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Lokales Leipziger Entwicklungsprojekt in Äthiopien feiert 40. Jahrestag
Leipzig Lokales Leipziger Entwicklungsprojekt in Äthiopien feiert 40. Jahrestag
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18:28 28.10.2019
Erster Jahrgang: Medizinstudenten und Leipziger Dozenten 1979 in Gondar. In der dritten reihe von unten mit Vollbart der damals 30-jährige Gerd Birkenmeier. Links neben ihm Dieter Reißig. Quelle: privat
Leipzig

Bedri Yusuf ist Chef-Internist an einer Klinik im Bundesstaat Georgia, Elias Siraj forscht als Professor an einer medizinischen Fakultät in Virginia, praktiziert als Chef-Endokrinologe und steht zudem als Direktor an der Spitze eines Diabetes-Instituts. Yared Wondimkun promovierte am Carl-Ludwig-Institut in Leipzig, fungierte zwischenzeitlich als Dekan und Präsident der Universität Gondar, bevor er als Internist nach Washington D.C. an die Howard-Universität ging.

Die renommierten US-Mediziner haben dieselbe Schule durchlaufen. Sie haben ihre Wurzeln in Äthiopien und studierten im Norden des Landes: am „Gondar College of Medical Sciences“, dessen Gründung vor 40 Jahren viel mit Leipzig zu tun hat. Um den runden Jahrestag zu feiern, werden alle drei Ärzte am Wochenende in Leipzig erwartet – und nicht nur sie.

Auch Äthiopiens Botschafterin Mulu Solomon Bezuneh hat sich angekündigt – vielleicht kommt sie sogar zusammen mit dem Gesundheitsminister des Landes, Amir Aman, dessen Vorgänger ebenfalls am Gondar College zum Arzt ausgebildet wurde. Für die äthiopische Medizin ist die Fakultät von großer Bedeutung. „Das Leipzig-Gondar-Projekt ist weltweit einmalig“, sagt Gerd Birkenmeier. Der 70-Jährige ist emeritierter Biochemie-Professor der Uni Leipzig. Kurz nach der Gründung hat er in Gondar 1979/80 und noch einmal 1981/82 selbst Medizinstudenten unterrichtet.

„Einzigartiges Beispiel entwicklungspolitischer Zusammenarbeit“

Gondar hatte bereits seit 1954 ein „Public Health Collage“, an dem Krankenschwestern und sogenannte Gesundheitsbeamte geschult wurden. Mitte der 1970er-Jahre beauftragte die neue sozialistische Militärregierung die Uni der Hauptstadt Addis Abeba, im Norden eine zweite medizinische Fakultät aufzubauen. Dafür holte man sich Hilfe aus der DDR: 1977 schloss die damalige Karl-Marx-Universität mit der äthiopischen Hochschule einen entsprechenden Vertrag. Schon zwei Jahre später boten fünf Leipziger Dozenten in Gondar zunächst 107 Medizinstudenten Vorlesungen und Seminare an. Später sollten viele der jungen Mediziner die Chance erhalten, sich in Leipzig fachärztlich weiterzubilden. Das neue Angebot sollte die Gesundheitsversorgung in dem afrikanischen Land über die Jahre auf ein neues Level heben: Bis dahin hatten bei damals rund 30 Millionen Einwohnern nur 326 Ärzte praktiziert.

„Das Gondar-Projekt ist hinsichtlich seines Umfangs, seiner Komplexität und Nachhaltigkeit ein einzigartiges Beispiel erfolgreicher entwicklungspolitischer Zusammenarbeit“, sagt Birkenmeier. „Wir haben vom Personal – Ärzte, Wissenschaftler, Krankenschwestern – über Laborgeräte bis hin zu Spritzen und Mullbinden alles dorthin geschickt.“ Das Anatomische Institut stellte gleich zu Beginn 4000 histologische Präparate und die Karl-Marx-Universität 50 binokulare Mikroskope zur Verfügung. Die Tischlerei des „Public Health Collage“ wiederum fabrizierte eigens Labor- und Präpariertische.

Im Präpariersaal bei Kerzenschein

Aber auch für die Leipziger Lehrer gab es einiges zu lernen, beispielsweise über die engagierte Arbeit bei widrigen Bedingungen. Der Anatomie-Professor Dieter Reißig, heute 81 Jahre alt, erinnert sich ans nächtliche Studium der Medizinstudenten bei Kerzenschein im Präpariersaal. Arzt und Biochemiker Birkenmeier sagt, dass das Land Äthiopien und seine Menschen ihn sehr beeindruckt haben. „Eigentlich sind wir alle Äthiopier, da wir Nachfahren von Lucy sind“, bekräftigt er mit einem Schmunzeln. „Lucy“, von der 1974 in Äthiopien Skelett-Teile gefunden wurden, ist einer der berühmtesten menschlichen Vorfahren und gilt als „Vormensch“.

Nach den gesellschaftlichen Umbrüchen zwischen 1989 und 1991 war allerdings der gemeinsame sozialistische Nenner in beiden Ländern abhanden gekommen – womit auch die universitäre Zusammenarbeit auf institutioneller Ebene mit einem Schlag auf kleiner Flamme kochte. Aber es war ja ohnehin das Ziel gewesen, Fachkräfte vor Ort so auszubilden, dass das Leipziger Engagement nach und nach überflüssig wird. Die persönlichen Kontakte gingen nie ganz verloren. Mit Unterstützung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes kommen nach wie vor Doktoranden aus Gondar nach Leipzig.

Leipzig ist ein Name in Gondar"

Andersherum genießt Leipzig dort noch immer einen glänzenden Ruf. Als die Uni Gondar 2014 ihren 60. Geburtstag feierte, wurde ein Denkmal eingeweiht, das die Kooperation in Erinnerung hält. „Leipzig ist ein Name in Gondar“, sagt Birkenmeier. Genauso in Addis Abeba: Mit der Hauptstadt pflegt Leipzig eine Städtepartnerschaft, deren Vereinsvorsitzender er war. Für ihn persönlich war die Zeit in Äthiopien eine prägende Lebenserfahrung. Sein Interesse für das Land ebbte nie ab: Nach Eintritt in den Unruhestand eröffnete er gemeinsam mit der äthiopischen Köchin Assefa in Leipzig das Restaurant „Addis-Café“und veranstaltet dort regelmäßig Science-Dinner zu Gesundheitsthemen. Auch Bedri Yusuf, Elias Siraj, Yared Wondimkun und all die anderen Besucher aus aller Welt, deren Lebenswege sich in Gondar und in Leipzig gekreuzt haben, wird er am Wochenende dorthin einladen.

Das Buch„Bimami – eine medizinische Weltreise“ des einstigen Uniklinikumsvorstands Norbert Krüger, ursprünglich im März erschienen, ist nun in einer Neuausgabe des Dakami-Verlags erhältlich. Krüger schreibt darin über seine Stationen als Arzt in Sierra Leone, Kongo, Nicaragua, Samoa und Saudi-Arabien.

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