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Lokales Leipziger Christian Scholz gibt seine Kfz-Werkstatt ab
Leipzig Lokales Leipziger Christian Scholz gibt seine Kfz-Werkstatt ab
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18:52 27.04.2019
Ein Experte und ein Pracht-Exemplar: Christian Scholz besitzt einen über 80 Jahre alten Ford Eifel. Quelle: Mark Daniel
Leipzig

Leicht fällt ihm der Abschied nicht, daraus macht Christian Scholz keinen Hehl. Wenn er am 30. April zum letzten Mal Werkstatt und Büro abschließt, endet nicht nur der Monat, sondern für den Leipziger eine persönliche Ära: Der 66-jährige Kfz-Ingenieur übergibt seinen Meisterbetrieb in Leutzsch und geht in den Ruhestand. Ende eines langen Arbeitslebens, das durchaus auch von verschiedenen politisch-gesellschaftlichen Situationen beeinflusst war.

Aus der alten Schule

Das Äußere scheint prototypisch für einen erfahrenen Kfz-Menschen: freundlich prüfender Blick, klassische blaue, ans Handwerk gemahnende Jacke mit aufgenähtem Unternehmens-Logo über der Herzgegend. Christian Scholz stammt aus der alten Schule der Kraftfahrzeug-Schlosserei. Er begann seine Lehre nach der zehnten Klasse, damals auch wegen einer unangenehmen Beschränkung: „Meine Eltern waren nicht nur Katholiken, sondern betrieben auch noch eine Bäckerei“, erzählt Scholz.

Um es vorsichtig zu sagen: Die Kombination „gläubig“ und „selbstständig“ war keine, die der Arbeiter- und Bauernstaat besonders honorierte, und deshalb hatte der Filius zunächst den Wunsch begraben müssen, weiter zur Schule zu gehen und Abitur zu machen.

Der Leipziger KfZ-Meister Christian Scholz gibt seinen Betrieb ab. Sein ganzer Stolz: die Enkel Nathan (10) und Jordan (7) Quelle: Mark Daniel

Abi an der Volkshochschule nachgeholt

„Nach der Lehre war mir trotzdem klar, dass ich mehr wollte“, so der gebürtige Leipziger. An der Volkshochschule holte er Mitte der 1970er sein Abi nach und besuchte die Ingenieurschule für Verkehrstechnik in Dresden. Seine erste Arbeitsstelle trat er beim VEB Kfz-Instandhaltung Leipzig an. Der Ingenieur durchlief mehrere Stellen in Lkw-Werkstätten, übernahm 1982 die Betriebsleitung einer Skoda-Lkw-Werkstatt – bis er kurz darauf endlich dem Pkw-Bereich zugeteilt wurde, der ihn am meisten interessierte.

Autoteile gegen Kiefernholz

Das Reparieren von Wartburg-Autos war nicht nur weniger ölig und technisch ansprechender, sondern auch gesellschaftlich von Vorteil – mit Blick auf die typischen Tauschgeschäfte im DDR-Alltag: „Autoteile konnte ich gegen Kiefernholz bekommen, für die ich wiederum die benötigten Fliesen erhielt.“

Sein Schmunzeln dazu ist allerdings nicht mit Ostalgie gekoppelt. „Die politische Wende war ein absoluter Glücksfall“, betont Scholz, der sich 1989 an den Friedensgebeten in der Nikolaikirche beteiligte. Nur seine drei Kinder und die gute Anstellung, so sagt er, hätten ihn an dem Versuch gehindert, das Land zu verlassen.

Der Leipziger KfZ-Meister Christian Scholz gibt seinen Betrieb ab. Quelle: Mark Daniel

Neue Technik nach dem Mauerfall

Mit der Mauer fielen auch bisher gekannte Maßstäbe im Kfz-Bereich. Die Automobile, die nun ins Land und die Werkstätten rollten, basierten auf einer anderen Technik, die man sich schnell anzueignen hatte. Die Firma Kamps aus Westfalen etablierte in Leipzig einige VW- und Audi-Häuser und schulte das ostdeutsche Personal, auch Scholz.

