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Lokales Leipziger Kinderprojekt und Corona: „Wir wissen nicht, wie lange wir überleben“
Leipzig Lokales Leipziger Kinderprojekt und Corona: „Wir wissen nicht, wie lange wir überleben“
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19:01 26.03.2020
Kämpft ums Überleben ihres Spielparadieses in der Leipziger Südvorstadt: Katja Windler von Kawi-Kids. Quelle: Andre Kempner
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Leipzig

Das Video zeigt eine sympathische blonde Frau und ihre kleine Tochter. Beide sitzen vor der Kamera und singen. „Hände waschen, Hände waschen, muss ein jedes Kind“. Ein Klassiker unter den sogenannten Bewegungsliedern – und in Zeiten einer ungeahnten Virus-Pandemie hochaktuell. „Ich versuche damit, Eltern und Kinder in diesen schweren Zeiten bei Laune zu halten“, sagt Katja Windler (43).

„Kosten fressen uns auf“

Erst seit einigen Tagen betreibt die Leipzigerin ihren eigenen Youtube-Kanal. Vor Corona betreute sie täglich etwa 30 Eltern und deren Kinder in ihrem „Spielparadies für Babys und Kleinkinder“ in der August-Bebel-Straße. Doch auch dieser Indoor-Spielplatz unter dem Namen „Kawi-Kids“ ist zwangsläufig geschlossen und daher in seiner Existenz akut bedroht. „Die Kosten fressen uns auf“, sagt die Betreiberin.

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Vor zehn Jahren machte sich die damalige Hartz-IV-Empfängerin selbstständig. Auf 420 Quadratmetern in der Südvorstadt können Babys und Kleinkinder seither durch Tunnel kriechen, im Bällebad hopsen, auf weichen Matten klettern. Es gibt allerhand Kurse wie Eltern-Kind-Turnen, Bewegungstraining oder Babymassage.

Doch durch die Coronakrise war von heute auf morgen Schluss damit. „Wir nicht wissen, wie lange wir das selbst mit staatlicher Hilfe finanziell überleben können“, sagt Windler. „Einen Puffer gibt es so gut wie gar nicht, weil wir nicht wirklich profitorientiert arbeiten und es mir immer darum ging, dass es sich die Leute leisten können, zu uns zu kommen.“

„Tolles Feedback von Eltern“

Ihre sechs Mitarbeiter musste sie auf Kurzarbeit setzen. Eine befristete Stundung der Miete für die Räumlichkeiten lehnte der Vermieter ab. „Wir versuchen gerade alles, um uns über Wasser zu halten“, sagt die dreifache Mutter.

Der Youtube-Kanal, auf dem sie regelmäßig mit ihrer anderthalbjährigen Tochter Lieder singt, dient eher dem Zusammenhalt. Um die 150 Leute schauen zu. „Ich bekomme ein tolles Feedback“ freut sich Windler. „Eltern schicken mir Fotos von ihren Kindern, wie sie vor dem Fernseher sitzen und mitmachen. Dieses Familiäre macht uns aus.“

„Man ermutigt mich wie vor zehn Jahren“

Zudem bietet „Kawi-Kids“ in Corona-Zeiten die Ausleihe von Spielgeräten wie Verkleidekiste, Balancierstrecke oder Holzbaustelle an. „Die Eltern sind dafür sehr dankbar, da sie ja nun die ganze Zeit über ihre Kids zu Hause beschäftigen müssen“, so Windler. Der Aufwand ist beträchtlich, weil Katja Windler nach jeder Leihe das Equipment gründlich reinigt und desinfiziert. Zuweilen liefert sie die Geräte selbst aus. Etwa für eine gehbehinderte Mutter, die mit ihren beiden Söhnen (4, 6) in einer Zweieinhalb-Raum-Wohnung die Corona-Zeit und damit verbundene Ausgangsbeschränkungen überstehen muss.

Hoffnungen setzt Windler in eine demnächst startende Crowdfunding-Kampagne. „Viele haben schon zugesichert, dass sie uns unterstützen wollen“, berichtet die Unternehmerin. „Man ermutigt mich genauso wie vor zehn Jahren, als ich mit dem Projekt gestartet bin.“

„Shutdown halte ich für notwendig“

Obwohl ihre berufliche Existenz dadurch am seidenen Faden hängt: Die drastischen Beschränkungen, die im Zuge der Corona-Pandemie gelten, kritisiert Katja Windler nicht. „Den Shutdown halte ich für extrem notwendig“, bekräftigt sie. „Es ist jetzt wichtig, dass sich alle daran halten und solidarisch sind.“ Und vielleicht auch einfach mal ein fröhliches Lied anstimmen.

Ohne Kinder: Das Spielparadies „Kawi-Kids“ ist infolge der Corona-Krise vom Aus bedroht. Allerdings erleben die Macher in diesen schweren Zeiten auch viel Solidarität.

Von Frank Döring

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