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Lokales Leipziger tauschen Bücher in Regalen und Telefonzellen
Leipzig Lokales Leipziger tauschen Bücher in Regalen und Telefonzellen
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00:21 21.01.2018
Passend zum Konzept des Buchkindergartens wurde ein Bücher-Tausch-Regal direkt in eine gläserne Außenwand zur Straße hin integriert.
Passend zum Konzept des Buchkindergartens wurde ein Bücher-Tausch-Regal direkt in eine gläserne Außenwand zur Straße hin integriert.  Quelle: Foto: Andre Kempner
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Leipzig

Gelesene Bücher verstauben meist im Schrank. Damit auch noch andere Menschen eine Freude daran haben, gibt es seit einigen Jahren öffentliche Buch-Tausch-Schränke. Jeder kann dort seine Literatur gegen neue Schmöker einlösen. In Leipzig kümmern sich unterschiedliche Initiativen und Unternehmen um die Regale: Seniorenbüros in der Eisenbahnstraße und in Eutritzsch, die Klosterbäckerei in der Karl-Heine-Straße und das Café „homeLE“ in der Georg-Schumann-Straße sind nur einige Beispiele für eine rege Bücher-Tausch-Kultur. An der Erich-Zeigner-Allee und An der Märchenwiese in Marienbrunn stehen Bücherschränke im öffentlichen Raum.

Auch in vier Filialen der Leipziger Volksbank können Bücher abgegeben und mitgenommen werden. In der Schillerstraße im Zentrum, am Südplatz, in Stötteritz und in Markranstädt stöberten Bank-Kunden in den Buchtiteln, wenn sie im Empfangsbereich einen Kaffee trinken, sagt Torsten Wünsche, Sprecher der Volksbank in Leipzig. „Am besten kommen Bildbände und Ratgeber an“, denn es fehle die Zeit, sich in längere Geschichten zu vertiefen. Gelegentlich nähmen Kunden aber auch ein Buch mit. Dann füllten sie das Regal entweder mit einem anderen Buch wieder auf oder brächten den Wälzer nach dem Lesen in die Bankfiliale zurück. Zusätzliche Arbeit machten die Regale nicht: Hin und wieder müsse man Staub wischen, Bücher ersetzen oder Lücken auffüllen. Doch die Lektüre werde insgesamt weniger beachtet als noch vor zehn Jahren, als die Bank das erste Regal aufstellte. Wünsche beobachtet, dass die Kunden die Zeit vor ihren Beratungsterminen inzwischen häufig mit ihren Smartphones verbringen statt mit den Büchern aus den Regalen.

Statt Smartphone: Bücher in Telefonzellen?

Statt des Smartphones bietet das Autohaus Saxe gleich eine ganze Telefonzelle – voller Bücher. Vor dem Geschäft in der Torgauer Straße in Heiterblick steht eine sogenannte Bücherzelle. Sie kann rund um die Uhr besucht werden. Ein Nutzer der Bücherbörse vor dem Autohaus schrieb in seiner Google-Bewertung, er habe regelmäßig Schmöker getauscht und schließlich ein Auto gekauft. „Die Leute werden nicht gleich ein Auto mitnehmen, aber wenn sie einmal eines brauchen, denken sie an uns“, ist sich Sven Hilbig, Verkaufsleiter des Autohaus Saxe, sicher. Vor rund fünf Jahren habe die Telekom alte Telefonzellen verkauft. Da habe sich das Autohaus eine für die Leseförderung angeschafft. „Wir wollen sowieso immer anders sein. Da passt das gut“, sagt Hilbig. Seitdem tauscht ein buntes Publikum Kochbücher, Groschenromane und Fachbücher. Etwa dreimal wöchentlich werde die Zelle genutzt, sagt Hilbig. Hin und wieder müssten die Wälzer im gelben Häuschen aufgeräumt oder sortiert werden. An sich sei das Projekt aber ein erfolgreicher Selbstläufer.

Der Bürgerverein Schönefeld hat keine Telefonzelle, sondern zwei Zimmer voller Bücher zum Tauschen. Seit Mai vergangenen Jahres hat die Bibliothek geöffnet. Eine ehrenamtliche Bibliothekarin sortiert die breite Auswahl an Büchern, CDs und DVDs, die abgegeben werden. Beim Seniorencafé sei bereits aus den Büchern vorgelesen worden. Außerdem nähmen Jugendliche und Ausländer das Angebot in Anspruch, sagt Christiane Ille, Geschäftsleiterin des Bürgervereins. Die Tausch-Bibliothek hat von Montag bis Donnerstag von 9 bis 17 Uhr geöffnet.

Buch mitnehmen und Buch abgeben

Auch im Westen Leipzigs tauschen sich Leseratten immer wieder neue Wälzer ein: Passend zum Konzept des Buchkindergartens wurde bei der Eröffnung vor fünf Jahren ein Bücher-Tausch-Regal direkt in eine gläserne Außenwand zur Straße hin integriert. Hinter dem Tausch-Fenster befindet sich die Buchwerkstatt des Kindergartens. „Die Kinder wachsen mit Büchern auf“, sagt Susanne Tenzler-Heusler, Sprecherin des Kindergartens. „Eine Dame sortiert die abgegebenen Bücher“, erzählt Tenzler-Heusler. Das Angebot ist vielfältig: Gartenbücher, Lexika und Bilderbücher stehen hinter der immer zugänglichen Glaswand. Die meisten Nutzer stellten ein Buch zurück, wenn sie sich bedienten. „Es ist aber auch kein Weltuntergang, wenn man erst beim nächsten Mal eines seiner nicht mehr benötigten Bücher vorbeibringt“, sagt Tenzler-Heusler.

Einen Überblick über Bücher-Tausch-Regale bietet www.lesestunden.de

Von Theresa Held