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Lokales Leipzig will nächste Teile vom Leuschnerplatz verkaufen
Leipzig Lokales Leipzig will nächste Teile vom Leuschnerplatz verkaufen
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16:47 06.09.2019
Wie die neuen Gebäude auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz genau aussehen werden, steht bisher nur für das Leibniz-Institut für Länderkunde an der Windmühlenstraße (rechts) fest. Quelle: Henchion Reuter
Leipzig

Manche Dinge dauern in Leipzig etwas länger. Über die Neubebauung des Wilhelm-Leuschner-Platzes wird schon seit fast 30 Jahren diskutiert. Im März 2010 fand ein international besetzter Workshop zu dem Thema statt: In dessen Ergebnis entschied sich die Kommune für einen städtebaulichen Entwurf der Architekturprofessoren Petr Pelcák aus Brno sowie Ingo Andreas Wolf aus Leipzig.

Ursprünglich sollten schon 2013 Bagger anrücken

Auf dieser Grundlage sollte binnen drei Jahren ein Bebauungsplan erstellt und beschlossen werden, sogar die ersten Bagger anrücken. „Wir hoffen, bis zur Eröffnung des City-Tunnels Ende 2013 wird es auf dem Platz viele sichtbare Veränderungen geben“, sagte der damalige Leipziger Baubürgermeister Martin zur Nedden (SPD). Doch die Hoffnung war trügerisch.

So sieht der Masterplan für die künftige Bebauung des Wilhelm-Leuschner-Platzes aus. Quelle: Patrik Moye

Der Bebauungsplan ist bis heute nicht beschlossen. Die Verzögerungen hingen auch mit der Debatte um ein Freiheits- und Einheitsdenkmal zusammen, welches Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) ursprünglich zum 25. Jahrestag der Friedlichen Revolution einweihen wollte. In Kürze steht das 30. Revolutionsjubiläum an. Für das Denkmal gibt es weder einen Entwurf noch einen Standort. Der Leuschnerplatz ist dafür nur noch eine Option.

Zehn Jahre Reifezeit für den Bebauungsplan

Die Rechtskraft des Bebauungsplanes stellte die heutige Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos) dann für „Ende 2018“ in Aussicht. Als dieser Termin näher rückte, korrigierte ihn das Baudezernat auf „Frühjahr 2020“. Doch auch das wird wohl nicht klappen, geht nun aus einer Antwort der Stadtverwaltung auf eine LVZ-Anfrage hervor: „Die Aufstellung von Bebauungsplänen muss einer Reihe von gesetzlich geregelten Abläufen und Fristen folgen. Dem zufolge hoffen wir, dass der Bebauungsplan zum Wilhelm-Leuschner-Platz/Ost spätestens 2021 Rechtskraft erlangen kann.“ Das wären dann zehn Jahre Reifezeit – falls sich die Hoffnung erfüllt. 2011 hatte der Stadtrat die Verwaltung beauftragt, den Bebauungsplan zu erstellen.

Auf diesem Modell sind die drei künftigen Baufelder gut zu unterscheiden. Ganz unten in das helle Ensemble soll unter anderem das Leibniz-Institut für Länderkunde einziehen, in das graue Gebilde in der Mitte unter anderem eine Markthalle und in den westlichen Teil des grauen Gebildes oben (mit dem Hochhaus) die Juristenfakultät und ein Informationszentrum namens Forum Recht. Quelle: Jens Rometsch

Selbst viel Schatten gibt es nicht ohne Licht. Das gilt erst recht für die 6,2 Hektar große Kriegsbrache in Sichtweite zum Neuen Rathaus. Wie die folgende Übersicht zeigt, verhandelt die Stadt als Eigentümerin nun immerhin über den Verkauf weiterer Grundstücke. Sobald das Baurecht besteht, könnten also doch noch viele sichtbare Veränderungen eintreten.

Juristenfakultät und Forum Recht

Im nördlichsten Baufeld (am Rossplatz) sollen neue Häuser für die Juristenfakultät der Universität Leipzig sowie ein Informationszentrum des Bundes namens Forum Recht entstehen. Die Stadt spricht bereits mit dem Freistaat Sachsen (als Vertreter von Bund und Uni) über Flächen im Westteil des Baufeldes, so die Stadtverwaltung. Folglich befindet sich der Standort gegenüber vom Bowlingtreff. „Nach Einigung über das Verhandlungspaket zwischen Stadt und Land werden die notwendigen Stadtratsbeschlüsse durch das Liegenschaftsamt vorbereitet.“ Die Entscheidung über das Grundstück könne der Stadtrat noch 2019 treffen, heißt es im Arbeitsprogramm Leipzig 2023 der Stadt.

