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Leipzig Lokales Leipziger Sozialunternehmen stärkt Helden von Morgen
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09:00 19.01.2018
Die Schüler (vorn von links) Shannen (13), Larissa (13), Colin (11), Juliane (11) und Lisa-Marie (13) von der Oberschule Markkleeberg besprühen Platten. Ihr Kursleiter Cornelius (hinten) kennt sich in der Graffiti-Szene aus. Für die Hero Society gibt er sein Wissen an die Jugendlichen weiter. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

„Alle haben gesagt, das Schallplattencover sieht gut aus“, erzählt Juliane stolz. Die Elfjährige ist seit einem halben Jahr im Graffiti-Kurs der Oberschule Markkleeberg. Zuletzt haben die fünf Schüler des Workshops Schallplatten-Cover entworfen und besprüht. Juliane will weiterhin Schriften und Hintergründe entwerfen: „Im Kunstunterricht sprühen wir nicht“, sagt die Sechstklässlerin. Der Graffiti-Kurs, den es bereits seit fünf Jahren an der Oberschule gibt, gestaltet hingegen jeden Sommer eine Wand auf dem Schulgelände neu.

Noch eine Besonderheit hat der Kurs: Das Wahlfach am Nachmittag unterrichtet kein herkömmlicher Lehrer – Cornelius, der in der Graffiti-Szene vernetzt ist und lieber Sense genannt wird, gibt den Schülern sein Wissen weiter. Ein befreundeter Rapper, Marcell Heinrich, fragte ihn, ob er Jugendlichen nicht Kurse geben wolle. Prompt sagte Cornelius zu. Marcell Heinrich ist Gründer des Sozialunternehmens Hero Society. Das Unternehmen veranstaltet dieses Schuljahr 34 ganz unterschiedliche Kurse für Jugendliche, 30 davon finden in Leipzig und der nahen Umgebung statt. Ziel der Workshops – neben Graffiti wird auch Programmieren, Rappen und Fotografieren angeboten – ist es, den Heranwachsenden ihre Talente zu zeigen und sie dadurch zu stärken. Der Kurs an der Oberschule Markkleeberg wird durch die Sächsische Aufbaubank finanziert. „Aber wir wollen nicht dauerhaft auf Förderungen angewiesen sein“, erklärt Michael Senf, ein Breakdancer, der lieber Mitch genannt wird. Gemeinsam mit Heinrich fasste er 2006 den Plan, Kindern und Jugendlichen die Hip-Hop-Kultur nahezubringen. 2007 gaben Senf und Heinrich die ersten Kurse an Leipziger Schulen, sie gründeten 2011 einen Verein, später dann ein gemeinnütziges Unternehmen. Die Leipziger versuchten, Jugendlichen zu vermitteln, dass jeder einzigartig und wertvoll ist.

Damit sich ihr soziales Projekt wirtschaftlich selbst trägt, finanzieren sie es quer. Zunächst, indem sie Graffiti- oder Breakdance-Events veranstalteten. Dann mit Seminaren: „Immer wieder haben Lehrer uns gefragt, warum Dennis in der letzten Reihe bei ihren Workshops so gut mitarbeitet, sich aber im Unterricht nicht beteiligt“, erzählt Senf. Daraufhin haben die Gründer Kurse für Lehrer angeboten, die von Lehrergesundheit und Kommunikation mit Jugendlichen handelten. „Wir wollen hier Impulse geben, dass die Kids in Schulen ihr Potenzial entfalten können“, sagt der 40-Jährige, der Sportwissenschaften studiert hat.

2013 bekam das Unternehmen den Förderpreis „Act for Impact“ der Vodafone Stiftung und der Social Entrepreneurship Akademie verliehen. „Die 40 000 Euro und das einjährige Coaching-Programm haben es uns ermöglicht, die Querfinanzierung noch weiter auszubauen“, erzählt Senf. Seit 2014 arbeitet die Hero Society mit Unternehmen zusammen. „Wir helfen den Firmen, Jugendliche anzusprechen. Teilweise bewirbt sich ja niemand mehr auf Ausbildungsplätze“, sagt Senf, der derzeit drei Unternehmen berät. Drei bis fünf Jahre dauere die umfassende Zusammenarbeit. Drei weitere Unternehmen kämen bald neu ins Programm, sagt der Breakdancer. Neben der Unternehmensberatung unterstützen die Gründer außerdem Jugendliche, den richtigen Beruf zu finden. „Hier sind wir noch im Start-up-Bereich“, sagt Senf. Seit vergangenem Jahr wird die Hero Society von der Drosos-Stiftung aus der Schweiz über drei Jahre mit insgesamt 650 000 Euro unterstützt.

Die verschiedenen Arbeitsfelder sichern die Kreativ-Kurse in Mitteldeutschen Schulen – das Kernanliegen des Sozialunternehmens. Dadurch sind die Kurse an jährlich etwa 80 Schulen in Sachsen und Sachsen-Anhalt möglich. Neben den langfristigen Angeboten finden Projekttage statt. Upcycling, Hula-Hoop und Videodrehen sollen die Talente der Jugendlichen stärken. „Im Schuljahr erreichen wir 5000 Kids direkt“, sagt Senf.

Die beiden Leipziger seien im Osten Pioniere des Sozialunternehmertums gewesen, sagt er. Zunächst hätten sie gar nicht gewusst, was Social Entrepreneurship eigentlich ist. „Wir sind ja im Osten groß geworden, da gab es sowas nicht“, so der Gründer. Weil es Sozialunternehmertum in Westdeutschland bereits länger gibt, seien sie eher außerhalb Leipzigs vernetzt. Erst seit etwa einem Jahr besteht ein Austausch mit dem Leipziger Social Impact Lab. Mit ihrem Idealismus haben die Gründer instinktiv ihr Unternehmen aufgebaut. Die Thesen von Hirnforscher Gerald Hüther haben ihren Ansatz dann theoretisch bestärkt. Der Wissenschaftler ist inzwischen Botschafter der Hero Society.

Die Idee der beiden Leipziger Gründer ging auf. Die Schulkurse sind ausgebucht, das Unternehmen zählt rund 30 Mitarbeiter. „Wir hatten Durststrecken, haben gezweifelt, ob wir das hinbekommen, gerade als wir Kinder bekamen“, sagt Senf, Vater dreier Jungen. Aber die Freunde sahen einen Sinn in dem, was sie taten. „Wir erkannten die Begabungen des jeweils anderen an“, sagt Senf. So bauten sie einen sehr wertschätzenden Umgang miteinander auf. Dadurch, dass die Gründer stetig am Ball geblieben sind, seien sie außerdem Experten auf ihrem Feld geworden, ist sich Senf sicher. Erst etwa fünf bis zehn Jahre nach der Gründung eines Unternehmens könne man den Erfolg seiner Meinung nach bewerten. „Es läuft gut“, sagt der Breakdancer.

Von Theresa Held

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