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16:55 12.12.2017
Marcell Heinrich (rechts), Gründer der Hero Society, gibt einer Schulklasse einen Rap-Workshop.
Marcell Heinrich (rechts), Gründer der Hero Society, gibt einer Schulklasse einen Rap-Workshop. Quelle: Hero Society
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Leipzig

„Wir wollen mit Schulhymnen und Rap in Jugendlichen eine Energie wecken“, sagt Marcell Heinrich, Geschäftsführer der Leipziger Hero Society. Der Ansatz scheint simpel: Hip-Hop-Kultur und kreative Projekte sollen Jugendlichen Selbstverantwortung vermitteln. Dadurch lernten sie sich besser kennen. „Ein Hero ist jemand, der sein Leben selbst verantwortet“, sagt Heinrich. Die Jugendlichen sollten eine Gesellschaft erschaffen, in der sie gerne leben würden. „Jeder hat seine Talente“, betont der 37-jährige Sozialunternehmer.

Diese sollen in Kursen entdeckt und betont werden. Stiftungsgelder, Zuschüsse der Kultusministerien und Einnahmen von Workshops mit Unternehmen finanzieren die Arbeit der Hero Society mit Schulklassen.

Sozialunternehmer rapte den Song „Klein Paris“

Marcell Heinrich hat sich Ende der 90er Jahre einen Namen als Rapper und Sprüher in Leipzig gemacht. 2010 sang er den Song „Klein Paris“, eine Hymne auf die Messestadt, die auf Youtube beinahe 12.000 Aufrufe hat. Neben seiner eigenen Musik gab Heinrich Leipziger Jugendlichen immer Workshops im Rappen. Daran fand er Gefallen und machte die Motivation Heranwachsender mehr und mehr zu seinem Beruf: Seit elf Jahren leitet er das Unternehmen Hero Society gemeinsam mit Michael Senf, einem Leipziger Breakdancer.

Mittlerweile bieten die etwa 30 Mitarbeiter der Hero Society neben Hip-Hop- und Graffiti-Kursen auch Workshops zu Programmieren, Artistik, Modedesign, Video-Clips, Frisbee und Fotografie an. In etwa 140 Schulen und Jugendclubs in Mitteldeutschland seien die Helden-Macher regelmäßig im Einsatz, sagt Heinrich.

Schulworkshops in Vorweihnachtszeit stark nachgefragt

Derzeit liefen besonders in Könnern, Delitzsch und Röblingen viele Graffiti-Kurse und Projekte, die das Klassenklima stärken sollen. In der Zeit vor Weihnachten seien die Schul-Workshops sehr stark nachgefragt, sagt Heinrich. „Gerade laufen dreimal so viele Projekte wie im Vorjahr.“ In 20 Leipziger Schulen und Jugendeinrichtungen bieten die Sozialarbeiter derzeit eine bunte Mischung von Projekten an. Besonders die Artistik- und Hula-Hoop-Kurse seien beliebt.

Aber nicht nur Schüler sollen selbstbewusst durchs Leben gehen. Die Workshops der Hero Society richten sich seit etwa zwei Jahren auch an Auszubildende und Unternehmen.

Hero Society will Jugendlichen bei Berufswahl helfen

„Ich selbst habe eine unpassende Ausbildung begonnen“, erzählt Heinrich, der seine Lehre zum Schilder- und Lichtreklame-Hersteller abgebrochen hat. Die Hero Society will mit ihren Angeboten Jugendlichen helfen, den Job zu finden, der zu ihnen passt. Ab kommendem Jahr soll das verstärkt werden: Persönliche Workshops zur Berufsorientierung sollen Jugendliche bei der Jobwahl unterstützen. Das solle verhindern, dass Teenager ihre Ausbildung abbrechen. Auch orientierungslosen Studenten stehen die Heldenmacher bei.

Außerdem profitieren Unternehmen von den Erfahrungen der Hero Society: Zum einen habe Heinrich Jugendliche aus Kursen in Stellen vermittelt, zum anderen erkläre er Personalern, wie sie sich für Teenager attraktiv präsentierten. Diese Arbeit als Unternehmensberatung finanziere die Angebote für Schulen quer.

Messinstrument soll Wirkung sozialer Projekte zeigen

Seit diesem Jahr wird die Hero Society von der Drosos-Stiftung aus der Schweiz über drei Jahre mit insgesamt 650.000 Euro unterstützt. Mit dem Geld wurden neue Autos gekauft und neue Stellen geschaffen. Gemeinsam mit der Stiftung und dem Deutschen Jugendinstitut arbeitet die Leipziger Hero Society derzeit an einem Messinstrument. Es soll darstellen, welche soziale Wirkung ein Workshop auf Jugendliche hat. Damit soll gezeigt werden, wie sinnvoll die Arbeit der Heldenmacher ist.

Heinrich ist von der Sinnhaftigkeit überzeugt. Seine Mitarbeiter stärkten mit ihrer Arbeit die Persönlichkeiten der Jugendlichen. „Außerdem bin ich mir sicher, dass wir das Bildungssystem mit unserer Arbeit mit gestalten“, sagt der Sozialunternehmer. Es sei stark auf Fremdbewertung ausgelegt. Das führe zu einer Konformität, welche das Selbstvertrauen der Kinder breche, kritisiert er.

Marcell Heinrich hat inzwischen nichts mehr mit der Rap-Szene zu tun. Als Marcell „Doppel L“ Heinrich veröffentlicht er hin und wieder Lieder, die vom Aufwachsen Jugendlicher und Bildung handeln. Seine elfjährige Tochter unterstützt ihn beim Schreiben der Texte.

Von Theresa Held

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