Am 1. März 1991 wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit, auf einem Gelände in Böhlitz-Ehrenberg. Das allerdings lag in einem Wohngebiet, was Probleme mit sich brachte. Zwei Jahre später zog Scholz deshalb nach Leutzsch: Die Adresse Am Wasserschloss 6 hat dörflichen Charakter, und erstaunlicherweise schmiegt sich sogar die Werkstatt in die Idylle.

Entschlossen, das Richtige zum richtigen Zeitpunkt zu tun, kaufte Scholz das 700-Quadratmeter-Gelände, baute hier, sanierte da. Und etablierte sich als gute Werkstatt-Adresse für jedermann, egal ob er Jaguar oder Fiat Bambino fährt.

Der Leipziger KfZ-Meister Christian Scholz in seiner Werkstatt. Quelle: Mark Daniel

Kein Freund von Kumpelei

Das bedeutete für den Ingenieur und sein Team viel Arbeit, wenig Freizeit. „Seit dem ersten Tag habe ich Lehrlinge ausgebildet“, so Scholz, der als Chef nichts von Kumpelei mit den Angestellten hält, sondern eine klare Linie bevorzugt. Vor zwei Jahren begann er, mit der Rahn-Schule und der Handwerkskammer zu kooperieren und Flüchtlingen ein Praktikum in seinem Betrieb zu ermöglichen. „Auch damit habe ich überwiegend sehr gute Erfahrungen gesammelt.“ Die Zukunft seines Gewerbes sieht Scholz eng mit der Integration von Zugereisten verknüpft, denn der Fachkräftemangel ist auch hier längst spürbar.

„Das hier ist mein Lebenswerk“

Diese Hürde muss nun sein Nachfolger bewältigen. Seit einem Vierteljahr steht fest, dass der Unternehmer Dennis Thaßler die Werkstatt samt der vierköpfigen Belegschaft übernimmt. „Ich übergebe einen gut aufgestellten Betrieb“, sagt der Noch-Chef. „Das hier ist ein Lebenswerk, und das muss ich loslassen.“ Helfen dürften ihm dabei seine Enkel Nathan (10) und Jordan (7), mit denen er gern Zeit verbringt. Seine Tochter (38) und die beiden Söhne (32 und 36) arbeiten zwar in derselben Branche, den Betrieb übernehmen wollte jedoch keiner von ihnen. „Nathan und Jordan liegt das Werkeln ebenfalls im Blut, die könnten eines Tages hier weitermachen“, sagt ihr Großvater mit einem aufmunternden Zwinkern.

Scholz liebt klassische Musik

Und es gibt da noch etwas, auf das Scholz bald mehr Zeit verwenden kann. Etwas, das man zumindest dem Prototyp eines Kfz-Menschen nicht zuordnet: Der 66-Jährige liebt klassische Musik, geht gern ins Gewandhaus und in die Oper; außerdem singt er selbst in gleich zwei Chören. „Musik war immer wichtig für mich“, sagt er, der als junger Kerl zusammen mit dem späteren Leipziger OBM und Minister Wolfgang Tiefensee in einer Band namens „Kellermusikanten“ spielte. Er Gitarre, Tiefensee Bass.

Freude an Oldtimern

Ach ja, die sechs Saiten will er auch wieder öfter bearbeiten. Außerdem seine automobilen Schätze fahren und pflegen – einen traumschicken Ford Eifel aus dem Jahr 1937 sowie einen eigens zum Cabrio umgebauten Trabi. Und irgendwie bekommt man als Besucher das Gefühl, dass Christian Scholz bei so vielen Aussichten die Werkstatt besser loslassen können wird, als er glaubt.

Von Mark Daniel

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