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Lokales Leipziger Wissenschaftspreis für Evamarie Hey-Hawkins und Frank-Dieter Kopinke
Leipzig Lokales Leipziger Wissenschaftspreis für Evamarie Hey-Hawkins und Frank-Dieter Kopinke
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16:38 12.04.2019
Festakt im Alten Rathaus: Hans Wiesmeth, Erich Schröger, Evamarie Hey-Hawkins, Frank-Dieter Kopinke und Burkhard Jung (von links). Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Die eine baut gern, wie sie sagt. Der andere begreift sich momentan als Zerstörer, bekennt er. Beide sind Chemiker. Und beide haben am Freitag im Alten Rathaus den Leipziger Wissenschaftspreis erhalten: Evamarie Hey-Hawkins, Professorin für Anorganische Chemie an der Universität Leipzig, und Frank-Dieter Kopinke, Leiter des Departments „Technische Umweltchemie“ am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und Honorarprofessor an der Uni Leipzig.

„Zwei Forscherpersönlichkeiten mit interdisziplinärem Anspruch und von internationalem Renommee“, lobte Oberbürgermeister Burkhard Jung die Preisträger. „Zwei Naturwissenschaftler mit gesellschaftlichem Problemwissen“, die in ihrer Forschung auch stets „einen praktischen Nutzen“ reflektierten. Die sich für den wissenschaftlichen Nachwuchs einsetzen und „mit ihren Lebensleitungen unserer Stadt zur Ehre gereichen“.

„Wir spielen gern mit Bausteinen“, beschreibt Hey-Hawkins ihren Beruf. Die Klötze sind allerdings molekular klein. Mit ihren Kollegen hat die 61-Jährige zum Beispiel eine borhaltige Verbindung gebaut, die zielgerichtet Tumorzellen angreifen kann. „Bor-Neutronen-Einfangtherapie“ heißt die Methode. Um kein gesundes Gewebe zu schädigen, soll der anorganische Baustein seine giftige Wirkung erst entfalten, nachdem er ins Krebsgeschwür eingedrungen ist. Ein Thermisches Neutron löst die entsprechende chemische Reaktion aus.

Botschafterin von Leipzig auf der Welt

Nur eine von „zahlreichen bahnbrechenden Arbeiten“, die sie neben ihrer „Liebe zur Nachwuchsförderung“ und ihrer offenen Art zu einer „Botschafterin von Leipzig auf der ganzen Welt“ mache, würdigte Annette Beck-Sickinger, Preisträgerin 2016, in ihrer Laudatio die Kollegin. Hey-Hawkins erklärte, warum sie trotzdem auch gern zu Hause ist: 1993 sei sie zunächst für zehn Jahre nach Leipzig gekommen, „aber die Stadt und die Uni haben mich eingefangen“.

Co-Preisträger Kopinke ist vor 67 Jahren in Leipzig geboren, arbeitete hier an der Akademie der Wissenschaften der DDR und gehörte 1992 zu den ersten Forschern des neu gegründeten UFZ. Neben der fachlichen Kompetenz, so lobte ihn dessen heutiger wissenschaftlicher Geschäftsführer Georg Teutsch in der Laudatio, zeichne Kopinke seine Haltung aus: „Er passt stets auf, dass alles nach strengen wissenschaftlichen Kriterien abläuft.“

Botschafter der Glaubwürdigkeit

Glaubwürdigkeit sei für ihn in der Tat ein hohes Gut, stimmte Kopinke zu. Vielleicht verschreibt er sich auch deshalb der Aufgabe, „dass wir Chemiker wieder wegräumen, was wir angerichtet haben“. Mit seinem Team hat er am UFZ eine „Chemie gegen Chemikalien“ entwickelt. Mikroreaktoren, die in kontaminiertem Grundwasser chemische Reaktionen auslösen und so Schadstoffe zerstören.

Die Aufgabe, unter den sechs nominierten Wissenschaftlern zu wählen, hätten die neun Juroren diesmal nur gelöst, „indem wir jetzt zwei von ihnen ehren“, so Hans Wiesmeth, Präsident der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig (SAW), die den mit insgesamt 10 000 Euro dotierten Preis seit 2001 alle zwei bis drei Jahre mit der Stadt Leipzig und der Uni Leipzig vergibt. „Mehr als 50 000 Menschen arbeiten in Leipzig in der Wissenschaft“, stellte Uniprorektor Erich Schröger fest. Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. „Aber andersrum zieht nur eine so lebendige Stadt gute Forscher an“.

Am Abend betraf das am Freitag bei der SAW-Frühjahrssitzung mit Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sechs weitere Wissenschaftler, die in die Akademie aufgenommen wurden, und noch zwei Preisträger: Sanskrit-Experte Sheldon Pollock und Turkologe Jens Wilkens erhielten den Friedrich-Weller-Preis.

Von Mathias Wöbking

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