot war gleichzeitig auch das günstigste“, erklärte Peter Heitmann, Leiter der Leipziger Branddirektion. Das Budget beträgt fast 60 000 Euro, die Shirts sind für die Berufsfeuerwehr sowie die freiwilligen Wehren gedacht. Ein zweites Projekt zum Kauf von Diensthemden und- blusen steht kurz vor dem erfolgreichen Abschluss. Denkbar sei auch, künftig Bettwäsche einzubeziehen. „Weitere Aktivitäten zum fairen Handel sind in Vorbereitung“, sagt Martin Finke, Sprecher des Netzwerks „Leipzig handelt fair“. So gibt es in Kürze eine Neuauflage des „Fairen Einkaufsführers“ für Leipzig, für den Zoochef Jörg Junhold das Vorwort schreibt. Gewürze und Kaffee – auch dazu sind diverse Aktivitäten entstanden. Den „Fairen Eissommer“ gibt es allerdings nicht mehr – der hatte sich in den Eisdielen nicht durchgesetzt. Das Umweltdezernat hat inzwischen im Rathaus eine Förderstelle eingerichtet. „Wir arbeiten kontinuierlich an dieser Aufgabe“, so Rosenthal.

Evangelische Kirche setzt Standards

Doch wie ist das mit dem alltäglichen Bild zu vereinbaren, dass viele Leute Plastetüten mit Schnäppchen aus den Geschäften tragen? Die Akteure sind sich einig, das Thema mitten in die Gesellschaft zu holen. Pfarrer Andreas Dorn von der Leipziger Peterskirche: „Das Fair-Trade-Netzwerk ist ein großer Ansporn, Standards zu setzen.“ Seiner Kirchgemeinde sei es beispielsweise gelungen, die Idee sachsenweit zu popularisieren. Alle 800 evangelischen Kirchen in Sachsen müssen ihre Produkte fair beschaffen. Dabei gibt es noch viele Möglichkeiten. Rosenthal: „Es wäre schön, wenn die Stadt bei ihrer Digitalisierungsoffensive fair gehandelte IT-Komponenten zum Einsatz bringen könnte.“

Von Mathias Orbeck

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