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Lokales Leuschnerplatz: Neues Viertel kommt endlich ins Rollen
Leipzig Lokales Leuschnerplatz: Neues Viertel kommt endlich ins Rollen
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06:01 16.08.2018
Den Masterplan für den Leuschnerplatz hatte der Stadtrat 2017 beschlossen. Er sieht drei große Baufelder, dazwischen auch zwei gläserne Passagen, Gastronomie und einen kleinen Binnenplatz vor. Zurzeit erstellt die Kommune auf dieser Grundlage einen Bebauungsplan, der zudem Festlegungen für den Natur- und Lärmschutz enthalten wird. Quelle: Grafik: Patrick Moye
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Leipzig

Im Dezember 1943 – also vor fast 75 Jahren – wurde jenes Gebiet weitgehend zerstört, das die Leipziger heute Leuschnerplatz nennen. Bis im Zweiten Weltkrieg die Bomben fielen, stand dort ein Gründerzeitviertel, in dem jede Menge Leben herrschte. Danach gab es eine 6,2 Hektar große Brachfläche, die vor allem zum Abstellen von Autos diente. Nun endlich rückt eine konkrete Perspektive für das Areal, das sich fast gegenüber vom Neuen Rathaus befindet, zum Greifen nahe.

Bebauungsplanentwurf fast fertig

Noch dieses Jahr will die Stadtverwaltung den Bebauungsplanentwurf für den Wilhelm-Leuschner-Platz vorlegen. Dies teilte gestern Roland Quester vom Baudezernat auf LVZ-Anfrage mit. Weil mit der Freigabe des Entwurfs durch den Stadtrat ein formales Verfahren samt öffentlicher Auslegung und Diskussion starte, rechne die Verwaltung damit, dass dieser Bebauungsplan im Frühjahr 2020 Rechtskraft erlangt. Danach könnten die konkreten Planungen für einzelne Gebäude beginnen. Auch den Landschafts-Gestaltungswettbewerb für die Westseite des Areals, wo eine für große Veranstaltungen taugliche Freifläche mit viel Grün vorgesehen ist, wolle die Kommune frühestens ausloben, wenn der Bebauungsplan gültig ist.

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20 Jahre Leerstand im Bowlingtreff enden

Weit schneller dürfte es an zumindest zwei Stellen gehen – beim Bowlingtreff und bei einem Neubau für das Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL). Wie berichtet, hat das Wirtschaftsdezernat gerade 94 Tonnen Schrott und Sperrmüll aus dem vor 20 Jahren stillgelegten Bowlingtreff herausschaffen lassen. Im Herbst soll ein Erbbaurecht für das 1987 eröffnete Haus ausgeschrieben werden, so Dezernatssprecher Robert Staacke. „Den Zuschlag erhält der Bewerber mit dem besten Nutzungskonzept, wobei einige Dinge wie Einzelhandel ausgeschlossen werden.“

34,5 Millionen Euro für Institut und öffentliche Bibliothek

Ebenfalls erst vor wenigen Tagen startete das IfL einen Architektenwettbewerb für seinen Institutsneubau, der 34,5 Millionen Euro kosten soll. Im Sommer 2017 hatte die Stadt dem Freistaat Sachsen eine 4000 Quadratmeter große Fläche auf dem Leuschnerplatz zum Freundschaftspreis verkauft, um den Umzug der renommierten Länderkundler von Paunsdorf in die City zu ermöglichen. Statt jetzt 120 soll es in dem Neubau 180 Arbeitsplätze geben, auch einen Veranstaltungssaal für 250 Personen. Über die Hälfte der 5545 Quadratmeter Nutzflächen sind für eine öffentliche Bibliothek und das Archiv des Leibniz-Instituts reserviert. Übrigens: Es hatte seinen Ursprung ganz in der Nähe. 1907 wurde das Leipziger Museum für Länderkunde im alten Grassi-Museum eröffnet. Das ist heute die Stadtbibliothek.

Universität hofft auf Neubau für Juristenfakultät

Die Fläche des Feistaats (zwischen der Windmühlen- und Brüderstraße) ist die einzige auf dem Leuschnerplatz, die auch ohne Bebauungsplan gefüllt werden darf. Das Land will dort neben dem IfL noch mehr Wissenschaftseinrichtungen ansiedeln, muss zudem 40 Prozent der Neubauflächen als Wohnraum anbieten. Uni-Rektorin Beate Schücking sagte jüngst im LVZ-Interview, der Leuschnerplatz sei der ideale Standort für ein neues Zentrum zur Globalisierungsforschung sowie für einen Neubau samt Hörsälen und Mensa für die wachsende Juristenfakultät. Gespräche dazu liefen schon mit Stadt und Freistaat.

Markthalle am historischen Ort ist gesetzt

Genug Raum für die Juristenfakultät wäre wohl nur in dem direkt am Rossplatz geplanten Häuserensemble, zu dem auch ein 50 Meter hoher Büroturm gehören soll. Im mittleren Teil der drei großen Baufelder ist der Neubau einer Markthalle (mit Wohnungen oder Büros in den Obergeschossen) gesetzt. Der noch vorhandene, vier Meter hohe Keller der 1943 zerstörten Markthalle wird dann zur Tiefgarage.

Von Jens Rometsch

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