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Lokales Leipzigs Rathaus setzt auf Lastenfahrräder
Leipzig Lokales Leipzigs Rathaus setzt auf Lastenfahrräder
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20:10 13.03.2019
Auch André Stöß ist seit 2015 in Leipzig mit dem Lastenrad als Fahrradkurier unterwegs. (Archiv) Quelle: Volkmar Heinz
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Leipzig

Die Stadtverwaltung wird ihre Kurierfahrten jetzt schrittweise auf Lastenfahrräder umstellen. Das hat der Rat auf seiner Sitzung am Mittwoch auf Antrag der grünen Ratsfraktion mehrheitlich beschlossen. Gegen die Umstellung sprachen sich CDU und AfD aus. Ihr Einwand: Das Vorhaben verursache nur höhere Kosten und sei nicht praktikabel.

Grüne wollten nur noch Lastenfahrräder

Ursprünglich wollten die Grünen durchsetzen, dass sämtliche Kurierfahrten der Stadt und alle stadteigenen Unternehmen mit dem Auslaufen der bestehenden Verträge zu privaten Kurierdiensten auf Lastenfahrräder umgestellt werden. Solche Räder könnten inzwischen ein Volumen von 1,5 Kubikmeter und eine Last bis zu 70 Kilogramm transportieren, argumentierten die Grünen. Diese Größenordnung dürfte für die meisten Fahrten ausreichen. Lastenfahrräder seien „das Transportmittel der Zukunft“, nicht nur in allen Ballungsräumen mit einem überlasteten Straßennetz, hieß es.

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Aus Sicht der Grünen werden die neuen Räder auch die Staus in Leipzig reduzieren, weil sie daran „auf sicheren Radwegen zügig vorbeifahren“ könnten. Und da die neuen Räder auf ausreichend breiten Gehwegen parken können, würden sie die Verwaltungsobjekte vielfach unkomplizierter erreichen können als PKW oder Transporter. Denn diese seien oft gezwungen, regelwidrig auf Geh- oder Radwegen zu parken. Darüber hinaus dürfen Lastenfahrräder auch verkehrsberuhigte Zonen befahren. Tests hätten ergeben, dass die Fahrzeiten nicht deutlich von denen der Autos abweichen, in stark belasteten Verkehrszeiten würden sie sogar unter denen eines Pkw liegen, so Leipzigs Grüne.

AfD: Preise für Kurierfahrten werden steigen

Stadtrat Holger Hentschel von der AfD-Fraktion sah dies ganz anders. Die Stadt und ihre Betriebe müssten auch weite Fahrten unternehmen, wandte er ein. Zum Beispiel bis zum Landratsamt in Borna. Dorthin seien es 23 Kilometer – zu weit für Lastenfahrräder. Gleichzeitig warnte Hentschel davor, die städtischen Aufträge für Kurierfahrten zu splitten, nur um Lastenfahrräder um jeden Preis einzusetzen. Würden diese Kurierfahrten in mehreren Losen an verschiedene Anbieter vergeben, werde der Aufwand und auch der Preis für die Kurierfahrten steigen, warnte der AfD-Abgeordnete. Dieser Vorschlag führt in die Irre“, erklärte er. „Leipzigs Mobilitätsproblem wird weder mit Lastenfahrrädern noch mit E-Autos gelöst.“

Auch Stadtrat Norman Volger (Grüne) räumte ein, dass Fahrten von der Leipziger City bis ins Landratsamt Borna für Lastenfahrräder relativ weit sind. Deshalb erklärte sich die grüne Fraktion mit einem Kompromiss-Vorschlag der Stadtverwaltung einverstanden.

Kompromiss-Vorschlag der Stadtverwaltung

Die hatte vorgeschlagen, ihre Kurierleistungen noch in diesem Jahr in zwei Losen auszuschreiben. Im Los 1 könnten dann Kurierleistungen im innenstadtnahen Bereich enthalten sein, in Los 2 die längeren Fahrten. Zusätzlich hatte das Rathaus den Grünen angeboten, die weiteren Touren des Loses 2 nur noch an einen privaten Kurierdienst zu vergeben, der dafür ausschließlich Elektrofahrzeuge einsetzt.

Die Verwaltung führte auch ins Feld, dass die zu befördernden Kurier-Sendungen einen so erheblichen Umfang angenommen haben, dass ein kompletter Transport mit Lastenfahrrädern „kritisch“ zu sehen wäre Bei einer täglichen Bewegung von etwa 1184 Kilogramm beziehungsweise rund 14 800 Stück Schriftgut, aktenrelevanten Dokumenten, Akten, Archivgut, Frachtpost, Büromaterial, Plakaten, Flyern, Druckaufträgen und anderen Materialien sei man auch auf Autos angewiesen, hieß es. Derzeit würden täglich 140 Objekte angesteuert – davon sechs täglich mehrmals. Dies geschehe mit vier Touren, die eine Wegstrecke von rund 320 Kilometer Länge haben. Im innenstadtnahen Bereich lägen nur etwa zwölf Prozent der anzufahrenden Stellen. Für eine komplette Umstellung müssten mindestens 40 Lastenfahrräder im Einsatz sein - was weder sinnvoll noch wirtschaftlich sei.

Von Andreas Tappert