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Lokales Leipziger Burschenschaft will Mann an den Herd verbannen
Leipzig Lokales Leipziger Burschenschaft will Mann an den Herd verbannen
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08:01 19.07.2019
Die Burschen der „Lascivia“. Quelle: Lascivia
Leipzig

Manchmal könne sie nicht anders, dann müsse sie eingreifen. Wenn sie etwa nachts auf einen Mann aufmerksam werde, der sich hilflos und unbegleitet auf offener Straße herumtreibe – dann sei es doch ihre Verantwortung etwas zu tun. „T-Rexia“ macht eine ernste Miene, bevor sie erklärt: „Als traditionelle Burschenschaft müssen wir dem schwachen Geschlecht Schutz spenden.“ Sie ist Mitglied der Leipziger Verbindung Lascivia. Diese ist die einzige ihrer Art in Sachsen, denn sie besteht nicht nur ausschließlich aus Frauen, sondern fordert auch noch lauthals das Ende der von Männern dominierten Gesellschaftsordnung. Der offiziellen Meinung der Lascivia nach haben Männer auf der politischen Weltbühne versagt und dadurch gezeigt, wo ihr angestammter Platz ist: im Heim und am Herd.

Klassische Rollenverteilung dominiert männliche Studentenverbindungen

Eine Aussage, die erst mal absurd klingt. Auf der anderen Seite tragen viele männliche Studentenverbindungen, mögen sie sich auch nicht alle am rechten Rand tummeln, genau solche Ressentiments vor sich her. So versprechen sie, Männer während ihrer Studienzeit und darüber hinaus zu fördern, nehmen aber keine Frauen auf.

Die etwa 70 Burschenschaften, die sich unter dem Dachverband der „Deutschen Burschenschaft“ organisieren, lehnen darüber hinaus auch Anwärter ab, bei denen nicht mindestens ein Elternteil deutscher Herkunft ist und der andere aus dem europäischen Raum stammt. Vielfach propagieren diese Verbände auch die Rückkehr zur klassischen Rollenverteilung in der Familie. Sprich: Der Mann kümmert sich um die Karriere, die Frau um Kinder und Küche. Genau diesen Ton und Habitus übernimmt und verdreht die Lascivia – und hält konservativen Burschenschaften damit einen Spiegel vor.

Lascivia-Frauen tragen Burschenuniform

Der Leipziger Bund stellt sich damit in die Tradition der Hysteria, jener Burschenschaft aus Wien, die seit einigen Jahren immer wieder durch publikumswirksame Aktionen auf sich aufmerksam macht. Im Herbst 2016 hat sie etwa das Patriarchat auf der Prater Hauptallee öffentlich zu Grabe getragen. Die Medien schätzten die Hysteria damals als feministische Satire ein, die sich irgendwo zwischen Kunstprojekt und politischem Aktivismus verorten lasse.

Nicht einverstanden mit dieser Beschreibung spricht die Burschenschaft um Autorin Stefanie Sargnagel seitdem nur noch selten mit der Presse – und niemals, ohne das von ihr vorgegebene Narrativ zu verlassen. Auch die Lascivia hält es so. Im Gespräch mit der LVZ nennen sich die beiden Mitglieder bei ihren Verbindungsnamen: „T-Rexia“ und „Nyx“. Beide sind in ihren Zwanzigern und studieren an der Universität Leipzig. Gekleidet sind sie in den Wichs, ihre Burschenuniform, bestehend aus Hemd, Mütze und Band.

Ziel ist das absolute Matriarchat

„Jede Frau kann sich bei uns melden und dann erst mal mit zur Kneipe kommen“, erklärt „Nyx“. Stammtischtreffen werden für gewöhnlich einmal im Monat abgehalten. Dann hält die Burschenschaftsälteste eine Rede, und es gibt viel Bier. Männer sind klar ausgeschlossen. „Ich wüsste auch nicht, was die beizutragen hätten“, sagt „T-Rexia“. Die politische Sphäre sei ganz klar die der Frau. Natürlich, es gebe auch Männerbünde. „Aber da geht es eher um Schönheit und Mode.“ Frauen dagegen könnten in der Lascivia Zusammenhalt und gegenseitige Förderung erfahren.

„T-Rexia“ will sich nicht als Männerfeindin verstanden wissen. Einige ihrer besten Freunde seien Männer. Davon, ihnen die gleichen Rechte einzuräumen, hält sie trotzdem nichts. Stattdessen wünscht sie sich das absolute Matriarchat, die Herrschaft der Frauen. „Einige der Bundesbrüder versuchen ja jetzt, sich zu wehren. Letzte Zuckungen würde ich sagen“, erklärt sie und verweist auf das Wappentier des Bundes, die Hydra. Eine Schlange, der drei Köpfe nachwachsen, wenn man einen abschneidet.

Von Hanna Gerwig

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