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Lokales Leipziger Stadträte einig: Bei Einheitsdenkmal muss Bürgerschaft beteiligt werden
Leipzig Lokales Leipziger Stadträte einig: Bei Einheitsdenkmal muss Bürgerschaft beteiligt werden
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11:28 17.02.2017
Ein Gedenkstein erinnert an die 1943 im Krieg zerstörte Matthäikirche, deren Ruine 1948 abgebrochen wurde.  Quelle: André Kempner
Leipzig

 Es ist die letzte wertvolle städtische Fläche innerhalb des Promenadenringes: der Matthäikirchhof. Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) hat das Areal, das mittelfristig zwischen Matthäikirchhof, Goerdelerring und Großer Fleischergasse bebaut und umgestaltet wird, für einen „Campus der Demokratie“ ins Gespräch gebracht, dessen Kernstück ein Freiheits- und Einheitsdenkmal werden könnte. Das hat im Stadtrat durchaus unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. „Das sind interessante Ideenskizzen, über die wir diskutieren müssen“, sagt Axel Dyck, der langjährige frühere SPD-Fraktionschef. Er ist froh, dass das für Leipzig so wichtige Denkmal eine Chance erhält. Allerdings müsse man aufpassen, es nicht zu zerreden. „Es müsste sich ein aktiver Kern außerhalb der Stadtverwaltung bilden, der sich ernsthaft und sorgfältig um das Denkmal bemüht. Dieser Plattform können sich alle Interessierten anschließen“, schlägt er vor. Die Stiftung Friedliche Revolution hat sich bereits angeboten, eine aktive Rolle bei Konzeption und Realisierung des Denkmals zu übernehmen.

Auf dem Matthäikirchhopf hinter der Runden Ecke könnte der "Campus der Demokratie" entstehen Quelle: Grafik Patrick Moye

Dyck ist es wichtig, dass die Initiative aus der Bürgerschaft kommt. Das sieht auch Grünen-Fraktionschef Norman Volger so. „Das letzte Verfahren ist doch gescheitert, weil es intransparent war, gemauschelt wurde und der Oberbürgermeister Mist gebaut hat.“ Deshalb sei auch sein früherer Stadtratskollege Roland Quester aus dem Begleitgremium ausgeschieden. Quester, mittlerweile Referent in der Stadtverwaltung, hatte beanstandet, dass die Leipziger während der gesamten Vergabe nie eine Option zur echten Mitbestimmung hatten. Das müsse diesmal anders sein. „Burkhard Jung soll endlich aufhören, zu verbreiten, dass der erste Wettbewerb an mangelnder Standortakzeptanz gescheitert sei. Das erste Verfahren hat die Stadtverwaltung ganz allein vor den Baum gesetzt. Und es ist an mangelnder Akzeptanz für die Entwürfe gescheitert“, betont auch CDU-Fraktionschef Frank Tornau. Die CDU wirft Jung vor, seit 2014 keinen Handschlag bei dieser Angelegenheit getan zu haben. „Nachdem es nun in Berlin vorwärts geht, verfällt er in Aktionismus. Das ist diesem wichtigen Thema nicht angemessen.“ Bei einem neuerlichen Wettbewerb sollte aus Sicht der CDU ein gegenständliches Denkmal ausgeschrieben werden.

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Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) hat vorgeschlagen, auf dem Matthäikirchhof das Freiheits- und Einheitsdenkmal zu errichten.

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„Ich bin überrascht über den Zeitpunkt“, so Siegfried Schlegel (Linke). Er glaubt, dass damit im Wahlkampf nur von wichtigen Themen wie der Rente abgelenkt werden soll. „Wir bleiben dabei: Bevor wir was Neues anfangen, sollten wir die Bürger detailliert befragen.“ Ergebnisse der letzten Bürgerumfrage seien ohnehin nie veröffentlicht worden. Eine Großinszenierung hält Schlegel in Leipzig ohnehin für nicht notwendig. Hier gebe es die authentischen Orte der Friedlichen Revolution sowie eine Erinnerungskultur wie das Lichtfest. „Neben die Pyramiden in Ägypten muss ich auch keine neuen hinstellen. Dort gibt es die Originale.“ Schlegel erinnert ebenfalls daran, dass der Wettbewerb um das Denkmal in Leipzig gescheitert sei und sogar Gerichte beschäftigte. FDP-Stadtrat Sven Morlok geht ganz pragmatisch an das Thema: „Ich stamme aus den alten Bundesländern. Das sollen die Leute entscheiden, die damals um den Ring gegangen sind und ihr Leben riskiert haben.“

Tobias Keller (AfD) hält es für keine gute Idee, einen konkreten Ort für das Denkmal vorzugeben. „Der Matthäikirchhof ist genau so ungeeignet wie der Leuschnerplatz, da dort während der Friedlichen Revolution nichts stattgefunden hat.“ Prinzipiell findet er die Initiative für ein Denkmal aber gut. Ein Gremium müsste aber ergebnisoffen Vorschläge bündeln. Darin sollten Bürger und Vertreter der Parteien sitzen, die 1989 für Freiheit um den Ring gezogen sind sowie Leipziger Künstler, die diese Vorstellungen dann umsetzen.

Für den Matthäikirchhof gibt es keinen Bebauungsplan – nur Ideen. Die gingen von einer Schule bis hin zum Technischen Rathaus. Wobei die Verwaltungsspitze noch immer mit einer Konzernzentrale liebäugelt. Bei einer Debatte zur Entwicklung des Areals soll auch über die Zukunft von „Runder Ecke“, Schulmuseum sowie Stasiunterlagen-Außenstelle diskutiert werden.

Von Mathias Orbeck

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