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Lokales Leipziger AfD-Kandidat Droese nach Petry-Rückzug: "Vertrauen ist zerstört“
Leipzig Lokales Leipziger AfD-Kandidat Droese nach Petry-Rückzug: "Vertrauen ist zerstört“
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18:40 25.09.2017
Frauke Petry (AfD, Archivfoto)
Frauke Petry (AfD, Archivfoto) Quelle: dpa
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Leipzig

Nach der Ankündigung von Frauke Petry, im künftigen Bundestag nicht der AfD-Fraktion angehören zu wollen, fordert der sächsische AfD-Landesverband einen Parteiausschluss der 42-Jährigen. Der Vorstand wirft Petry parteischädigendes Verhalten vor und entzieht ihr öffentlich das Vertrauen. Landesvize Siegbert Droese aus Leipzig sagte am Montag: „Das Vertrauen ist zerstört – nicht erst mit ihrem Rückzug. Das muss disziplinarische Folgen haben."

Droese und andere Vorstandsmitglieder werfen Petry außerdem vor, die eigenen Leute diffamiert zu haben. Außerdem kündigte der Landesverband Sachsen an, im Bundestag eine AfD-Gruppe Mitteldeutschland zusammen mit den Abgeordneten aus Thüringen und Sachsen-Anhalt bilden zu wollen.

Rücktrittsforderungen aus Sachsen, Thüringen und vom Bundesvorstand

Rolf Süßmann, Sprecher von Petrys AfD-Kreisverband Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, bezeichnete den Rückzug der Spitzenkandidatin als „Betrug am Wähler". Es habe zwar Unstimmigkeiten gegeben, sagte Süßmann LVZ.de aber diese seien nicht so gravierend gewesen, als dass man sie nicht hätte „überspielen“ können. Dieser harte Bruch der AfD-Landes- und Parteichefin käme jetzt überraschend.

Frauke Petry hatte am Sonntag bei der Bundestagswahl das beste AfD-Einzelergebnis von allen Kandidaten geholt – und im Wahlkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge das Direktmandat gewonnen. „Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, wenn wir sie auf unserem Parteitag abgewählt hätten. Aber danach ist man immer schlauer. Wir wollten loyal zu ihr stehen – und dachten, diese Loyalität zählt. So hat sie unser Vertrauen missbraucht und den Wähler betrogen“, sagte Süßmann.

Weitere Rücktrittsforderungen gab es auch aus Sachsen-Anhalt und vom Bundesvorstand der Rechtspopulisten. Spitzenkandidatin Alice Weidel sagte: „Nach dem jüngsten Eklat von Frauke Petry, der an Verantwortungslosigkeit kaum zu überbieten war, fordere ich sie hiermit auf, ihren Sprecherposten niederzulegen und die Partei zu verlassen, um nicht weiteren Schaden zu verursachen.“ André Poggenburg, der dem rechtsnationalen Parteiflügel um den Thüringer AfD-Fraktionschef Höcke angehört, sagte: „Ich bitte sie, ihren Schritt konsequent durchzuziehen und die Partei auch zu verlassen.“

Petry: Bürgerliche Wähler wenden sich ab

Frauke Petry hatte am Montag vor der Bundespressekonferenz angekündigt, nicht Mitglied der AfD-Fraktion im neuen Bundestag werden zu wollen. Erst dankte sie noch ihren Widersachern, die neben ihr saßen: den Spitzenkandidaten Alice Weidel und Alexander Gauland sowie ihrem Co-Vorsitzenden Jörg Meuthen, dann verließ sie den Saal.

Damit sind die innerparteilichen Konflikte in der AfD unmittelbar nach ihrem Wahlerfolg dramatisch eskaliert. Der Co-Vorsitzende Jörg Meuthen hatte Petry zuvor heftig attackiert. Dass sie sich zuletzt in öffentlichen Äußerungen wiederholt von den beiden Spitzenkandidaten distanziert habe, sei „wenig hilfreich“ gewesen und „nicht hinnehmbar“, sagte er am Montag in Berlin. Petry hatte der „Leipziger Volkszeitung“ vor der Wahl gesagt: „Es ist zu erleben, dass sich gerade viele bürgerliche Wähler abwenden. Das liegt auch an Schlagzeilen, wie sie in jüngster Zeit produziert wurden, und bei denen man sich jedes Mal fragt, ob sie tatsächlich wahr und damit ein Skandal sind.“

Andreas Debski (mit dpa)