Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Leipziger Lehrer holt Politprominenz ans Schiller-Gymnasium
Leipzig Lokales Leipziger Lehrer holt Politprominenz ans Schiller-Gymnasium
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:01 28.02.2019
Ganz im Sinne Schillers: Jens-Uwe Jopp (53) setzt sich für demokratische Werte ein. Foto: Quelle: LVZ
Leipzig

Manchmal wird Jens-Uwe Jopp gefragt: „Wie kriegen Sie das eigentlich alles hin?“ In der Tat spannend zu erfahren, wie es ein Gymnasial-Lehrer schafft, bedeutende Personen der Zeitgeschichte an seine Schule zu holen. Jopps Erklärung korrespondiert mit dem Prinzip, das er als Pädagoge am Leipziger Schiller-Gymnasium verfolgt: „Es geht darum, einen persönlichen Ton zu finden – und zu vermitteln, dass es einem um etwas geht.“ Ganz offensichtlich gelingt ihm das. Der Theologe und Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer war schon da, Linken-Politiker Gregor Gysi dito. Außerdem steckt der Name Jopp hinter diesem ominösen Banner, das an der Fassade der Schule prangt...

„Ich möchte nicht das Feld den Populisten überlassen“

Seit ein paar Wochen queren die Zeilen „Schone fremde Freiheit. Zeige selbst Freiheit.“ einen Teil des Gebäudes an der Ecke von Sass- und Elsbethstraße in Gohlis. Ein Zitat aus Schillers Kallias-Briefen von 1793, das sich auf den Terror während der französischen Revolution bezieht. Aus Jopps Sicht „stellt der Kant-Schüler Schiller mit dieser Aussage eine Art Kategorischen Imperativ zivilisierten Verhaltens auf“. Will heißen: Achte zuerst die Freiheit des Anderen, vergiss aber deine eigenen Ansprüche und Ziele nicht. Eine Forderung nach friedlich-konstruktiver Lebens- und Streitkultur, die der Lehrer nicht müde wird seinen Schülern zu verklickern – in einer Zeit, in der sich der Umgangston verschärft, Fremdenfeindlichkeit wächst und der Wahrheitsbegriff gedehnt wird. Mit Blick auf die sächsische Landtagswahl im September betont Jopp: „Gerade jetzt ist es wichtig, sich für humanistische Werte und die Demokratie einzusetzen. Ich möchte nicht, dass das Feld den Populisten überlassen wird.“

Der Hang zur Kabarett-Bühne

Für dieses Unternehmen investiert der couragierte Leipziger viel Zeit und Kraft. Ein Pauker mit Dienst-nach-Vorschrift-Berufsverständnis war der 53-Jährige eh nie – schon seit Jahren bietet der Lehrer für Deutsch und Geschichte seinen Schützlingen Workshops für Improvisationstheater und Kabarett an. Mit der Bühne verbindet Jopp eine lange Leidenschaft: Während des Studiums Ende der 1980er an der Pädagogischen Hochschule holte ihn Kommilitone Jürgen Bewilogua ins Ensemble seines Kabaretts „Die Pauker“. Bis zum Ende der 90er prägte Jopp die Produktionen mit, entwickelte ein sicheres Gespür fürs Spiel auf eine Pointe hin, brachte mit seiner schäumenden Energie produktive Unruhe ins Team.

Trotz gelegentlicher Auszeiten zog es ihn immer wieder zurück auf die Bühne, zunächst als Ensemble-Mitglied vom Kabarett Sanftwut. 2003 untersuchte er im Solo „Bei Schläfer – Stellungskrieg am Gartenzaun“ das Spannungsfeld zwischen Reichen und Besitzlosen; 2009 spielte er neben Meigl Hoffmann das Programm „Zoff im Zoo“. Eine Brücke zwischen Schulstunde, Liebe zur deutschen Sprache und der humoristischen Theaterform schlug das Ein-Mann-Stück „Schiller im Burnout – wer braucht diesen Mann?“, das 2015 Premiere feierte.