Von der Universität (links) nur durch den Schillerpark und den Ring getrennt, soll neben dem achteckigen Bowlingtreff (rechts, weiß) ein Neubau für die Juristenfakultät und das Forum Recht entstehen. Vorgesehen ist dafür ein Teil des gelben Ensembles – ohne das Hochhaus. Quelle: Ulrich Tietz

Fraglich ist, ob es um einen Flächenverkauf geht oder um ein Erbbaurecht. Denn neben den 35 000 bis 40 000 Quadratmetern Bruttogeschossflächen, die Fakultät und Forum zusammen benötigen, bliebe nur noch wenig Platz für andere Dinge.

Die Leitlinien zum Bebauungsplan schreiben aber auch 20 Prozent Wohnnutzung in diesem Teil des Leuschnerplatzes vor. Im Oktober 2016 beschloss der Rat zudem auf SPD-Antrag, für das nördliche Baufeld ein „Verwaltungs- und Bürgerzentrum von Stadtverwaltung und kommunalen Unternehmen – Neues Stadthaus“ zu prüfen. Dafür käme nach Lage der Dinge wohl nur noch ein Hochhaus (55 Meter) in Frage, das im Ostteil des Baufelds an der Grünewaldstraße vorgesehen ist. „Im vierten Quartal 2019“ werde die Verwaltung ein Konzept zur Verwaltungsunterbringung vorlegen, heißt es aus dem Referat Kommunikation. Es gebe dann auch Auskunft zur Eignung des Leuschnerplatzes,

Bowlingtreff 1998 geschlossen

Das Ergebnis einer neuerlichen Standortuntersuchung für Leipzigs Naturkundemuseum ist bis Ende 2019 versprochen. Der 1998 geschlossene Bowlingtreff könnte gut zum Konzept passen, künftig auch eine Tiefseewelt zu zeigen, die der Leipziger Zoologie-Professor Carl Chun im 19. Jahrhundert mit dem Forschungsschiff Valdivia erkundet hat – schließlich reicht die frühere Strom-Umformstation tief ins Erdreich. Baustart fürs Museum soll 2022 sein, Eröffnung 2024.

Der 1998 geschlossene Bowlingtreff ist nun wieder als Standort für das Naturkundemuseum im Gespräch. Quelle: André Kempner

Markthallen-Keller steckt noch im Boden

Der Standort im mittleren Baufeld ist gesetzt, weil dort noch die vier Meter hohen Keller von Leipzigs historischer Markthalle im Boden schlummern. Künftig sollen sie als Tiefgarage dienen. Die private Stadtbau AG hatte 2008 einen Kaufantrag für das 7300 Quadratmeter große Grundstück im Liegenschaftsamt eingereicht, dann bei einer europaweiten Ausschreibung im Jahr 2015 das höchste Gebot abgegeben. Nach LVZ-Informationen haben sich Stadt und Investor jüngst auf einen Kaufvertragsentwurf geeinigt. „Mit Blick auf die aktuellen Verhandlungen können zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Angaben gemacht werden“, so die Stadtverwaltung auf Anfrage.

Leipzigs historische Markthalle wurde 1943 ausgebombt, die Reste 1959 abgerissen. Quelle: LVZ Archiv

Leibniz-Institut: Architektenentwurf für Länderkundler steht

Das südliche Baufeld (nahe der Windmühlenstraße) hatte die Stadt 2017 zum Freundschaftspreis an den Freistaat Sachsen verkauft. Auf 4000 Quadratmetern soll unter anderem ein Neubau für die renommierten Länderkundler entstehen – samt öffentlicher Bibliothek, Archiv des Leibniz-Instituts und Veranstaltungssaal für 250 Personen. Eröffnung: im ersten Quartal 2023. Anfang 2019 hatte das Büro Henchion und Reuter (ansässig in Dublin und Berlin) einen internationalen Architekturwettbewerb für den 34,5 Millionen Euro teuren Neubau gewonnen. Der Freistaat möchte auf dem Grundstück noch weitere Forschungseinrichtungen unterbringen, muss zudem 40 Prozent der Nutzflächen als Wohnraum zur Verfügung stellen.

