Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Leipziger Studie: Arme Kinder schlafen schlechter
Leipzig Lokales Leipziger Studie: Arme Kinder schlafen schlechter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:26 06.11.2019
Die Life-Child-Studie der Universität Leipzig kommt zu dem Schluss: Kinder aus ärmeren Verhältnissen haben häufiger Schlafprobleme. Quelle: dpa
Leipzig

Etwa jedes fünfte Kind hat Schlafprobleme. Jugendliche aus sozial schwächeren Familien sind am stärksten betroffen. Das ist ein neues Ergebnis aus der Life-Child-Studie der Universität Leipzig, das am Donnerstag und Freitag auch bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) in Hamburg thematisiert wird.

Im Kindesalter sind Jungen häufiger betroffen, im Jugendalter die Mädchen

Bei 22,6 Prozent der untersuchten Vier- bis Neunjährigen sowie bei 20 Prozent der zehn- bis 17-jährigen Kinder und Jugendlichen wurden Schlafauffälligkeiten festgestellt. Dazu zählen bei Kindern Widerstand beim Zubettgehen sowie Durchschlafschwierigkeiten, also häufiges Aufwachen in der Nacht. Jugendliche berichteten vor allem von Tagesschläfrigkeit. Auffälliges Ergebnis: Die untersuchten Zehn- bis 17-Jährigen aus niedrigeren Sozialschichten gaben mehr Schlafschwierigkeiten an als die aus höheren Sozialschichten. Warum dieser Zusammenhang im Kindesalter noch nicht registriert wird, ist derzeit unklar. Möglicher Hintergrund: Verhaltensweisen, die für schlechteren Schlaf sorgen und in niedrigeren Sozialschichten häufiger zu beobachten sind, schlagen sich erst später nieder – zum Beispiel Bewegungsmangel, Mediennutzung und schulische Überforderung. Weiteres Resultat der Untersuchung: Im Kindesalter zeigen Jungen häufiger ein auffälliges Schlafverhalten, im Jugendalter sind Mädchen öfter betroffen. Bisherige Studien hatten Geschlechterunterschiede nur für das Jugendalter festgestellt.

Expertin: Ergebnisse sind „sehr besorgniserregend“

Die Ergebnisse seien „sehr besorgniserregend“, erklärt Christiane Lewien. Die Leipziger Medizinstudentin war im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der Studie beteiligt. Geleitet wird die Forschungsgruppe von Wieland Kiess (Chef der Uni-Kinderklinik) und Psychologin Tanja Poulain. Um den Zusammenhängen auf den Grund zu gehen und betroffene Familien gezielt unterstützen zu können, seien dringend weitere Untersuchungen nötig, erklärt Lewien.

Schlafstörungen nehmen zu

Nach Angaben der DGSM sind Schlafschwierigkeiten ein zunehmendes Problem für die öffentliche Gesundheit. Deshalb sei es wichtig, sich einen Überblick über besonders gefährdete Personengruppen zu verschaffen. Im Kindes- und Jugendalter hätten Schlafstörungen in den letzten Jahren zugenommen.

Im Rahmen der Life-Child-Studie wurden 1902 Kinder und Jugendliche zwischen vier und 17 Jahren zu Schlafproblemen befragt. Für die kleineren Probanden kamen die Antworten über die Eltern, die Älteren gaben selbst Auskunft. Soziale Schichten werden in der zitierten Untersuchung nach dem sogenannten Winkler-Index definiert, in den Einkommen, Ausbildung und die Art der Berufstätigkeit der Eltern eingehen.

Die Life-Child-Studie

Die Life-Child-Studie an der Universität Leipzig begleitet die Entwicklung von rund 4300 Heranwachsenden bis ins Jugendalter. Die deutschlandweit einzigartige Untersuchung förderte bereits mehrere Ergebnisse zutage – etwa zu den Folgen von Mediennutzung. So wurde nachgewiesen, dass Kinder, die bereits in jungen Jahren Umgang mit dem Handy haben, später signifikant schlechtere Schulnoten haben – vor allem in Mathematik. Life-Child konnte zudem wegen der großen Zahl gesunder Probanden erstmals echte Referenzgrößen für bestimmte Körperwerte bei Kindern liefern, die bis dahin aus den Befunden kranker Patienten errechnet werden mussten. Die Studie läuft seit 2011 und ist zunächst bis 2021 angelegt. Finanziert wird sie mit europäischen und sächsischen Geldern.

Von Björn Meine

Hunderte Keramikscherben, aber auch eine Sammlung von Tonflaschen und drei Brunnen haben die archäologischen Grabungen am Leipziger Brühl bereits zu Tage gefördert. Noch haben die Fachleute Hoffnung auf Zeugnisse aus der Zeit der Stadtgründung.

06.11.2019

Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo hat neue Streiks bei Lufthansa angekündigt. 1300 Flüge sollen ausfallen. Am Leipziger Flughafen bleiben die Auswirkungen gering: Nur drei Abflüge sind gestrichen.

06.11.2019
Lokales Neurowissenschaftler beim Zeitgeschichtlichen Forum „Die Angst der Deutschen ist vererbt“

Die Ausstellung „Angst. Eine deutsche Gefühlslage?" wird gerade im Zeitgeschichtlichen Forum in einer Sonderschau gezeigt. Der Neurowissenschaftler Joachim Bauer erklärt, warum gerade die Deutschen so angstbesetzt sind, was dagegen helfen könnte – und wo die Nachkriegsgeneration Vorbild ist.