Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Leipziger Uni-Kustos: Kanzel im Paulinum wäre Todesurteil – historische Fotos
Leipzig Lokales Leipziger Uni-Kustos: Kanzel im Paulinum wäre Todesurteil – historische Fotos
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:39 13.09.2019
Historische Aufnahme vom heutigen Augustusplatz mit der 1968 durch das DDR-Regime gesprengten Paulinerkirche (rechts). Die Kanzel soll im Nachfolgebau Platz finden – sagen viele Leipziger Bürger. Die Uni lehnt das ab: Das Raumklima sei zu trocken und gefährde das Kunstwerk. Quelle: Archiv
Leipzig

Dieser Streit ist wohl noch lange nicht beendet: Die Befürworter einer Installation der Kanzel aus der 1968 gesprengten Paulinerkirche im Paulinum wollen auch nach dem abschlägigen Votum im Senat weiter kämpfen. Der Kustos der Uni hält den Aufbau dort für unverantwortlich. Wie geht es weiter?

Historische Blicke auf einen Ort mit einer Kirche, die es nicht mehr gibt.

Das sagt die Kanzel-Lobby

Jost Brüggenwirth vom Initiativkreis „Wort halten“ blickt entspannt in die Zukunft: „Es mag heute einen Senat und eine wortbrüchige Universitätsleitung geben, die nicht das einzigartige Potenzial der Kanzelpräsentation für die Universität erkennt. Aber es ist so sicher wie das Wasser, das bergab fließt, dass die Kanzel in Zukunft dort hin zurückkommt, wo sie natürlich einzig und alleine hingehört – an ihren angestammten Ort! Vor allem auch als Denkmal des freien Wortes aus dunklen Zeiten überstandener Diktaturen!“ Der Initiativkreis fordert, das Thema erneut auf die Tagesordnung im Senat zu setzen, die Original-Kanzel probehalber in der Uni-Kirche aufzustellen, die Untersuchungen zum Raumklima fortzuführen. Die Stiftung „Universitätskirche St. Pauli“ und der Paulinerverein seien bereit, Folgekosten zu übernehmen.

Es war eine Anordnung des DDR-Regimes: Die Sprengung der Paulinerkirche am 30. Mai 1968.
Dieses Kanzel-Modell hing bis Mittwoch in der neuen Unikirche. Quelle: Jost Brüggenwirth

Der Paulinerverein protestiert: Der Senatsbeschluss sei „ein heftiger Schlag ins Gesicht all derer, die sich um Gerechtigkeit für die Universitätskirche St. Pauli einsetzten und einsetzen“ und stehe „im eklatanten Widerspruch“ zum Harms-Kompromiss, der den Einbau der aus der Paulinerkirche geretteten Teile in der neuen Unikirche vorsah. „Die Kanzel stand 230 Jahre in einem nicht klimatisierten Raum, ohne Schaden zu nehmen“, schreiben die Vize-Vorsitzenden Christian Jonas und Gerd Mucke. Es sei im 21. Jahrhundert möglich, „das Raumklima so zu regeln, dass Folgeschäden, falls diese überhaupt auftreten sollten, sich in Grenzen halten und jederzeit reparabel sind“. Mit der Ablehnung der Aufstellung im Paulinum würde dem Neubau der Universitätskirche das nach dem Altar zweitwichtigste Kunstwerk genommen, so der Verein. Der Harms-Kompromiss sei einzuhalten.

Das sagt der Kustos

Er habe schon während des Ringens um den Harms-Kompromiss 2008 angemahnt, dass eine künftige Aula klimatisiert werden müsse, wenn alle Kunstschätze darin untergebracht werden sollen, erinnert sich Uni-Kustos Rudolf Hiller von Gaertringen. Weder der Freistaat als Bauherr noch beispielsweise die Landeskirche seien bereit gewesen, das zu finanzieren. Momentan liegt das Kunstwerk unter konservatorisch optimalen Bedingungen in Einzelteilen in einem universitären Kunstdepot in der Leipziger Innenstadt. Der Kanzelkorb ist komplett restauriert. Von 2015 bis 2017 war er im Grassi-Museum ausgestellt. Der Kanzeldeckel ist gereinigt und zusammengefügt, aber noch nicht ausstellungsfertig. „Gänzlich unrestauriert sind bislang die Treppengewände“, erklärt Hiller. Die Treppe selbst ging 1968 verloren. Dafür und für ausstehende Restaurierungen kalkuliert der Kustos einen „höheren fünfstelligen Betrag, den wir so ohne Weiteres nicht aufbringen“.

