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Lokales Leipziger Verein "Nächstenliebe" unterstützt Bedürftige in Osteuropa
Leipzig Lokales Leipziger Verein "Nächstenliebe" unterstützt Bedürftige in Osteuropa
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10:25 16.03.2019
Johanna Thiele (3.v.r.), Gründerin des Vereins Nächstenliebe, umringt von ihren Strickclub-Mitgliedern. Ihr Mann Manfred (stehend) und ihr Sohn Dirk (3.v.l.) greifen ihr bei der Vereinsarbeit unter die Arme, auch ohne Wolle und Nadel. Quelle: André Kempner
Leipzig

„Ein Brettspiel kriegen wir noch in diese Kiste, dann ist sie voll“, sagt Johanna Thiele zu ihrem Sohn Dirk, inmitten von Kartons, Kisten und Säcken voller Sachspenden. Resolut verschließt die 78-Jährige den Pappbehälter und wuchtet ihn zu anderen bereits verpackten. Sie ist Mitgründerin und Vorsitzende des Hilfsvereins Nächstenliebe, der in direkter Nähe zum Hauptbahnhof seine Räumlichkeiten, das Begegnungszentrum, hat. Alle zwei Wochen am Freitag richtet Thiele einen Strick-Club aus, dem sich alle Strickbegeisterten anschließen können, um Wärmendes aus Wolle für Kinder in Osteureopa zu fertigen. Wer sich nicht aufs Stricken versteht, aber trotzdem helfen will, der kann dem Verein auch Sachspenden zukommen lassen.

Hier finden Leute ein Zuhause

Der Tanz der Nadeln steht freitags aber nicht im Vordergrund. „Hier beim Verein finden Leute ein Zuhause“, sagt Dorothea Matthey, die sich seit zehn Jahren ehrenamtlich engagiert. Ihre Augen leuchten, wenn sie von Johanna Thiele spricht. „Was diese Frau hier leistet, das kann man nicht genug loben“, betont sie. Denn der Strick-Club nimmt nur einen kleinen Teil von Thieles Zeit ein. „Die Leute kommen zu mir, wenn sie in Not sind. Und da kann es schon vorkommen, dass mitten in der Nacht jemand klingelt, der Hilfe braucht“, sagt die Rentnerin schlicht. In ihrem Viertel um den Torgauer Platz herum kennen die Leute Thiele und ihren Verein und zögern nicht, sie bei prekären Situationen zu kontaktieren. „Solange ich lebe, will ich mich ehrenamtlich engagieren“, sagt die zierliche Dame – und das mit einer Nachdrücklichkeit, die keinen Zweifel zulässt. Ihr Sohn, gelernter Mediengestalter, kümmert sich um die komplette Verwaltung des Vereins, finanziell und räumlich.

LVZ-Annonce gab den Startschuss

2002 gab eine Annonce in der LVZ den Startschuss, in der Thiele nach Schals suchen ließ, die für Kinder in Osteuropa bestimmt waren. Damals galt ihr Engagement noch einem kirchlichen Verein in Wismar. Als sie und weitere Engagierte selbst nach Albanien fuhren, um sich über die Situation zu informieren, stellte Thiele fest, dass auch Pullover, Mützen und Socken fehlten, um Bedürftige warmzuhalten. 2006 erfolgte die Gründung des Vereins Nächstenliebe. Partner ist der Verein Campus für Christus, der sich an den Transportkosten der Sachspenden beteiligt.

Sachspenden helfen in Osteuropa

Neben den Strickerzeugnissen wandern auch viele nützliche Sachspenden von Leipzigern in die Ukraine, nach Lettland, Armenien und Tadschikistan. Beim Besuch in Albanien 2002 konnten Thiele und ihre Helfer beispielsweise 60 Tafeln für dortige Schulen mitbringen.

Der Verein kommt zwar mit Mitgliedsbeiträgen und privaten Spenden über die Runden, aber Unterstützung und Hilfe werden dringend gebraucht. „Junge Menschen vom Bundesfreiwilligendienst wären eine große Bereicherung in unserem Verein, auch um den Altersdurchschnitt zu senken“, sagt Thiele.

Neben der einnehmenden Vereinsarbeit bleibt nicht viel übrig, womit sich Thiele ihre Zeit vertreibt. Sie kümmert sich um ihren gesundheitlich angeschlagenen Mann Manfred – im Herbst feiern die beiden Goldene Hochzeit. Und sie hat ein Meerschweinchen: zwei Jahre alt und ihr ganzer Stolz. „Das, was ich mache, mache ich mit dem Herzen“, sagt sie und blickt in ihre Strick-Runde. Und das sieht man auch.

Kontakt: Telefon 0341/6886319

Von Katharina Stork

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