Das Leibniz-Institut für Länderkunde erhält für 34,5 Millionen Euro einen spitz zulaufenden Neubau an der Windmühlenstraße (rechts). Quelle: Henchion und Reuter

Freifläche mit viel Grün geplant

Etwa 1,5 Hektar der heutigen Brachfläche sollen als Veranstaltungs- und Erholungsareal mit viel Grün frei bleiben. Konkret sind es alle Flächen westlich der historischen Markthallenstraße (bis zum Peterssteinweg). Dort werden maximal kleine Pavillons – etwa für Gastronomie oder Toiletten – erlaubt. Die Stadt will dazu einen Landschafts-Gestaltungswettbewerb ausloben, aber frühestens, wenn der Bebauungsplan für die Ostseite gültig ist. 2015 hatte sie einen Teil der Brache mit einer Bitumenschicht überzogen, um größere Veranstaltungen zu ermöglichen.

Einen Teil des Wilhelm-Leuschner-Platzes hatte die Stadt 2015 mit einer Bitumenschicht überzogen, um größere Veranstaltungen zu ermöglichen. Quelle: Kempner

Gewerbebau auf Parkplatz soll 2021 starten

Der Parkplatz zwischen der Polizeidirektion und der katholischen Propsteikirche soll ab 2021 bebaut werden. Die GRK-Gruppe plant dort ein Neubau-Ensemble für 90 Millionen Euro. Es soll vor allem Gewerbe, aber auch bis zu einem Drittel Wohnungen aufnehmen. Das Vorhaben gehört zum Geltungsbereich des 1996 beschlossenen Bebauungsplans City-Süd/Nonnenmühlgasse. Ein Architekturwettbewerb ist vorgesehen.

Die Geschichte des Leuschnerplatzes

Die amtliche Straßenbezeichnung Wilhelm-Leuschner-Platz (seit 1945) gilt eigentlich nur für den früheren Königsplatz. Das war ein bonbonförmiges und mit Pappeln umstandenes Oval neben dem Peterssteinweg. 1839 hatte dieser Teil einer ausgedehnten Freifläche (Esplanade) ein Denkmal für den sächsischen Kurfürsten und König von Polen Friedrich-August erhalten. Das Denkmal stand dort bis 1935 auf einem viel zu großen Sockel. Dann wanderte es in den Garten des Gohliser Schlösschens, wo es noch heute besichtigt werden kann. Der Königsplatz diente schon immer für Handel und Vergnügen. Dort wurden Wochenmärkte abgehalten, gab es Jahrmarktzelte für Pferderennen und viele Buden. Auch die Kleinmesse nutzte das Areal bis zum Umzug 1907 an den Cottaweg. Östlich des Königsplatzes wuchs in der Gründerzeit ein Geschäftsviertel namens Kautz heran sowie 1890/91 die städtische Markthalle. In Richtung Promenadenring war dieses Bauwerk durch ein achteckiges „Panorama“-Restaurant flankiert – dessen Form nahm später der Bowlingtreff wieder auf. Die kommunale Markthalle versorgte die Leipziger mit frischen Lebensmitteln. Zur Erntezeit wurde ein Teil des Handels auf den Rossplatz verlegt. Trotz Bombentreffern 1943 standen die Außenmauern der Halle noch bis zum Abriss 1959. Auf der anderen Seite des Areals, das die Leipziger heute Leuschnerplatz nennen, befand sich ab 1913 das größte Kaufhaus der Stadt, betrieben von den Brüdern Ury. Das Gebäude von Meisterarchitekt Emil Franz Hänsel wurde 1938 von den Nazis verwüstet. Es reichte bis zu dem Teil, wo heute die katholische Propsteikirche steht. Auf der heute als Parkplatz genutzten Brachfläche südlich der Kirche plant die GRK-Gruppe den Bau eines Gewerbe-Ensembles mit Wohnanteil für 90 Millionen Euro.

Auf dem Autoparkplatz zwischen der Leipziger Polizeidirektion und der Propsteikirche (rechts oben) soll ein Gewerbeneubau für 90 Millionen Euro errichtet werden. Quelle: Kempner

Von Jens Rometsch

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