Die historische Kanzel aus der alten Paulinerkirche. Quelle: Archiv

Schon bei einer vorübergehenden Unterbringung im nicht klimatisierten Teil der Aula rechnet er mit irreversiblen Schäden. Langfristig spricht er sogar von einem „Todesurteil“ für die Kanzel – was auch von einer neueren Studie des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik gestützt wird. Weniger als 40 Prozent Luftfeuchte werten die Experten des Forschungszentrums mit Sitz in Stuttgart, Holzkirchen und Nürnberg als „kritisch“ – unter anderem für Malschichten. Noch schädlicher als die Trockenheit seien große Schwankungen der relativen Luftfeuchte in einem Raum, so die Studie. Im Paulinum erbrachte, wie berichtet, ein Klima-Monitoring in zehn von zwölf Monaten in beiderlei Hinsicht bedenkliche Werte. „Das ist keine Meinung, sondern schlicht Physik“, so Hiller lapidar.

Das sagt die Rektorin

Zum einen aufgrund der konservatorischen Bedenken hält auch Uni-Rektorin Beate Schücking nichts von einem Kanzel-Aufbau im Paulinum. Darüber hinaus betont sie aber auch den Doppel-Charakter als Kirche und Aula: „Wir sind sehr glücklich mit der Dreifachnutzung in Gottesdiensten, akademischen Veranstaltungen und Konzerten“, betont sie. Die Uni-Rektorin appelliert an die „gegenseitige Rücksichtnahme der unterschiedlichen Nutzer“. Die Uni hat keine andere Aula, „und wir sind sehr dankbar für diesen großartigen Bau und die Chancen, die er uns gibt“. Die Kanzel würde diese Möglichkeiten jedoch einschränken: Als Anfang der Woche eine Attrappe in der Größe des Originals angebracht war, verschlechterte sich die Sicht nach Schätzungen der Uni auf mehr als einem Fünftel der Zuschauerplätze erheblich.

Für die Einlagerung der Paulinerkanzel im universitären Kunstdepot in der Leipziger Innenstadt mussten die vergoldeten Teile des Kanzelkorbes abgenommen werden. Die dunkle Form an der Vorderseite wird normalerweise vom vergoldeten Schild verdeckt. Das Foto zeigt die graue Marmorierung einer früheren Farbfassung. Am Schalldeckel links sieht man zudem einige konstruktiv notwendige, holzfarbene Ergänzungen, die später eingetönt werden. Die drei liegenden Elemente rechts sind die noch unrestaurierten Treppengewände, die ihrer Reinigung und Festigung harren. Quelle: Kustodie der Universität Leipzig/Rudolf Hiller von Gaertringen

Das sagen die Studenten

Kulturwissenschaftsstudent Jacob Preuß, Geschäftsführer des Studierendenrats (Stura), sagt, dass er die Entscheidung des Senats nicht nur wegen der konservatorischen Bedenken begrüße. „Wir Studierenden finden es auch gut, dass der Hauptsaal ein nicht-kirchlicher bleibt. Eine weitere Sakralisierung wäre unangemessen.“ Im Senat, der die Entscheidung gegen die Kanzel am Dienstag gefällt hat, sitzen neben Professoren und Uni-Mitarbeitern auch studentische Vertreter. Lukas Gliem, Referent für Hochschulpolitik im Stura, ist es wichtig, „an der räumlichen Trennung von sakralem Altarraum und Hauptraum“ festzuhalten. „Das einzig Gute an der Mehrzweckhalle Paulinum ist, dass über dem Altar nicht Gott, sondern die Fakultät für Mathematik und Informatik sitzt“, findet er.

Der Kanzelkorb: gerettet aus Universitätskirche St. Pauli, restauriert unter Leitung der Kustodie, temporär aufgestellt im Zimeliensaal des Museums für Musikinstrumente Quelle: Kustodie der Universität Leipzig/Marion Wenzel

Von Mathias Wöbking und Björn Meine

In der Leipziger Ostvorstadt, wo es in den letzten Jahrzehnten fast nur noch Brachflächen gab, entsteht zurzeit ein neues Wohnhaus nach dem anderen. An der Nordseite der Rosa-Luxemburg-Straße wird gerade das nächste Großprojekt für 110 Millionen Euro geplant.

13.09.2019

Die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen und Ex-Interims-Stadtverbandschefin, Katharina Kleinschmidt, hat ihr Amt aufgegeben. Begründung: Feindseligkeit und Ausgrenzung innerhalb der Partei.

12.09.2019
Mitteldeutschland Vor Millionen auf Leipziger Bühne „Miss Goldene Henne“ aus Oldenburg

Stars, Glamour, Emotionen: Am nächsten Freitag werden in Leipzig wieder die „Goldenen Hennen“ verliehen. 4500 Zuschauer auf dem Neuen Messegelände und Millionen TV-Zuschauer sind live dabei. Die erste Entscheidung ist schon gefallen. Als „Miss Goldene Henne 2019“ wird eine Niedersächsin auf der Bühne mitwirken.

13.09.2019