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Lokales Leipzigs Straßenbahnen werden immer voller
Leipzig Lokales Leipzigs Straßenbahnen werden immer voller
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17:49 04.03.2018
So wie gestern sieht es immer häufiger bei den LVB aus: Es herrscht Gedränge, und wer in die Bahn will, findet kaum Platz.  Quelle: André Kempner
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Leipzig

 Leipzig platzt durch sein rasantes Bevölkerungswachstum aus allen Nähten – und auch die Straßenbahnen der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) werden immer voller. In der Hauptverkehrszeit von 15 bis 16 Uhr ist das Gedränge schon so stark, dass manchmal sogar Fahrgäste aussteigen müssen, damit sich die Türen schließen lassen. Bei den LVB heißt es, dies betreffe vor allem die Linien 4 und 10, die in den Spitzenzeiten zu hundert Prozent ausgelastet sind. Doch es sei absehbar, dass auch immer mehr andere Straßenbahnlinien ebenfalls diesen Grenzwert erreichen. Denn die Fahrgastzahlen der LVB steigen kontinuierlich (siehe Skizze).

„Wir wissen ziemlich genau, wie stark die Bahnen frequentiert sind“, schildert LVB-Angebotsplaner Ekkehard Westphal die Situation. „Durch unser Fahrgastzählsystem und Sensoren an den Türen, die jeden Ein- und Aussteiger erfassen.“ Außerdem sei das Unternehmen mit Schulen im Kontakt; ebenso mit Großunternehmen wie BMW oder Amazon. „Dadurch wissen wir, wo wie viele Schüler zur Schule fahren müssen und wann Schichtwechsel mit großen Menschenmassen stattfinden“, so Westphal. „Danach planen wir unsere Einsätze.“

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Die LVB würden sich dabei nicht an Vorgaben halten, nach denen bis zu vier Personen auf einem Quadratmeter befördert werden dürfen. Auch die internen Angaben der Fahrzeughersteller, die für ihre Bahnen exakt die Zahl der Sitz-und Stehplätze angeben, würden nicht angewandt. „Diese sind nicht alltagstauglich, weil sie unterstellen, dass sich alle Fahrgäste in der Bahn gleichmäßig verteilen“, sagt der Angebotsplaner. Tatsächlich würden sich zum Beispiel in den Türbereichen besonders viele Menschen drängen, während weiter entfernt häufig sogar noch vereinzelte Sitzplätze frei sind. „Denn viele Fahrgäste wollen nur kurz mitfahren und schnell wieder aussteigen.“

Die LVB halten sich deshalb an eine Empfehlung des Verbandes der deutschen Verkehrsunternehmen und nehmen auf die Herstellerangaben einen „Abschlag“ von 40 Prozent vor. Dadurch wird bei einer 45 Meter langen XXL-Bahn nicht mit 106 sitzenden und 160 stehenden Fahrgästen – also insgesamt 266 Passagieren – kalkuliert, sondern nur mit 160. Um die Lage auf den voll ausgelasteten Linien 4 und 10 zu entspannen, sollen dort jetzt Straßenbahnen des neuen Typs XL zum Einsatz kommen, die ebenfalls deutlich mehr Fahrgäste befördern können als die meisten anderen Fahrzeuge der LVB-Flotte.

Für andere Linien will das Unternehmen statt der bislang üblichen 2,20 bis 2,30 Meter breiten Straßenbahnen künftig Fahrzeuge mit einer Breite von 2,40 Meter anschaffen. „Das bringt rund zehn Prozent Kapazitätsgewinn“, betont Westphal. Vor dem Einsatz müssten aber erst Netzumbauten vorgenommen werden, die bis Mitte der 2020er-Jahre erfolgen sollen. Die Anschaffung noch deutlich längerer Züge ist nicht geplant. Denn die LVB sind auf eine Zuglänge von maximal 45 Meter beschränkt, weil Leipzigs Haltestellen sonst zu kurz sind.

Schneller wirksam werden sollen Taktverkürzungen, bei denen mehr Bahnen in kürzeren Abständen rollen. Aber dafür gibt es Grenzen, vor allem im Stadtzentrum. „Zwei bis drei weitere Linien könnten wir dort noch im 10-Minuten-Takt unterbringen – aber eine weitere Erhöhung der Kapazität ist dort erst nach Erweiterungen im Streckennetz möglich – zum Beispiel dem Bau zusätzlicher Gleise vor dem Hauptbahnhof“, schildert Westphal. Diese würden intern bereits diskutiert; ebenso wie der Kauf von 20 zusätzlichen XL-Straßenbahnen. Doch eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Sollte Leipzig irgendwann einmal doch eine Millionenstadt werden, müsse über ein ganz neues Verkehrssystem nachgedacht werden, glaubt Westphal. „Solche Städte haben in der Regel eine U-Bahn.“

Von Andreas Tappert