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Lokales Leipziger Online-Drogendealer „Shiny Flakes“ inspiriert Netflix-Serie
Leipzig Lokales Leipziger Online-Drogendealer „Shiny Flakes“ inspiriert Netflix-Serie
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20:38 28.05.2019
Gespannter Blick: Maximilian Mundt ist der Hauptdarsteller der neuen Serie „How to Sell Drugs Online (Fast)“ auf Netflix. Er mimt den Leipziger „Shiny Flakes“. Quelle: Fotos: Netlix
Leipzig

„Wenn man im Internet im großen Stil Drogen verkauft, sollte man eine Sache auf gar keinen Fall machen: wildfremden Leuten davon erzählen“, sind die ersten Worte, mit denen sich die Hauptfigur von „How to Sell Drugs Online (Fast)“ ans Publikum richtet. Und denen sie sogleich anfügt: „Außer natürlich, Netflix ruft an und sagt, sie wollen eine Serie über dein Leben machen.“ Eine Pointe, die unmittelbar deutlich macht: Das hier wird kein biederes Lehrstück über die Amoralität des Betäubungsmittelhandels, sondern ein äußerst humorvolles Stück TV-Unterhaltung. Und, so viel sei verraten, überdies ein ziemlich gutes.

Knapp eine Tonne Drogen verschickt

Ob der Streaming-Dienst Netflix tatsächlich Maximilian S. kontaktiert hatte, um sich über dessen Lebensgeschichte zu erkundigen, darf angezweifelt werden. Zwar habe – das verrieten die Produzenten kürzlich – der unter dem Pseudonym „Shiny Flakes“ bekannte Leipziger während seines Hafturlaubs tatsächlich das Drehteam besucht und ihm gezeigt, wie er einst in seinem Kinderzimmer in Gohlis die Drogen in Luftpolsterumschlägen verpackte, um sie anschließend per Post innerhalb Deutschlands, zuweilen aber auch in die ganze Welt, zu schicken.

Knapp eine Tonne DrogenEcstasy, Kokain, Meth, Haschisch und mehr – konnte er innerhalb von zwei Jahren in Umlauf bringen. Geschätzter Umsatz: vier Millionen Euro. „How to Sell Drugs Online (Fast)“ ist allerdings keine originalgetreue Nacherzählung von Shiny Flakes’ Geschichte. Stattdessen nimmt sich die Serie alle Freiheiten, die es braucht, um eine gute Geschichte zu erzählen.

Handlungsort in fiktive Kleinstadt verlegt

Der auffälligste Unterschied zwischen Realität und Serie: Der Handlungsort wurde von Leipzig in die fiktive Kleinstadt Rinseln verlegt. Auch ist Moritz Zimmermann (gespielt von Maximilian Mundt) kein Einzeltäter, sondern arbeitet eng mit seinem besten und einzigen Freund Lenny (Danilo Kamperidis) zusammen, der aufgrund einer Krankheit an den Rollstuhl gefesselt ist.

Und: Während Maximilian S. bei seiner alleinerziehenden Mutter lebte und von dort aus operierte, wohnt Moritz Z. im Hause seines Vaters, einem geistig eher simpel gestrickten Polizisten. Der inhaltliche Kern bleibt allerdings bestehen: Ein einzelgängerischer Computerfreak baut in seinem Kinderzimmer einen Online-Drogenhandel auf und verdient damit Millionen.

Motiv: Etwas Besonderes sein

Warum sich Maximilian S. 2013 zu diesem Schritt in die Illegalität entschloss, konnte seinerzeit auch vor Gericht nicht abschließend geklärt werden. Er habe bescheiden gelebt, ums Geld sei es dem heute 24-Jährigen nie gegangen, führte sein Verteidiger damals an. Sollte das stimmen, wäre das eine Eigenschaft, die er mit seiner Serien-Verkörperung Moritz teilt, dem es vor allem darum geht, etwas Besonderes zu sein.

Gleichwohl folgt seine Motivation der klassischen Logik eines Drehbuchs: Persönliche Probleme – Mobbing in der Schule und die Trennung von seiner Freundin – führen über mehrere Ecken dazu, dass er eine größere Menge Ecstasy von einem zwielichtigen Hinterwäldler-Dealer (fantastisch gespielt vom „Tatort-Reiniger“ Bjarne Mädel) erwirbt, mit der er seiner Ex imponieren will. Die hat während ihres Auslandsjahres in den USA nämlich Gefallen an der Partydroge gefunden.

Auch digitale Drogen spielen eine Rolle

Neben physischen Drogen spielen in „How to Sell Drugs Online (Fast)“ auch die digitalen – Instagram, Youtube, Facebook – eine maßgebliche Rolle. Die Sucht nach Aufmerksamkeit und sozialem Status wird zwar kritisch hinterfragt, aber nie komplett verurteilt und abgewertet. Für deutsche TV-Verhältnisse wird der moralische Kosmos der Jugend hier erstaunlich ambivalent verhandelt. Mit der Elterngeneration geht die Serie da schon härter ins Gericht.

Zugleich zeigt die Serie, dass die verantwortliche Produktionsfirma „bildundtonfabrik“ nicht nur bei Jan BöhmermannNeo Magazin Royale“ zu kreativen Höchstleistungen auffahren kann: Bunte Farben, schnelle Schnitte, mitreißende Musik und eine sehr einfallsreiche Inszenierung (direkte Ansprachen ans Publikum, unzählige Referenzen) dominieren das Geschehen auf dem Bildschirm. Und Humor hat das in Köln ansässige Team sowieso.

Folgt eine zweite Staffel?

Rund zwei Jahre lang lief das Online-Geschäft für „Shiny Flakes“ gut. Den Behörden ging der damals 20-Jährige schließlich ins Netz, weil er für den Versand stets die gleiche Packstation nutzte und bei der Frankierung der Umschläge kleinere Fehler machte. 2015 wurde er vom Leipziger Landgericht zu sieben Jahren Haft verurteilt. Moritz bleibt von diesem Schicksal in der ersten Staffel von „How to Sell Drugs Online (Fast)“ noch verschont. Die sechs Folgen enden mit der Eröffnung des Online-Shops und versprechen: „Ab da ging’s erst richtig los.“ Bleibt zu hoffen, dass bald eine zweite Staffel folgt.

„How to Sell Drugs Online (Fast)“ startet am 31. Mai auf Netflix. Die erste Staffel umfasst sechs Folgen von circa 30 Minuten Länge.

Von Christian Neffe

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