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Lokales Weltweit einmalig: Vollnarkose für Elefant in Leipziger Zoo
Leipzig Lokales Weltweit einmalig: Vollnarkose für Elefant in Leipziger Zoo
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16:46 25.01.2019
Elefantenkuh Thura wird in Narkose untersucht, zusammen mit Experten des Instituts für Zoo- und Wildtierforschung. Quelle: Zoo Leipzig
Leipzig

127 Narkosen, 67 Impfungen, 320 Behandlungen gegen Parasiten, insgesamt 466 Patienten – so sieht der Rückblick des Leipziger Zootierarztes Andreas Bernhard auf das Jahr 2018 aus. Bei einem Vortrag vorm Freundes- und Förderverein Zoo blätterte der Doktor noch einmal in seinen Krankenakten und stellte spektakuläre Fälle vor.

Schwangerschaftsabbruch bei Dickhäuter

Als bei Elefantendame Thura Anfang 2018 alle Hormonwerte auf „Schwangerschaft“ deuteten, machte sich im Zoo keine Freude breit, sondern Entsetzen: Das bedeutete Lebensgefahr für die heute 44-Jährige. Denn sie trug seit einer unterbrochenen Geburt in der Silvesternacht 2015/16 ein abgestorbenes Kalb im Leib, das den Geburtsweg blockiert hätte. Mit Experten des Instituts für Zoo- und Wildtierforschung wurde entschieden, die Trächtigkeit zu beenden, um Thuras Leben zu retten. Dafür musste die Dickhäuterdame in Narkose. Schwierigkeit: Sie musste auf der linken Seite zum Liegen kommen, sonst hätte sie nicht atmen können. Und: Der Eingriff durfte nicht länger als zwei Stunden dauern. „Das hat noch nie jemand gemacht, wir haben keine Literatur gefunden“, so Zootierarzt Andreas Bernhard. Letztlich musste der Eingriff sogar ein zweites Mal angesetzt werden, weil die Technik nicht reichte. Der Fötus wurde mit einer Lösung zum Absterben gebracht. Thura überstand alles gut. Inzwischen scheidet sie nach und nach auch das versteinerte Kalb aus.

Kleine Wehwehchen, aber auch richtig schwere Krankheiten hatte der Leipziger Zootierarzt Doktor Andreas Bernhard 2018 zu behandeln.

Stockende Giraffen-Geburt

Bei Giraffe Ashanti sollte im August erneut ein Jungtier kommen. Doch schon ihr letztes Kalb kam nur mit ärztlicher Hilfe und als Totgeburt auf die Welt. Auch diesmal stockte die Geburt. Nur die Vorderbeine des Jungtieres schafften es. Schließlich musste die Giraffendame sediert werden, damit das Kalb von den Veterinären herausgezogen werden konnte – da war das voll entwickelte weibliche Jungtier bereits tot. Da Kopf und Brust feststeckten, konnte es während der Geburt nicht mehr atmen. Ashanti soll nun nicht mehr zur Zucht zugelassen werden.

Blutige Raufereien

Wie es sich anfühlt, wenn man von einem Stachelschwein gestochen wird – das erfuhr Stachelschwein Pinky am eigenen Leib. Mit seinem älteren Mitbewohner Brain focht er ständig Revierstreitigkeiten aus. Dabei erlitt Pinky Verletzungen, die vom Doktor versorgt werden mussten. Unter Narkose wurde er von den Stacheln befreit, die sich in seinem Körper eingebohrt hatten.

Kein leichtes Leben hatte einer der Pampashasen auf der neuen Südamerika-Anlage. Das Tier mit der Bezeichnung „Großes Mara M 10937“ wurde von seinen Artgenossen derart gemobbt und blutig gebissen, dass es von ihnen getrennt werden musste. Mittlerweile wurde der Unglücksrabe abgegeben.

Unter den Attacken ihres Partners hatte Zwergplumplori Mercedes zu leiden. Er fügte ihr mehrere Bissverletzungen zu. Das setzte ihr so zu, dass sie sogar ihr Lieblingsfutter verschmähte. Schließlich konnte sich das Tier nicht mehr bewegen. Wie sich herausstellte, hatte es Frakturen an beiden Armen und beiden Oberschenkeln. „Außerdem stellten wir die Verkalkung aller inneren Organe fest. Die Entgleisung des Knochenstoffwechsels führte letztlich zum Tod des Tieres“, so Doktor Bernhard.

Euforio mit Mundgeruch

Übler Maulgeruch bei Zwergflusspferd Euforio war seinen Pflegern aufgefallen. Um der Sache auf den Grund zu gehen, musste der damals Achtjährige in Narkose. Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass eine Fehlstellung der Zähne vorlag. Normalerweise schleifen sich die oberen und unteren Eckzähne gegenseitig ab. Bei Euforio war der Eckzahn unten links jedoch V-förmig aufgesplittert worden. Die spitzen Kanten hatten in das obere Zahnfleisch gepiekst und eine Entzündung verursacht. Da half nichts – die scharfen Ecken wurden abgeschliffen.

Drollige fünf Minuten bei Kugelgürteltier

Mit einem eigentümlichen Verhalten wurde Kugelgürteltier Jojo dem Tierarzt vorgestellt: Das körperlich normal entwickelte Tier legt sich von Zeit zu Zeit auf die Seite und strampelt mehrere Minuten im Kreis herum. Dann schüttelt es sich und läuft normal weiter. „Wir dachten an eine Abflussstörung, durch die Druck auf das Gehirn aufgebaut wird“, so der Veterinärmediziner. Der Patient wurde in der Uni-Tierklinik durchs MRT geschickt – eine Erklärung für seine „drolligen fünf Minuten“ wurde nicht gefunden.

Von Kerstin Decker

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