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Lokales Leipziger Nahverkehr: Ist das 365-Euro-Ticket ein Irrweg?
Leipzig Lokales Leipziger Nahverkehr: Ist das 365-Euro-Ticket ein Irrweg?
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15:54 13.12.2019
Mit Protestaktionen wie dieser vor dem Neuen Rathaus fordert der Umweltbund Ökolöwe die Einführung eines Jahrestickets, mit dem Fahrgäste für 365 Euro in Leipzig unterwegs sein können. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Überraschende Töne waren am Donnerstagabend auf einem Nahverkehrsforum zu hören, zu dem die Linken in das Co-Working-Space Basislager im Peterssteinweg eingeladen hatten. Dort sollte es darum gehen, wie Leipzig mit seinem neuen Nahverkehrsplan eine „Verkehrswende“ schaffen kann. Doch große Teile des fast zweistündigen Disputs wurde über das 365-Euro-Jahresticket diskutiert, dessen Aufnahme in den Nahverkehrsplan die Linke fordert, um mehr Leipziger zum Umstieg auf den Nahverkehr zu bewegen. Doch nicht wenige der drei Dutzend Zuhörer übten Kritik an dem Ticket: Statt mit dem Billig-Fahrschein Geldgeschenke zu verteilen, sollten die Mittel lieber investiert werden, um den Nahverkehr attraktiver zu machen, hieß es unter anderem.

„Besser das Sozial- und das Familienticket aufwerten“

Zuvor hatte Steffen Tippach von den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) erklärt, das 365-Euro-Ticket sei lediglich „eine Belohnung der Stammkunden“, werde die Stadt jährlich 20 Millionen Euro kosten und vermutlich nicht dazu führen, deutlich mehr Fahrgäste in Busse und Straßenbahnen zu locken. „Für einen Großteil der Leipziger ist nicht das Geld das vorrangige Thema im öffentlichen Nahverkehr – sie nutzen das System aus anderen Gründen nicht“, erklärte der LVB-Leiter für Unternehmensentwicklung. Untersuchungen hätten ergeben, dass den Fahrgästen die Qualität des Nahverkehrs am wichtigsten sei, gefolgt von der Anschlusssicherheit, den Taktfrequenzen und der Sicherheit. „Der Preis kommt für viele erst an fünfter oder sechster Stelle“, sagte Tippach. Untersuchungen hätten ergeben, dass die Leipziger derzeit jährlich im Durchschnitt 2143 Euro für ihre Mobilität ausgeben. „Davon fließen 150 Euro an die LVB, das übrige Geld wird vor allem fürs Auto ausgegeben.“ Wer Stammkunden beschenken wolle, sollte bedenken, dass mit diesen 20 Millionen Euro noch nichts in die Infrastruktur des Nahverkehrs investiert ist. „Deshalb ist das 365-Euro-Ticket für mich ein Irrweg, sagte Tippach. Mit dem Geld sollte man besser die bestehenden Sozial- und Familientickets attraktiver machen.

„Wir hoffen auf ein attraktives Fördermittelprogramm“

Stadträtin Franziska Riekewald widersprach ihm. Der günstige Preis des Jahrestickets könne viele Autofahrer zum Umsteigen auf den öffentlichen Nahverkehr bewegen, erklärte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Sprecherin für Mobilität. „Sie werden dann öfter mit dem ÖPNV fahren und später vielleicht ihr Auto ganz abschaffen.“ Die zwingend notwendigen Investitionen in die Infrastruktur könne Leipzig ohnehin nicht allein stemmen, dafür brauche es Fördermittel von Bund und Land. „Wir hoffen, dass Leipzig als größte Stadt Ostdeutschlands in ein attraktives Förderprogramm hineinkommt“, so Riekewald.

Frank Bretzger von der DB-Regio Südost widersprach ihr. „Im schlimmsten Fall verschenken Sie das Ticket, und es fahren doch nicht mehr Leute mit dem Nahverkehr, weil die Kapazitäten dafür fehlen“, erklärte er. Aus dem Publikum wurde auf Erfahrungen aus Tallin verwiesen. Dort seien die Ticketpreise noch stärker gesenkt worden – „doch die Leute sind weiter mit dem Auto gefahren“, wurde berichtet.

Autofahren unattraktiver machen?

Andere Zuhörer fragten, ob Leipzig das Autofahren unattraktiver machen sollte, damit mehr Autofahrer in Busse und Bahnen einsteigen. Riekewald entgegnete, es müsse normal werden, „dass man fürs Parken im öffentlichen Raum zahlt“. Dagegen regte sich aber auch Widerstand. „Sobald ein Kind da ist, sind viele auf ein Auto angewiesen“, hieß es. Denn mit dem Auto sei man „viel mobiler“; außerdem sei Leipzigs Nahverkehr zu teuer und zu langsam. „Viele Bahnen fallen aus oder kommen zu spät – da nutzt mir das 365-Euro-Ticket auch nichts“, erklärte ein Berufstätiger. Statt das 365-Euro-Ticket einzuführen, sollte der Preis für ein Einfahrten-Ticket auf zwei Euro und für ein Kurzstrecken-Ticket auf ein Euro gesenkt werden, schlug ein anderer vor. Auch Fahrten ins Umland sollten billiger werden.

Dresden ist besser“

Auch DB-Manager Bretzger gab den Messestädtern einen Tipp – er empfahl nach Dresden zu schauen. „Die Dresdner haben über lange Zeit ein richtig gutes Nahverkehrssystem aufgebaut – jedenfalls im Vergleich zu Leipzig.“

Von Andreas Tappert

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