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Lokales Leipziger Staatsanwaltschaft hält Mord-Video geheim – platzt nun der Prozess?
Leipzig Lokales Leipziger Staatsanwaltschaft hält Mord-Video geheim – platzt nun der Prozess?
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19:01 27.06.2019
Hauptangeklagter Hüseyin D. mit seinen Verteidigern Curt-Matthias Engel (links) und Ines Kilian: Er soll laut Anklage den Mord in Auftrag gegeben haben. Quelle: André Kempner
Leipzig

Diese Nachricht platzte in den seit einem Jahr laufenden Mordprozess wie eine Bombe: Die Tötung des türkischen Geschäftsmanns Mehmet I. (42) im September 2014 in Leipzig-Eutritzsch soll per Handy gefilmt worden sein. Und: Die Staatsanwaltschaft weiß bereits seit November 2018 davon, hat die Information über das mutmaßliche Beweisvideo seither jedoch vor Gericht und Verteidigung geheim gehalten. Die Anwälte des Hauptangeklagten beantragten daher beim Verhandlungstermin am Donnerstagmorgen, „das Verfahren wegen schwerwiegender rechtswidriger Verfehlungen der Ermittlungsbehörden einzustellen“.

Opfer erwürgt und verscharrt

Rückblick: Seit Anfang Juni 2018 verhandelt die 3. Strafkammer des Landgerichts gegen Hüseyin D. (50). Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft soll der Deutsche türkischer Herkunft den Mord in Auftrag gegeben haben. Er veranlasste laut Anklage seine beiden Komplizen Ismail Ö. (24) und Hasan M. (47) aus Wut über Beleidigungen und Geldforderungen, den türkischen Geschäftspartner Mehmet I. (42) zu fesseln und mit Klebeband zu umwickeln. Ismail Ö., dessen Verfahren abgetrennt worden war, soll das Opfer schließlich erwürgt haben. Erst im November 2017 grub die Polizei die verscharrte Leiche auf einem Gewerbeareal an der Dessauer Straße in rund zwei Metern Tiefe aus – nach einem Hinweis von Hasan M., der sich seither als schwer bewachter Kronzeuge im Zeugenschutzprogramm des Landeskriminalamtes befindet.

Und Hasan M. sollte dem zähen Verfahren nun erneut eine überraschende Wende geben. Denn der wegen gemeinschaftlichen Totschlags mitangeklagte Bosnier behauptet, den Mord an Mehmet I. mit seinem Handy aus der Jackentasche heimlich gefilmt zu haben. „Das war meine Lebensversicherung“, sagte er vor Gericht. „Ich habe Angst um mein Leben.“ Das Mobiltelefon mit dem Video will er einem Freund gegeben haben, der als früherer bosnischer Armeeangehöriger nun in Afghanistan arbeite.

„Entlastungsbeweis schlechthin“

Am 14. November 2018, etwa fünf Monate nach Prozessauftakt, erfuhr davon die Staatsanwaltschaft. Doch sie behielt die brisante Info ein halbes Jahr lang für sich. „Ich bin berechtigt, Ermittlungen durchzuführen und vorläufig geheimzuhalten, um den Ermittlungserfolg nicht zu gefährden“, verteidigte sich Staatsanwalt Torsten Naumann. „Man hätte es für immer verschweigen können, wenn man es hätte verschweigen wollen.“

Wegen einer anstehenden Zeugenvernehmung, bei der auch die mögliche Existenz des Mordvideos hätte zur Sprache kommen können, warnte die Staatsanwaltschaft das Gericht per Fax vor: Am Dienstag um 11.34 Uhr sei er von der Staatsanwaltschaft um dringenden Rückruf gebeten worden, informierte der Vorsitzende Richter Norbert Göbel. Er habe „zwischen Tür und Angel“ davon erfahren, dass es Handy-Aufnahmen des Tatgeschehens geben soll. „Das ist ein Hammer, eine Bombe, die hier geplatzt ist“, so Göbel.

Für Ines Kilian und Curt-Matthias Engel, die Verteidiger von Hüseyin D., der seit November 2017 in Untersuchungshaft sitzt, lieferte die Verschwiegenheit der Anklagebehörde eine Steilvorlage. Sie verlangten, das Verfahren einzustellen oder zumindest auszusetzen. Und zwar so lange, „bis aufgeklärt wurde, welche weiteren Ermittlungserkenntnisse von den Ermittlungsbehörden weiterhin rechtswidrig zurückgehalten werden“. Zugleich forderten sie die Ablösung Naumanns als sachbearbeitenden Staatsanwalt.

Kronzeuge will Video besorgen

„Das Vorhandenseins eines solchen Videos ist für den Angeklagten von größter Bedeutung“, so Kilian. „So kann der Beweis geführt werden, dass er nicht an dem behaupteten Tatgeschehen beteiligt gewesen ist. Er also nicht bei einer Tötungshandlung anwesend war und auch keine solche veranlasst hat. Dieses Video dürfte der Entlastungsbeweis schlechthin sein.“ Gleichwohl seien keinerlei Schritte zur Sicherung des Beweismittels bekannt, obwohl der Verwahrer des Videos zu Weihnachten 2018 zurück nach Deutschland kommen sollte. Der Kronzeuge habe hingegen im Ermittlungsverfahren und während des Prozesses widersprüchliche Angaben gemacht. „Er ist unglaubwürdig“, befand Kilian.

„Ich kann dafür sorgen, dass das Video in kurzer Zeit hier ist“, versprach Hasan M., „dann können sie alles sehen.“ Bis 31. August soll er die Aufnahme besorgen, verfügte die Kammer. Über den Einstellungsantrag der Verteidigung wollten die Richter nach eigenen Angaben am Donnerstag nicht mehr entscheiden.

Von Frank Döring

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