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Lokales Leipziger steigen in die Tiefen der Kanalisation hinab
Leipzig Lokales Leipziger steigen in die Tiefen der Kanalisation hinab
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08:31 02.09.2019
Besucher blicken von der Plattform auf den Faultürmen über das Gelände des Klärwerks Rosental. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Tief hinab und hoch hinaus ging es am Sonnabend für Besucher im Klärwerk Rosental. Die Leipziger Wasserwerke hatten zum Tag der offenen Tür geladen und 900 Interessierte nahmen Leipzigs größte Kläranlage in Augenschein. Bereits seit 125 Jahren wird dort das städtische Schmutzwasser gereinigt. Dessen Weg, von den letzten Metern in der Kanalisation bis zu den 34 Meter hohen Faultürmen, konnte man Schritt für Schritt verfolgen.

Interessierte Besucher konnten in einen Abwasserkanal einsteigen. Quelle: Dirk Knofe

Rund 50 Meter außerhalb des Klärwerkgeländes steht eine Besuchergruppe in voller Montur vor dem Kanaleinstieg im Wald: Helm, heller Schutzanzug,Wathosen mit festgeschweißten Gummistiefeln. Gleich soll es vier Meter tief hinab gehen. Von oben ist nur eine graue Flüssigkeit zu erkennen. „Vorsicht, das Steigeisen ist glatt“, mahnt ein Klärwerk-Mitarbeiter zu langsamem Klettern in den 60 Zentimeter Durchmesser großen Einstieg. Mit einem Seil sind die Besucher zusätzlich gesichert.

In den beiden Faultürmen wird ein Großteil der Energie, die das Klärwerk braucht, selbst produziert. Quelle: Dirk Knofe

Eine gute halbe Stunde später klettern sie aus einem Kanaleinstieg im Klärwerksgelände wieder hinaus. „Es ist beeindruckend“, sagen Steffi und Walter Sonntag. „Aber man muss sich erstmal trauen reinzuklettern. Die Kanalisation ist ja nur zwei Meter hoch. Im ersten Moment nimmt man den Schwefelwasserstoff-Geruch wahr; quasi wie von faulen Eiern. Aber nach einer Weile spürt man das gar nicht mehr; zu spannend ist es dort unten“, so die Markkleeberger. „Das Abwasser stand bis knapp unters Knie. Aber wir hatten ja alle dichte Wathosen an. Wir haben die Feuchttücher und Hygieneartikel gesehen, die achtlos ins Klo geworfen werden. Wie mühevoll, dass alles entsorgt werden muss. Die Leute sollten sich mehr Gedanken machen“, findet Familie Sonntag.

Ein Gohliser möchte wissen: „Stimmt es, dass bei starkem Regen Abwasser ungeklärt in die Flüsse fließt?“ „Es ist verdünntes Mischwasser und kein ungeklärtes Abwasser“, erklärt Katja Gläß. „Fällt Starkregen, gibt es im knapp 3000 Kilometer langen Kanalsystem unter Leipzigs Straßen 90 Mischwasser-Auslässe. Sie liegen an Gräben oder Fließgewässern. Gebe es diese Auslässe nicht, würde sich das Wasser anderweitig Wege suchen. Straßen, Keller, Häuser könnten volllaufen. Für Wassermassen, wie sie in kürzester Zeit bei einem extremen Regen anfallen, ist keine Kanalisation weltweit ausgelegt. Dafür müsste man riesige Kanäle in der Erde verbauen, was wirtschaftlich und für den Betrieb nicht sinnvoll ist“, so die Pressesprecherin der Leipziger Wasserwerke und Sportbäder. „Das Problem mit möglichen Verschmutzungen in den Flüssen müsste es gar nicht geben. Doch manche benutzen immer wieder die Toilette als Mülleimer. Essenreste oder Hygieneartikel landen im Klo. Dabei können Feuchttücher verklumpen und die Leitungen und Abwasserpumpen verstopfen. Durchschnittlich 50 Havarien an Abwasserpumpen zählen die Klärwerk-Mitarbeiter jeden Monat. Pro Reparatur laufen im Normalfall Kosten in Höhe von etwa 500 Euro auf – das macht im Jahr einen sechsstelligen Betrag aus. Der damit verbundene zusätzliche Arbeitsaufwand betrifft also am Ende auch die Leipziger Bevölkerung. Damit erhöhen sie letztlich auch die Gebührenkosten für sich selbst“, gibt Katja Gläß zu bedenken. Weitere interessante Einblicke gab es beim Rundgang über das Klärwerksgelände. Angefangen beim Steuerbauwerk, dem Rechenhaus, wo eine Art große Harke die festen Fremdkörper aus dem Abwasser fischt, über Sandfang, Hebewerk, Vorklärung, Belebungsbecken, bis hin zu den 34 Meter hohen Faultürmen. Dort verarbeiten Bakterien den Klärschlamm zu Methangas. Vor Ort produzieren die Wasserwerke so bis zu 60 Prozent des Stroms und sogar 100 Prozent der Wärme für das Klärwerk selbst.

Von Ingrid Hildebrandt

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