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Lokales Leipziger Firma Blitzblank putzt seit 70 Jahren
Leipzig Lokales Leipziger Firma Blitzblank putzt seit 70 Jahren
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14:15 09.02.2019
Alexander Schlicke (links) übernahm im September die Geschäftsführung von Blitzblank. Herbert Schneider arbeitet seit 50 Jahren im Unternehmen. Quelle: André Kempner
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Leipzig

„Früher wurde mehr mit Leder gearbeitet, heute sind die Wischer leichter und die Gummis besser – dadurch kommen sie öfter zum Einsatz.“ Herbert Schneider ist Putzprofi. Seit einem halben Jahrhundert poliert der 65-Jährige Fenster für die Firma Blitzblank. Und auch sein Arbeitgeber, das älteste Reinigungsunternehmen Leipzigs, feiert dieses Jahr Jubiläum: 70 Jahre putzen in der Messestadt.

In den Jahrzehnten hat sich einiges geändert, vieles ist geblieben. Auftraggeber zum Beispiel: Einige Schaufenster säubert Schneider seit 40 Jahren. „Viele Kunden sind mir ans Herz gewachsen“, betont Schneider. Sein Beruf ist nicht ungefährlich: Zu Beginn seiner Karriere ist Schneider einmal von einer Leiter etwa sieben Meter in die Tiefe gestürzt. Der Unfall verlief glimpflich. „Höhenangst darf man als Fensterputzer halt nicht haben.“ Damit am Tag alles glänzt, fängt Schneider früh an: „Um drei Uhr stehe ich auf“, sagt er. Einige Kunden habe der Fensterputzer wegen der zeitigen Schichten seit Jahren nicht gesehen. „Da gehört viel Vertrauen dazu.“ Auch mit Zuverlässigkeit gewinnt die Blitzblank GmbH derzeit wieder an Auftraggebern. Denn in der Firmengeschichte sah es nicht immer rosig aus.

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Beim Putzen ist Verschwiegenheit oberstes Gebot

1949 wurde der Betrieb in der Endersstraße gegründet, betreute als Produktionsgenossenschaft des Handwerks den Westen und Südwesten Leipzigs. In den Bereich fielen auch Alte Messe, die Polizeidirektion in der Dimitroffstraße sowie das Bundesverwaltungsgericht. „Da bekommt man viel mit“, sagt Schneider. Verschwiegenheit sei oberstes Gebot.

Blitzblank putzt seit 70 Jahren in Leipzig

Das Putzen selbst habe sich kaum verändert. Allerdings wurde in der DDR noch häufig mit Säure gearbeitet, das ist heute verboten. 1990 zog der Betrieb in die Naumburger Straße um, seit 1999 sitzt die GmbH in der Bitterfelder Straße. In den Glanzzeiten bis Mitte der 1990er Jahre arbeiteten 325 Menschen bei Blitzblank. Danach schossen Ich-AGs aus dem Boden, der Preiskampf nahm zu, Mitarbeiter wurden entlassen. „Es hat gedauert, bis die Kunden gemerkt haben, dass es bei der Reinigung auch um Werterhaltungsschutz und Pflege geht“, sagt der heutige Geschäftsführer Alexander Schlicke. Zwölf Mitarbeiter sind heute bei Blitzblank beschäftigt. „Es geht bergauf, seit September haben wir den Umsatz verdoppelt“, sagt Schlicke. Etwa 130 feste Kunden zählt das Traditionsunternehmen. Hinzu kommen Auftraggeber, die einmalig etwa einen Teppich reinigen lassen.

Blitzblank GmbH findet kaum Nachwuchs-Putzer

Alexander Schlicke hat das Unternehmen im September vergangenen Jahres von seinem Vater übernommen. Harald Schlicke arbeitete seit 1979 bei Blitzblank und wurde nach der Wende alleiniger Geschäftsführer. „Er machte seinen Meister, studierte noch Betriebswirtschaft – es stand immer fest, dass es weitergeht“, erinnert sich sein Sohn. Der heute 34-Jährige begann 2005 seine Lehre im Betrieb. „Es war nicht immer mein Traumjob, ich hatte auch Vorurteile“, berichtet er. Doch dann habe er gemerkt, wie abwechslungsreich der Beruf ist. „Du siehst gleich das Ergebnis und die Kunden sind manchmal ganz außer sich vor Freude“, erzählt Schlicke.

Auch er merkt den Fachkräftemangel, findet kaum Nachwuchs. Dabei sei gerade bei Neubauten die professionelle Reinigung häufig Pflicht, meint Schneider. So lassen sich bei neuen Wohnhäusern einzelne Fenster gar nicht mehr öffnen. Zum Fensterputzen gebe er einfach Geschirrspülmittel auf den Wischer, verrät Schneider, der in den 70er und 80er Jahren die Jugendbrigade angeführt hat. „Bis man richtig gut ist, dauert es Jahre", sagt der Experte. „Ich würde meine Frau nie zuhause die Fenster putzen lassen“, fügt er hinzu. Und weil ihm das Saubermachen so viel Freude bereitet, will er noch nicht in Rente gehen. „Körperlich bin ich ja noch fit“, sagt er. Das Urgestein bleibt dem Traditionsunternehmen noch länger treu.

Von Theresa Held