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Lokales Leipziger Lehrer rät Betroffenen zu Offenheit
Leipzig Lokales Leipziger Lehrer rät Betroffenen zu Offenheit
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22:00 16.11.2017
Viele Schülerinnen und Schüler haben schon Erfahrungen mit Cybermobbing gemacht – als Täter und als Opfer. Quelle: Fotos (2): dpa
Leipzig

Leipzig im Sommer 2017 – die großen Ferien sind fast vorbei, die Schülerinnen und Schüler genießen die letzten Tage am Cospudener See oder an der Schladitzer Bucht. Bevor man sich trifft, verabredet man sich per WhatsApp, lockere Bemerkungen fliegen hin und her, die 16-jährige Lea tippt mit, heute will sie auch dabei sein – und auf einmal stehen da diese zwei Wörter in der Onlinegruppe, wie hingespuckt: „Du Opfer!“ Lea ist gemeint. Es geht weiter, sie kennt den Jungen, der da schreibt: „Wenn ich aussehen würde wie du, würde ich mich aufhängen!“

Wenige Monate später denkt Martin Seffner in seinem Büro an die Episode zurück, die sich unter den Schülern des Musikalisch-Sportlichen-Gymnasiums der Rahn Education abgespielt hat. Seffner, 50, ist der Schulleiter. „Eltern von Schülern aus der Gruppe haben sich an mich gewandt. Glücklicherweise war der Vertrauenslehrer der Schülerin zugleich ihr Klassenlehrer – er nahm den Fall an sich, sprach mit Täter und Opfer, bezog die gesamte Klassengemeinschaft mit ein, ohne zu sehr in Kategorien von Schuld und Strafe zu argumentieren. Denn das verstärkt die Rollen von Täter und Opfer noch zusätzlich“, erklärt er.

Problematisch an solchen Fällen von Cybermobbing: Wenn sich die persönlichen Angriffe in Onlinegruppen abspielen, ist nicht klar, wer in der Pflicht steht. „Letztlich ist das ein privater Raum“, sagt Seffner, auch aus Datenschutzgründen könne die Schule nicht ohne weiteres eingreifen. Die Polizei rät deshalb, wirklich unter die Gürtellinie gehende Diffamierungen, aber auch beleidigende oder sogar sexuelle Kontaktversuche per Screenshot zu sichern – als Beweismaterial, erklärt Tom Bernhardt, Erster Kriminalhauptkommissar am Landeskriminalamt in Dresden.

Viel wichtiger, da ist er sich mit Schuleiter Seffner einig, ist aber eine gesamtgesellschaftliche Herangehensweise. „Das Thema Digitale Medien ist Bestandteil der Präventionsarbeit der sächsischen Polizei“, sagt Bernhardt. „Wir bieten Elternabende und Lehrerfortbildungen an. Zudem werden auch Schüler der 5. und 6. Klassen zum Thema Cybermobbing sensibilisiert.“ Auch an Martin Seffners Schule werden Fortbildungen und Seminare für die Lehrerschaft angeboten – Medienkompetenz ist eines der zentralen Themen unserer Zeit. Und es ist ein Thema, bei dem Erwachsene von den Kindern und Jugendlichen noch einiges lernen können, sagt Seffner: „Man muss akzeptieren können, dass man selbst wieder zum Lerner wird. Jetzt kann auch der Schüler uns etwas erklären, das verändert das Rollenverständnis – und nicht zum Negativen.“

Erst Anfang vergangener Woche ist am Musikalisch-Sportlichen-Gymnasium ein neues Medienkonzept in Kraft getreten, auf Initiative der Schülervertretung. Bis zur 9. Klasse kann das Handy nun auf dem Pausenhof benutzt werden, ältere Schüler dürfen das Smartphone auch im Klassenraum benutzen – in den Pausen, versteht sich.

Larissa Theresa Meixner ist Schülerin der 10. Klasse und hat das Konzept mit erarbeitet: „Medienkompetenzen sind in meinen Augen genauso wichtig wie Sozial- oder Fachkompetenzen. Das sind Themen, die im direkten Zusammenhang stehen. Ein Kuchen kann auch nicht nur aus Mehl und Butter bestehen.“ Genauso wie ihre Kollegen im Schülerrat, Lene Kohlweyer und Alfred Goldmann, hat sie einen recht nüchternen Blick auf das Thema. „Ja, es bringt einige Gefahren mit sich“, sagt Kohlweyer. „Aber die Schüler lernen den guten Umgang mit Medien nicht, wenn sie einfach verboten sind.“ Goldmann gibt ein Beispiel sinnvoller Handynutzung: „Ich kann in Sekundenschnelle meine Gruppe fragen, ob die PowerPoint-Präsentation gut ist.“

Klar ist: Die neuen Medien sind wertvolle Hilfsmittel, sind weder aus dem Unterricht noch aus dem alltäglichen Leben wegzudenken. Doch sie bergen auch Risiken, denen man mit Medienbildung und Regelwerken begegnen kann – und zwar Polizei, Eltern, Lehrer und Schüler gemeinsam. Larissa Theresa Meixner fasst es so zusammen: „Wir werden weiter daran arbeiten, dass keiner mehr Angst vor Cybermobbing, Suchtverhalten oder sozialer Inkompetenz haben muss.“

Zu Messengern wie WhatsApp und Themen wie Cybermobbing gibt es eine Fülle an hilfreichen Internetportalen von verschiedenen Anbietern. Erprobt sind: www.klicksafe.de, www.schau-hin.info, www.handysektor.de, www.klick-tipps.net, www.polizei-beratung.de

Von Christopher Resc

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