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Lokales Leipziger Hebammen fordern mehr Personal für Geburten an Kliniken
Leipzig Lokales Leipziger Hebammen fordern mehr Personal für Geburten an Kliniken
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07:01 27.04.2019
Leipziger Hebammen haben vor kurzem Infoblätter und Kondome am Augustusplatz verteilt, um auf ihre prekäre Arbeitssituationen aufmerksam zu machen. Im Bild (v.l.): Oana Büttner, Vivien Lohse, Selma Luzie König und Beatrix Reichenbach. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Die Leipziger werden immer gebärfreudiger: Nach 4370 Geburten im Jahr 2005 und 5018 im Jahr 2009 wurden im vergangenen Jahr in der Stadt 6779 Babys geboren – in diesem Jahr könnten es rund 7000 werden, heißt es. Doch die Freude darüber trübt den Blick für die Probleme des Baby-Booms: Die Hebammen der Stadt arbeiten am Limit. Sie fordern jetzt einen höheren Personalschlüssel in den Kliniken, einen Mindest-Betreuungsschlüssel für werdende Mütter und eine bessere Bezahlung für angestellte Hebammen.

Widersprüchliche Angaben zur Betreuungslage

„Natürlich wünscht sich jede Mutter eine 1:1-Betreuung im Kreißsaal“, schildert Alexandra Kluge, Vorsitzende des Hebammen-Kreisverbandes Leipzig, die Situation. Doch die Realität sehe ganz anders aus. In Leipzigs Kreißsälen würde eine Hebamme inzwischen drei Schwangere gleichzeitig betreuen – nicht selten seien es sogar fünf, sagt sie. Eine Darstellung, der die Leipziger Geburtskliniken widersprechen.

Viele Hebammen sind ausgebucht

Mussten sich Schwangere in Leipzig ursprünglich erst ab der zwölften Schwangerschaftswoche um eine Hebamme bemühen, so ist das jetzt schon in der vierten oder fünften Woche erforderlich – dann sind Leipzigs Hebammen ausgebucht. „Dann ist es ganz schwer, noch jemanden zu finden“, so Kluge.

„Extrem hohe Verantwortung“

Immer mehr Hebammen wollten auch nicht mehr unter den aktuellen Arbeitsbedingungen in den drei Geburtskliniken der Stadt arbeiten. Viele seien dort im Drei-Schichtsystem im Einsatz und würden außerdem noch zusätzlich als freiberufliche Hebammen in der Schwangeren-Vorsorge arbeiten, in der Wochenbettbetreuung sowie in den Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskursen. „Die Verantwortung ist extrem hoch und wir haben auch eigene Kinder, die betreut werden müssen“, schildert Hebamme Beatrice Reichenbach die Situation. Und die Bezahlung sei auch unterdurchschnittlich: Wer als Hebamme 40 Stunden in der Woche im Drei-Schicht-System arbeite, komme im Monat ohne Zuschläge auf ein durchschnittliches Einstiegsgehalt von 1800 Euro brutto, heißt es. Wer dagegen als freie Hebamme arbeite, verdiene etwas besser und könne die Arbeit an sein eigenes Familienleben anpassen. Und wer dabei statt in der Geburtshilfe ausschließlich in der Wochenbettbetreuung arbeitet, müsse auch nicht die horrende Versicherungsgebühr von jährlich 8174 Euro für die Berufshaftpflicht zahlen.

Leisnig musste Kreißsaal vorübergehend schließen

Wohin diese Konstellation führt, ist schon im Umland von Leipzig zu sehen. Dort musste in Leisnig (Landkreis Mittelsachsen) der Kreißsaal der Helios-Klinik vor Ostern bis zum 2. Mai geschlossen werden, weil zu wenig Hebammen zur Verfügung standen. Betroffene berichten, dass die Klinik bis zuletzt alles versucht habe, um diese Schließung abzuwenden. Es sei sogar ein 5000-Euro-Bonus für Hebammen offeriert worden, die sich zur Arbeit einfinden, heißt es.

Zulauf an Leipzigs Geburtshäusern

Deutlich angewachsen ist der Drang von Schwangeren in die drei Leipziger Geburtshäuser, die von Hebammen betrieben werden. Diese Häuser werben mit einer 1:1 Betreuung. Schwangere, die diese Betreuung wollen, müssen allerdings etwas tiefer in die Taschen greifen – bis zu 700 Euro werden in der Regel für eine fünfwöchige Rufbereitschaft gezahlt, bei der eine Hebamme rund um die Uhr verfügbar ist. Doch obwohl nur zwei bis vier Prozent aller Schwangeren in Leipzig eine solche außerklinische Geburt wünschen und bezahlen, kann der Bedarf nicht gedeckt werden. Wer sich nicht frühzeitig anmeldet, bekommt keinen Platz.

„Zu wenig Plätze für Hebammenstudium eingeplant“

Der sächsische Hebammenverband fordert deshalb die Ausbildung von deutlich mehr Hebammen. „Ab dem nächsten Jahr müssen Hebammen ein Studium absolvieren, das in der Regel ein Jahr länger dauert als die bisherige Ausbildung“, schildert Reichenbach die Situation. „Für dieses Studium will Leipzig jährlich nur 50 Bewerberinnen zulassen. Das reicht hinten und vorne nicht.“ Denn man könne nicht davon ausgehen, dass alle Absolventinnen in Sachsens Geburtskliniken anfangen.

Studienstandort auch in Dresden

Neben Leipzig wird Dresden ein Standort für das Hebammenstudium werden, voraussichtlich auch Chemnitz. Wegen der angespannten Situation in den Kreißsälen soll es außerdem eine Übergangsphase bis zum Jahr 2025 geben, in der die Schulen erhalten bleiben und gleichzeitig bereits studiert werden kann. Um die Arbeit in den Geburtskliniken familienfreundlicher zu machen, gibt es auch Überlegungen für neue Arbeitszeitmodelle.

Bund soll für mehr Personal sorgen

Außerdem wird gefordert, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ein „Geburtshilfestärkungsgesetz“ auf den Weg bringt. In diesem sollte geregelt werden, dass der Bund mehr Geld bereitstellt, damit die Geburtsabteilungen mehr Personal für eine bessere Versorgung der Schwangeren einstellen können. „Herr Spahn möchte dafür Zahlen haben“, sagt Stephanie Hahn-Schaffarczyk, Vorsitzende des Sächsischen Hebammenverbandes. „Deshalb wird im Mai eine neue Studie des Bundesministeriums für Gesundheit starten, die aufzeigt, wie hoch das Arbeitspensum in den Kliniken ist und wie welcher Handlungsbedarf besteht.“

Familienpicknick am 5. Mai im Clara-Zetkin-Park

Gleichzeitig proben Leipzigs Hebammen immer stärker den Schulterschluss, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. So wurden vor kurzem in der City Kondome verteilt, um auf den Hebammenmangel aufmerksam zu machen. Aufschrift: „Mach’s mit – kein Kind ohne Hebamme.“ Außerdem hat der Kreisverband für den 5. Mai von 14 bis 18 Uhr alle Hebammen der Stadt zu einem Familienpicknick in den Clara-Zetkin-Park nahe des Musikpavillons eingeladen. Organisiert wurden dafür auch Livemusik, Kinderschminken, Spielemobil, Infoständen und Basteln.

Von Andreas Tappert

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