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Lokales Leipziger Forscher entdecken Spektakuläres in Heliopolis
Leipzig Lokales Leipziger Forscher entdecken Spektakuläres in Heliopolis
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16:08 28.05.2019
Die Grabungsstätte der Leipziger Forscher in Heliopolis im Frühjahr 2019. Quelle: Foto: Ägyptologisches Institut der Universität Leipzig
Leipzig

Es ist die Stadt der Sonne: In Heliopolis stand einst der prächtige Sonnentempel als religiöses Zentrum im alten Ägypten. Seit 2012 fördert dort ein vom ägyptischen Archäologen Aiman Ashmawy und dem Leipziger Ägyptologen Dietrich Raue geleitetes Forscherteam in Kairo spektakuläre Funde ans Licht – kurz unterbrochen durch die Revolution im Jahre 2013. Bei der jüngsten Forschungsreise im Frühjahr 2019 entdeckte das Team beispielsweise das Relief-Fragment eines zerstörten Denkmals aus der Zeit des altägyptischen Königs Echnaton.

Überreste erzählen spannendeGeschichte

 Partner vor Ort bei den Grabungen im Stadtteil Matariya ist das ägyptische Antikenministerium. „Seit 2015 haben wir in die Grabungen intensiviert, weil die Bedrohung des unbebauten Areals größer geworden ist – die Ägypter brauchen Platz für neue Krankenhäuser, Schulen und Häuser“, sagt Raue, der mit Studenten zwei Mal pro Jahr an den Nil reist. Und Spektakuläres entdeckt – wie Fragmente eines Tempels, von welchen spätere Generationen viel Baumaterial verwendet haben.

Dietrich Raue ist auch Kustos im Ägyptischen Museum. Quelle: André Kempner

Auch wenn die Stätte nicht so gut erhalten ist wie beispielsweise der Karnak-Tempel in Luxor, erzählen die Überreste in Matariya eine spannende Geschichte. So haben die Leipziger Forscher nicht damit gerechnet, oberhalb des Grundwassers Lehmziegelarchitektur zu finden. Jüngst wurden fünf bis sieben Meter starke Lehmziegelmauern ausgegraben, die einst den Tempel unterteilt haben. In den Schichten liegen Säulenfragmente des Alten Reiches (um 2450 v. Chr.), die Ramses II. – er regierte 1279 bis 1213 v. Chr. – offensichtlich von Tempeln der Pyramidenzeit verwenden ließ (Durchmesser 1,40 Meter). An den Halden der Mauern wurden innerhalb des Tempels erstmals sogar einfache Gräber entdeckt. Keine Unfallopfer, sondern reguläre Bestattungen!

Echnatons Abbild als Sphinx gefunden

„Das wirft viele Fragen auf, denn eigentlich ist das in einem ägyptischen Tempel nicht vorgesehen“, so der 51-jährige Ägyptologe, der zugleich Kustos des hiesigen Ägyptischen Museums ist. Das ist schon sensationell, zumal die Nekropole Ain-Schams, was Quelle des Lichts heißt, direkt vor dem Tempel angesiedelt ist. „Irgendwann muss es eine politische Situation gegeben haben, in der das plötzlich möglich war.“ Bislang konnten zwölf Menschen aller Altersklassen und beiderlei Geschlechts identifiziert werden, so Raue, der Co-Direktor der Unternehmung ist.

Gefunden wurden aber auch Hinweise auf Echnaton (Regierungszeit etwa 1351–1334 v. Chr.), der den Gott Aton in Gestalt der Sonnenscheibe verehrte und an die Stelle aller anderen Götter setzte. Er ließ viele Tempel wirtschaftlich „ausbluten“. Jenen in Heliopolis aber eben gerade nicht. Deshalb ist Echnaton dort konstant präsent, was auch das nun gefundene Quarzrelief mit seinem Abbild als Sphinx beweist.

Forscher entdecken zerschlagenes Tempelmaterial

Gegraben wird aber auch auf einem zweiten Areal, wo sich der Tempel von Nektanebos I. (380 – 363 v. Chr.) befindet. „Das ist der letzte große Neubau, der nach einer Geschichte von 2400 Jahren in Heliopolis errichtet wurde“, so der Wissenschaftler. Dort wurden im Frühjahr 2019 wieder neue Basaltblöcke entdeckt. Aufregend ist: Portalfragmente von Merenptah (Regierungszeit von 1213 bis 1204 v. Chr.) deuten auf die Existenz eines weiteren Tempels hin. Ob dort weiter gegraben werden kann, bleibt allerdings fraglich.

Eine weitere Grabung beschäftigt sich mit Gebäuden, die im 1. Jahrtausend aus Tempeltrümmern errichtet worden sind. Die Wissenschaftler entdeckten zerschlagenes Tempelinventar. Und stehen vor der Frage, was damals passierte. Waren es innerägyptische Konflikte? Oder die Invasion der Perser? Klara Dietze schreibt darüber ihre Promotion.

Beteiligt am Forschungsprojekt sind bis zu 30 Wissenschaftler aus vielen europäischen Ländern, ägyptische Archäologen sowie 30 Facharbeiter und 110 lokale Arbeiter. Unterstützt wurden die Grabungen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Gerda Henkel Stiftung, der Selz-Foundation, durch ein Preisgeld der Académie des Inscriptions et Belles-Lettres Paris, durch die Fondation Schiff Giorgini, von Freundeskreisen in Leipzig, Zürich und Hamburg sowie einer von einer Vielzahl privater Förderer.

Skulptur von Psammetich steht vor Museum in Kairo

Was passiert eigentlich mit den Funden? Die Grabungsstätte in Matariya hat ein eigenes Freilichtmuseum. Der Sensationsfund von 2017, die monumentale Skulptur von Psammetich I., steht inzwischen im Garten vor dem Ägyptischen Museum Kairo. Später zieht sie in den Neubau, der in Nähe der Pyramiden von Gizeh entsteht.

Wer Näheres über die Grabungen erfahren möchte, hat dazu bei einer öffentlichen Veranstaltung am 29. Mai, 18.15 Uhr, im Uni-Hörsaal 8, im Campus Augustusplatz (Universitätsstraße) Gelegenheit.

Von Mathias Orbeck

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