Faible für Metaphern und Vergleiche

Von seinem Faible für Satire profitiert Jopp auch beruflich. Edutainment heißt die Kommunikationskunst, dieser Zwitter aus Erziehung und Unterhaltung. „Eine gewisse Dramaturgie und zugespitzter Humor im Unterricht halten die Schüler bei der Stange“, so seine Erfahrung. Schon ein persönliches Gespräch mit ihm macht das leicht vorstellbar: Jens-Uwe Jopp ist ein engagiert Erzählender, der Metapher und Vergleiche zur Veranschaulichung nutzt.

Politische Ereignisse sorgten dafür, dass er seinen Fokus verlagerte, weg von der Bühne. Endgültiger Auslöser waren für ihn die Ausschreitungen gegen Flüchtlinge im sächsischen Clausnitz Anfang 2016. „Das hat mich schockiert und mir klar gemacht: Jetzt gilt es zu kommunizieren, was für ein menschenfeindliches Klima uns droht.“ Um Schülern Angebote für Weiterbildung und Diskussionen zu machen, lud Jopp zu einem Podium ein. Sie debattierten zum Thema „Rechts-Links-Extremismus – alles gleich?“ mit Leipziger Politikern.

Schorlemmer: „Ich mache das gern“

Das positive Echo ermutigte Jopp, weiter zu machen – über den lokalen Tellerrand hinaus. Deshalb landete Anfang 2018 ein Brief aus Leipzig auf dem Tisch von Friedrich Schorlemmer. Von der Anfrage, mit Schülern über Demokratie zu reden, zeigte sich der bundesweit gefragte Theologe beeindruckt und antwortete: „Ich mache das gern.“ Rappelvoll war die Aula am 6. April letzten Jahres, und alle Beteiligten zeigten sich danach begeistert. „Solche Erfolge machen auch mir einfach Mut“, schrieb Schorlemmer kurz darauf an Jopp. Nur ein halbes Jahr später hingen die Schüler Gregor Gysi an den Lippen – auch den ganz und gar nicht unterbeschäftigten Linken-Bundestagsabgeordnete hatte der Lehrer überzeugt.

„Der Kampf um Demokratie ist wichtig“, mahnte Gysi, der die Veranstaltung lobte und auf Jopp zeigte: „Das hat alles dieser Mann bewerkstelligt.“ Der Fußballfan spielt den Ball flott an seine Schüler weiter: „Sie haben im Vorfeld hochmotiviert viel organisiert und sind mit Begeisterung dabei“, betont er.

Demnächst kommt Robert Habeck

Wie wichtig dem Lehrer eine klare Haltung gegen Intoleranz und einfache Weltdeutung auch nach außen ist, davon zeugt nun das Banner an der Schulfassade. Inspiriert von Bekenntnissen für Weltoffenheit an anderen Gebäuden wie dem Schauspiel Leipzig oder an Hochschulen, holte er sich grünes Licht bei Schulleiter Franz Walther. Der Chef der Leipziger Werbeagentur Gangart, Jan Pallmer, war von der Aktion so angetan, dass er das Material und den Druck sponserte.

Solidarität, die Jens-Uwe Jopp motiviert. Briefe an nächste avisierte Diskussions-Gäste sind raus. Für den 8. Mai hat Grünen-Chef Robert Habeck bereits zugesagt, die Reaktion von Ministerpräsident Michael Kretschmer steht noch aus. Wäre doch gelacht, würde das nicht klappen. Es geht schließlich um was.

Von Mark Daniel

Für einen Euro pro Tag ein Jahr lang in der Stadt Bus und Bahn fahren – was in Wien möglich ist, fordern der Umweltbund Ökolöwe und die Stadtratsfraktion der SPD jetzt auch für Leipzig. Was gut klingt, ist hoch brisant – warnt Experte Lars Wagner.

28.02.2019

Bereits sieben Menschen starben 2019 im Bereich der Polizeidirektion Leipzig bei Unfällen. Für Fußgänger könnten Bodenampeln für mehr Sicherheit sorgen, doch die Stadt stellt sich bislang dagegen.

28.02.2019
Lokales Neues nur in Schloss und Bodéga - Belantis-Ausbau stockt in diesem Jahr

Eigentlich sollte Belantis nach der Übernahme im Vorjahr durch die spanische Gruppe Parques Reunidos zügig ausgebaut werden. Doch die Pläne sind durch einen Führungswechsel ins Stocken geraten.

28.02.2019