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Lokales Leipziger Verein „Lauter Leise“ sucht Unterstützer
Leipzig Lokales Leipziger Verein „Lauter Leise“ sucht Unterstützer
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09:01 04.02.2020
Auf der Suche nach Unterstützern für den Verein „Lauter Leise“: Autorin Anna Kaleri. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Der Leipziger Verein „Lauter Leise“, 2018 mit dem Sächsischen Förderpreis für Demokratie ausgezeichnet, will durch Mittel der Kunst in der Bevölkerung Fähigkeiten stärken, die eine plurale Demokratie ausmachen: Empathie, Offenheit und eigenständiges Denken. Über die Aktivitäten, aber auch aktuelle Schwierigkeiten spricht die Vorsitzende Anna Kaleri (46) im Interview.

Sie setzen auf gedämpfte Lautstärke, die Gesellschaft springt aber eher auf Effekte an. Wie kann Zurückhaltung das geeignete Mittel sein, um auf sich aufmerksam zu machen?

Kürzlich habe ich erlebt, wie in einem Geschäft ein Mann eine ältere Dame als Vollpfosten bezeichnete, nur weil ihm ihr Einkaufswagen im Weg stand. Die Umstehenden haben nicht reagiert. Eine Situation, die ich symptomatisch für den Zustand unserer Gesellschaft halte: auf der einen Seite Verrohung, auf der anderen fehlende Zivilcourage. Im Netz ist das noch schlimmer. Wir sind an einem Punkt angelangt, über Deeskalationsstrategien nachzudenken und auch über die Art und Weise, wie wir Kritik äußern. Denn wenn es ums Rechthaben geht, verfestigen sich konträre Positionen. Künstlerische Aktionen öffnen einen Raum, fernab von Schwarz-Weiß-Bewertungen.

Der Verein entstand im Herbst 2016. Was hat den Anstoß gegeben?

2015 und 2016 gab es Brandanschläge auf Unterkünfte für Geflüchtete und die Ausschreitungen in Clausnitz. Um dem etwas entgegenzusetzen, entstand die Initiative „Literatur statt Brandsätze“. An 30 Orten in Sachsen lasen Autorinnen und Autoren ehrenamtlich aus ihren Werken. Es ging uns um Impulse für gelingenden Dialog. Im Oktober 2016 gründeten wir den Verein „Lauter Leise – Kunst und Demokratie in Sachsen“, um die Arbeit breiter aufzustellen und auch Bevölkerung zu erreichen, die keine Lesungen besucht. Seitdem realisieren wir Projekte an der Nahtstelle zwischen kultureller und demokratischer Bildung, organisieren interkulturelle Musikworkshops, Lesungen, Diskussionen, Kunstaktionen oder eine Sommertour mit niederschwelligen Mitmachaktionen durch Sachsen.

Sie zeigen nicht über Leipzig hinaus Präsenz. Welche Erfahrungen haben Sie im ländlichen Raum gesammelt?

In sogenannten kulturentwöhnten Gegenden reagieren manche Bewohnerinnen und Bewohner irritiert, wenn beispielsweise plötzlich auf der Straße getanzt oder Theater gespielt wird. Die Erfahrungen sind aber von Ort zu Ort verschieden. Einmal sind uns Leute nachgereist, die noch mal dabei sein wollten.

Inwiefern hat sich der Ton seit 2016 verändert?

Wir als Verein sind ein kleines Puzzleteil des gesellschaftlichen Engagements in Sachsen. Ich denke, das Wissen darum, was in Sachsen im Argen liegt, hat zugenommen, ebenso die Solidarität von Initiativen untereinander und auch aus den alten Bundesländern. Die Stigmatisierung, die es eine Zeit gab, war wirklich kontraproduktiv. Die Demokratisierung in den Institutionen holt auf. Manchmal bin ich guter Dinge, und manchmal wirken Nachrichten entmutigend.

Gibt es einen gefährlichen Gewöhnungseffekt, was den Widerstand gegen Rechts betrifft?

Erst einmal ist es ein Lernprozess, nicht über jedes Stöckchen zu springen, das einem Populisten hinhalten. Querulanten bekommen zu viel Aufmerksamkeit, auch von den Medien. Weiten Teilen der Bevölkerung ist nicht klar, dass unsere Demokratie auf dem Spiel steht. Wir riskieren einen zweiten Faschismus. Während in der Dresdner Altstadt montags Pediga marschiert, machen die „Bunten“ in der Neustadt Yogakurse, statt auf der Straße klare Haltung zu zeigen. In Leipzig ist die Zivilgesellschaft wacher.

Gibt es durch so etwas Ermüdungserscheinungen im Verein?

Tatsächlich sind wir momentan ziemlich ausgepowert. Wir sind sechs Ehrenamtliche, das Ringen um Projektförderungen kostet Energie. Deshalb suchen wir dringend Unterstützung und vor allem Förderer. Übrigens: Unter allen, die bis 15. Februar Fördermitglied werden, verlosen wir drei Wohnzimmerlesungen mit Tina Pruschmann, Roman Israel oder mir.

Man spricht gerade in Leipzig vor allem über Extremismus von links. Überschattet das die Gefahr von rechts?

Bengalos, brennende Fahrzeuge und eingeschlagene Scheiben einer Bank erzeugen erschütternde Bilder und sind nicht duldbar. Einschüchterung und Gewalt von rechts, Todeslisten und Morde zu unterschätzen, hätte katastrophale Folgen für uns alle.

Was hat Sie in Ihrer Arbeit besonders froh gemacht?

Mit unserem Projekt „Arrive“ haben wir an Schulen gastiert. Dabei schrieben Jugendliche für einen Literaturwettbewerb eigene Texte zu Ankommenserfahrungen. Es entstanden berührende Texte, die die Schülerinnen und Schüler zum Abschluss vortrugen. Das sind Momente, in denen ich spüre, dass sich die Arbeit lohnt.

Von Mark Daniel

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