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Lokales Leipziger Hotel Astoria: Kippt jetzt die ganze Sanierung?
Leipzig Lokales Leipziger Hotel Astoria: Kippt jetzt die ganze Sanierung?
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20:13 02.08.2019
Seit einer Woche ruhen die Bauarbeiten am Leipziger Hotel Astoria. Quelle: André Kempner
Leipzig

Derzeit traut sich niemand mehr konkret zu sagen, wann die Arbeiten am Leipziger Nobelhotel Astoria fortgesetzt werden können. Zwar bemühte sich der aus Berlin stammende Investor Vivion (hieß früher Intown) am Freitag, Optimismus zu verbreiten. „Wir rechnen jeden Tag damit, dass der Baustopp vom 26. Juli wieder aufgehoben wird“, erklärte Unternehmenssprecher Robert Döring gegenüber der LVZ. „Wir möchten das Astoria so schnell wie möglich wieder ans Netz bringen und damit die Messestadt bereichern“, betonte er. Doch womöglich wird die Baupause deutlich länger, vielleicht sogar viele Monate dauern.

Faustgroße Steinen fielen vom Dach

Bei dem Streit mit den Eigentümern des benachbarten Best Western Hotels (Kurt-Schumacher-Straße 3) geht es nämlich nicht nur um zu viel Staub oder faustgroße Steine, die jüngst bei Stemmarbeiten am Dach herunterfielen. Damit seien Gesundheit und Leben jener Mitarbeiter gefährdet worden, die täglich über den Hof des Best Western laufen müssen, so der Leipziger Rechtsanwalt Klaus Füßer.

Im Auftrag seines Mandanten habe er schon im Mai einen Eilantrag beim Landgericht gestellt, um schwerwiegende Mängel beim Vollzug der Arbeiten abzustellen. Auch das Bauordnungsamt sei informiert worden, doch damals hätten diese Stellen keine Eilbedürftigkeit gesehen. Das änderte sich erst, als die Belästigungen und Gefahren im Juli noch größer wurden. Nach einer gerichtlichen Nachfrage bei der Stadt habe das Bauordnungsamt die Örtlichkeit besichtigt – und sofort den Stopp der Arbeiten verfügt.

Neues „Sicherungskonzept“ abgelehnt

Damit sei das Verfahren gegen den Investor am Landgericht nun beendet, weil dessen Ziel eines Baustopps erreicht wurde, erläuterte Füßer. Zwar habe die von Vivion beauftragte Abrissfirma in dieser Woche ein neues „Sicherungskonzept“ für die Arbeiten bei der Stadt eingereicht. Doch dem habe der betroffene Nachbar nicht zustimmen können, weil es erneut nicht den Vorschriften entspreche. Zum Beispiel würden das Aufstellen von Schuttcontainern oder eine Befeuchtung der Schuttrutsche zur Staubverringerung vermisst. Vor allem gebe es keine Sicherheiten, dass nichts mehr vom Dach fällt.

Der Ball liege derzeit „im Feld des Investors“, erklärte Kathrin Rödiger, die Leiterin des Leipziger Bauordnungsamtes. Dieser müsse nachweisen, dass er die Arbeiten ordnungsgemäß fortsetzen wird. „Erst dann können wir den Baustopp wieder aufheben – und werden dann auch die Öffentlichkeit umfassend informieren.“

Beschwerde gegen Baugenehmigung

Weder Rödiger noch Vivion-Sprecher Döring wollten sich zu einem anderen Verfahren äußern, das die Pause bei der Sanierung des berühmten Astorias noch erheblich verlängern könnte. Bereits seit 2018 ist bei der Stadt ein Widerspruch bezüglich der damals erteilten Baugenehmigung für die frühere Nobelherberge anhängig.

Weil sich hierzu nichts tat, zog das Best Western mittlerweile (gegen die Stadt) vor das Verwaltungsgericht. Die Baugenehmigung weise gröbste Mängel auf und sei daher rechtswidrig, sagte Anwalt Füßer. Zum Beispiel habe die Stadt Daten aus einem Schallschutzgutachten „offenbar ungeprüft“ übernommen, das von 250 Betten in dem künftigen Kongresshotel ausgehe. In Wahrheit solle das Astoria 250 Zimmer für je zwei Personen erhalten, also 500 Betten.

Zahl der Lieferverkehre sehr klein angesetzt

„Völlig abwegig“ sei die Annahme in der Baubeschreibung, das Astoria könne mit 26 Lieferverkehren pro Woche auskommen – diese sollen über eine Zufahrt gleich neben dem Best Western abgewickelt werden, zudem sollen die Lieferfahrzeuge auf einem „Leipziger Wendehammer“ in sieben Metern Abstand zum Best Western wenden.

Bei der ohnehin ungewöhnlich knapp kalkulierten Zahl der Lieferverkehre sei in keiner Weise berücksichtigt worden, dass im Hof des Astoria ein einstöckiges Kongress- und Veranstaltungszentrum mit fünf Sälen für bis zu 1000 Personen sowie im Erdgeschoss weitere Tagungsräume für 400 Personen vorgesehen sind. Die Stadt gehe bei ihrer Genehmigung davon aus, dass ein Kongresszentrum keinen Lieferverkehr benötige, was gelinde gesagt lebensfremd sei, so der Anwalt. Realistisch wären vielmehr drei An- und Ablieferungen pro Tagung.

Verwaltungsgericht könnte bald entscheiden

Auch bei weiteren Themen wie der Andienung der Tiefgarage (60 Stellplätze), Müllentsorgung und Abstandsflächen entspreche die Baugenehmigung nicht den gültigen Normen, so Füßer. „Das alles hatte unser Mandant natürlich auch schon im Vorfeld im Baudezernat angesprochen. Letztlich entschied man dort aber anders.“

Laut Füßer könnte das Verwaltungsgericht „im Spätsommer“ darüber entscheiden, ob die Baugenehmigung Bestand hat oder nicht. Falls nicht, wären sicher größere Umplanungen nötig, die viele Monate dauern könnten. Aufgrund der jüngsten Ereignisse auf der Baustelle hat das Best Western nun noch eine „Zwischenverfügung“ beim Verwaltungsgericht beantragt. Demnach sollen die Richter die Baugenehmigung so lange außer Kraft setzen, bis in der Hauptsache entschieden wird. Das hieße: Der Baustopp bleibt bestehen.

Nächste Woche treffen sich die Nachbarn

Das Best Western sei nicht an Zeitverzug beim Astoria, sondern an vernünftigen Lösungen interessiert, betonte der Rechtsanwalt. In diesem Sinne wollten sich beide Seiten nächste Woche an einen Tisch setzen und reden. Ausgang offen.

Von Jens Rometsch

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