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Lokales Leipziger Ehrendoktor für Angela Merkel: Handelshochschule ehrt Führungsstil
Leipzig Lokales Leipziger Ehrendoktor für Angela Merkel: Handelshochschule ehrt Führungsstil
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13:33 27.08.2019
Vier Eckpfeiler hat die „Merkel-Führungsraute“ aus Sicht der HHL-Wissenschaftler: Humanismus, Pragmatismus, Gemeinwohl und Bescheidenheit. Quelle: dpa
Leipzig

Würde die Bundeskanzlerin Wert auf alle ihre Titel legen, wäre ihr Name ziemlich lang. Den ersten Doktor machte Angela Merkel 1986 mit einer Dissertation in Physik. Seither sind 16 Ehrendoktorwürden dazugekommen, zuletzt vor drei Monaten an der US-Universität Harvard. Auch die Uni Leipzig, an der Merkel von 1973 bis 1978 studiert hatte, würdigte die Alumna 2008 aufgrund „ihrer Verdienste um das Fachgebiet Physik und seine Reputation“.

Am Sonnabend erhält die CDU-Politikerin nun ihren 18. Doktorhut: Die Handelshochschule Leipzig, die mittlerweile offiziell „HHL Leipzig Graduate School of Management“ heißt, gibt in der Leipziger Oper nicht nur 220 Studenten aus 65 Ländern die Abschlusszeugnisse, sondern ehrt auch die Regierungschefin mit dem akademischen Titel: zur Belohnung für die „Merkel-Führungsraute“ gewissermaßen.

Die vier Eckpfeiler der Raute charakterisiert Timo Meynhardt, Professor für Wirtschaftspsychologie und Führung an der HHL, folgendermaßen: „Merkel steht konsequent für ein humanistisches Weltbild, sie orientiert sich mit ihrem pragmatisch-systemischen Denken und Handeln am Machbaren, sie zeigt immer wieder die Bezüge zum größeren Ganzen auf – dem Gemeinwohl – und lebt all dies glaubwürdig in ihrem bescheiden-authentischen Auftritt vor.“ Meynhardt ist einer von vier Gutachtern zur Begründung der Ehrendoktorwürde und sagt: „Besonders stilprägend ist ihre bemerkenswerte Selbstdisziplin, den eigenen Gestaltungsspielraum nicht für eine Selbstverwirklichungsgeste auszunutzen.“

Balance zwischen Pragmatismus und Prinzipientreue

Merkels Stil als Chefin decke sich in vielerlei Hinsicht mit den Grundwerten des an der HHL entwickelten„Leipziger Führungsmodells“, findet HHL-Rektor Stephan Stubner: „Eine Art der Führung, die einen klaren Sinn hat; verantwortlich, werteorientiert und stets an den Erfordernissen der Situation orientiert ist“, erläutert er.

Zwei hochkarätige externe Wissenschaftler haben ebenfalls Gutachten erstellt: Harvard-Professorin Barbara Kellerman und Dieter Frey, Experte in Führungsforschung aus München. Aus der HHL hat neben Meynhardt auch Andreas Suchanek, Professor für Wirtschafts- und Unternehmensethik, am Verfahren mitgewirkt. Er findet, Merkel liefere „in besonderer Weise Anschauungsmaterial, wie die anspruchsvolle Balance von Prinzipienorientierung und Realitätssinn zu erreichen ist“. Während gesellschaftliche Interessen immer weiter auseinanderdriften und Stimmungslagen immer extremer würden, ziehe sie „die aus ethischer Sicht so grundlegend wichtige Grenze zwischen jenen Kompromissen, die man aus pragmatischen Gründen schließen sollte, und jenen, die eine klare Verletzung der Prinzipien mit sich bringen.“

Keine Regierungsbilanz

Die einstige französische Finanzministerin Christine Lagarde wird die Laudatio halten. Ihr Amt als Chefin des Internationalen Währungsfonds ruht zurzeit, bevor sie im Oktober zur Präsidentin der Europäischen Zentralbank berufen werden soll. Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer erhält einen Tag vor der Landtagswahl die Gelegenheit für eine Ansprache.

Tagesaktuelle politische Fragen haben für die Entscheidung zur Verleihung der Ehrendoktorwürde aber ausdrücklich keine Rolle gespielt: Die Gutachter hätten keine Regierungsbilanz gezogen, so HHL-Rektor Stubner. Vielmehr sei es „um Muster im Führungshandeln“ gegangen, die nicht zuletzt für Studenten vorbildhaft seien, die an der HHL auf künftige Chefposten vorbereitet werden. HHL-Marketing-Professor Manfred Kirchgeorg: „Arrogante Einzelkämpfer und zielloses Agieren sind hier fehl am Platz.“ Dass in diesem Sinne eine Ehrendoktorwürde nicht in Stein gemeißelt ist, musste der einstige Arcandor-Manager Thomas Middelhoff erfahren: Er verlor seinen HHL-Ehrendoktor von 2008 wieder, nachdem er 2016 wegen Untreue und Steuerhinterziehung rechtskräftig verurteilt worden war.

Von Mathias Wöbking

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