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Lokales Leipziger wollen Fahrrad-Parkhaus – doch am Hauptbahnhof fehlt der Platz
Leipzig Lokales Leipziger wollen Fahrrad-Parkhaus – doch am Hauptbahnhof fehlt der Platz
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16:16 10.02.2019
Überfüllte Radbügel vor dem Leipziger Hauptbahnhof: Eine Online-Petition macht sich nun für den Bau eines Fahrrad-Parkhauses stark. Quelle: André Kempner
Leipzig

In Erfurt gibt es bereits eins, auch Münster oder Oranienburg haben Parkhäuser für Fahrräder gebaut. Das weltgrößte wurde 2018 im holländischen Utrecht eröffnet – mit 12.500 Plätzen auf drei Etagen. Am Leipziger Hauptbahnhof fehlt bislang eine solche Möglichkeit, sein Rad sicher und vor Wind und Wetter geschützt abzustellen – obwohl der Bedarf dafür vor allem bei Pendlern wächst. Eine Online-Petition macht nun Druck auf die Stadtverwaltung. „Ja zur Radstation“, fordern die Unterstützer einer Unterschriftensammlung, die beim Portal OpenPetition gestartet wurde. Mehr als 700 Menschen haben bereits unterzeichnet.

Überfüllte Radbügel und Angst vor Diebstahl

Der Bau einer Radstation sei längst überfällig, findet Initiator Sascha Kodytek aus Leipzig. „Es muss endlich was passieren“, ärgert sich der 22-Jährige darüber, dass es nach jahrelangen Diskussionen noch immer an einer geeigneten Abstellmöglichkeit am Bahnhof fehlt. Die Radbügel vor dem Gebäude seien meist überfüllt, zudem sei das Risiko hoch, dass das Rad gestohlen oder demoliert werde. Rund elf Prozent der Straftaten in Leipzig seien Fahrraddiebstähle, verweist der 22-Jährige auf die Kriminalitätsstatistik. Vor allem für Pendler und Zugreisende, die ihr Rad am Bahnhof abstellen, sei das ein großes Problem.

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Für die Radstation hat Kodytek bereits konkrete Vorschläge: „Sicherheit und Erreichbarkeit stehen an erste Stelle.“ Dann seien Radfahrer auch bereit zu zahlen, ist er überzeugt. Der Standort müsse verkehrsgünstig gelegen sein und über eine ebenerdige Zufahrt verfügen, damit die Station angenommen werde – anders als beispielsweise die unterirdische Radgarage am Paulinum der Uni. Kodytek wünscht ich zudem personalisierte Abstellplätze, um langwieriges Suchen zu vermeiden. „Für Pendler ist der Zeitfaktor ganz entscheidend“, weiß der 22-Jährige, der in Halle Jura studiert und nebenbei bei der Energiebörse EEX in Leipzig arbeitet.

Stadt prüft Interims-Lösung und „Fahrradboxen“

Wie eine Anfrage von LVZ.de ergab, liegen die Pläne für ein großes Parkhaus mit rund 2000 Plätzen im Rathaus momentan auf Eis. Das Baudezernat schätzt die Notwendigkeit einer Radstation am Hauptbahnhof zwar als „enorm groß“ ein. Die dafür im Frühjahr vergangenen Jahres avisierte Fläche auf den ehemaligen Gleisen 1 bis 5 stehe aufgrund einer zeitlich befristeten Vermietung derzeit jedoch nicht zur Verfügung. Dort hat seit September der Fahrdienstleister Clevershuttle seine zentrale Station.

Sascha Kodytek hat die Petition für die Fahrradgarage gestartet. Im Bereich der Gleise 1 bis 5 (im Hintergrund) sieht die Stadt dafür momentan keine Möglichkeit. Quelle: Kempner

Die Stadtverwaltung untersucht daher Alternativen. „Es wurden als Zwischenlösung von Seiten der DB Netze zwei kleinere Flächen im Bereich der Westhalle angeboten, auf denen die Aufstellung von sogenannten Doppelparkern für Fahrräder geprüft wird“, teilt Michael Jana, der Leiter des Verkehrs- und Tiefbauamtes, mit. Die Areale am ehemaligen Gleis 1 wären für insgesamt rund 270 Fahrräder geeignet. Weitere von der Bahn angebotene Flächen seien aufgrund der schlechten Erreichbarkeit oder aus Denkmalschutzgründen ausgeschlossen worden.

Wann die Doppelparker gebaut werden können, ist offen. Die Verwaltung prüft noch den Einsatz von Fördermitteln – dann wären die Stellplätze aber in jedem Fall kostenpflichtig, betont Jana. Auch ein Betreiber müsste gefunden werden. Eine weitere Überlegung: 14 Standorte in Leipzig sollen mit digital steuerbaren und zugangsgesicherten Fahrradboxen oder Sammel-Schließanlagen ausgestattet werden. Diese könnten zum Beispiel an S-Bahn-Stationen oder LVB-Haltestellen entstehen. Die Stadt hat für solche Bike-and-Ride-Anlagen bereits Fördermittel über das Sofortprogramm „Saubere Luft 2017-2020“ eingeworben.

So sieht es häufig aus: Kaum ein freier Platz fürs Fahrrad rund um den Leipziger Hauptbahnhof. Quelle: Kempner

Parkhaus würde mehr als eine Million Euro kosten

Als „mittelfristige Lösung“ werde weiterhin eine zentrale, bewirtschaftete Fahrradabstellanlage im Bereich der Gleise 1 bis 5 mit zusätzlichen Serviceangeboten angestrebt, betont Jana. Dies hatte Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos) im April vergangenen Jahres bereits im Stadtrat angekündigt. Die Kosten für eine solche Station mit bis zu 2000 Plätzen, so der Amtsleiter, lägen bei mehr als einer Million Euro, wovon ein Teil durch Fördermittel abgedeckt werden könne. Für Gespräche mit potenziellen Betreibern sei die Stadt offen.

Sascha Kodytek geht das jedoch nicht schnell genug. Er befürchtet zudem, dass 270 Plätze zu wenig sein könnten. „Die Bürgerbeteiligung bei dem Thema fehlt bislang komplett. Es wurde nicht einmal der Bedarf erhoben“, bemängelt er. Seine Initiative, die auch beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), dem Fahrrad-Club ADFC sowie Lokalpolitikern der SPD, Grünen und Linken Unterstützung findet, will daher mehr als 3300 Unterschriften gewinnen, um das Thema im Stadtrat erneut auf die Agenda zu bringen.

Wenn die Stadt ihr angestrebtes Ziel erreichen wolle, den Anteil des Radverkehrs bis 2030 auf 23 Prozent zu erhöhen, müssten mehr Anreize geschaffen werden, argumentiert Kodytek. Er meint: Wenn Autofahrer um ihr am Bahnhof abgestelltes Fahrzeug bangen müssten, „dann würde das Thema sicher mit einem anderen Engagement vorangetrieben“.

Das nächste öffentliche Treffen der Petitions-Organisatoren findet am 20. Februar, 19 Uhr, im Radrevier in der Friedrichstraße 13 statt. Dann soll darüber diskutiert werden, wie die „Wunsch-Station“ der Leipziger aussieht.

Von Robert Nößler

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