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Lokales Liebertwolkwitzer Tonwerk soll Staubbelastungen verringern
Leipzig Lokales Liebertwolkwitzer Tonwerk soll Staubbelastungen verringern
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08:45 06.06.2019
Das Tonwerk Liebertwolkwitz aus der Vogelperspektive: Die Tonschicht (links) ist freigelegt und wird abgetragen, sie liegt unter einer rund zwei Meter hohen Erdschicht. Quelle: Tonwerk Liebertwolkwitz
Leipzig

Der Ton hat Liebertwolkwitz einst reich gemacht. Der Abbau des Rohstoffs begann schon 1886, später wurden auch Tonziegel vor Ort gebrannt – sogenannte gelbe „Sachsen-Klinker“. Heute wird nur noch Ton abgebaut und das sorgt zunehmend für Unmut. Der Ton solle nicht mehr im Freien zerkleinert werden, sondern in einer Halle, fordern Anwohner. Der Ortschaftsbeirat griff den Protest in dieser Woche auf und sah sich im Tonwerk um.

Reifenwaschanlage soll Straßenschmutz verhindern

Die beiden Geschäftsführer haben auf die Proteste reagiert. Auf Bitten von Anwohnern sei ein Erdwall aufgeschüttet und dessen Höhe inzwischen „verdreifacht worden“, erklärte Geschäftsführer Peter Gonschorek den Beiratsmitgliedern. Auch ein Bürstenwagen und eine Kehrmaschine seien angeschafft worden, die das Betriebsgelände regelmäßig reinigen würden; ebenso zwei Wasserwagen mit jeweils 10 000 Liter Fassungsvermögen, die bei trockener Witterung für die Staubbindung sorgen sollen. „Es wird demnächst auch noch einen anderen Radlader geben“, kündigte Gonschorek an. Dieser werde über eine Mechanik verfügen, die sicherstellt, dass festgeklebter Ton nicht lautstark aus der Schaufel geschlagen werden muss – was Anwohner ebenfalls stört. Auch eine Reifenwaschanlage soll im Herbst entstehen, um die Verschmutzung der Naunhofer Landstraße und der Teichmannstraße zu verhindern. Denn Anlieger der beiden Trassen klagen über Verschmutzungen der Fahrbahnen.

Sturmböe lässt Staubwolken aufsteigen

Zurück wies der Unternehmer die Vorwürfe, dass Staub aus seiner Ton-Zerkleinerungsanlage die Nachbarschaft einhülle. In der Anlage werde der Ton auf eine Korngröße von fünf bis zwölf Zentimeter reduziert – so große und schwere Stücken könnten nicht als Staub durch die Luft wirbeln, erklärte er.

Als kurz darauf eine Sturmböe aufkam, konnten die Besucher aber trotzdem sehen, wie vom Abbaugelände große Staubwolken aufstiegen: In der Tongrube wurden vor allem die abgetragenen und zwischengelagerten Erdmassen sowie Bauschutt aufgewirbelt; zum Teil auch Ablagerungen auf den Flächen, auf denen Laster und die schwere Abbautechnik verkehren. „Solche Aufwirbelungen von Erde gibt es auch auf Ackerflächen, wenn Trockenheit herrscht und stärkerer Wind aufkommt“, so Gonschorek. „Sie sind aber höchst selten.“

„Grundwasser hat Trinkwasserqualität“

Staubwolken stiegen aber auch von der Fläche rund um die Ton-Zerkleinerungsanlage auf. „Das ist Sand, den wir dem Ton zumischen“, so der Geschäftsführer. Diese Staubmengen seien überschaubar und ließen sich nur durch eine Berieselungsanlage gänzlich ausschließen. „Diese Investition können wir erst im nächsten Jahr stemmen“, so Gonschorek.

Den Beiratsmitgliedern wurden auch Analysen des Tons vorgelegt, die aus Sicht der Firma belegen, dass ihr Rohton keinerlei gesundheitsgefährdende Stoffe enthält. Auch die Verfüllung der abgebauten Flächen mit Bauschutt werde „permanent kontrolliert“, um das Verkippen umweltschädlicher Stoffe auszuschließen. Dass dies erfolgreich sei, würden die jährlichen Untersuchungen des Grundwassers bestätigen – die letzte vom Frühjahr 2019 habe „Trinkwasserqualität“ ergeben. „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst“, versicherte Gonschorek. Deshalb sei auch der aufwendige Bau einer Halle unnötig.

Kritiker wollen Staub untersuchen lassen

Seine Kritiker stellen dies in Frage. „Ich finde es gut, dass so viel getan wird“, erklärte die Liebertwolkwitzerin Inge Sperling. Aber es gebe Ängste, dass es sich bei den Aufwirbelungen um Staub handelt, der vielleicht gesundheitsschädigend sein könnte. Sie will jetzt unter anderem mit Lungenärzten sprechen und die Angaben des Unternehmens überprüfen lassen.

Ortsvorsteher Roland Geistert ließ durchblicken, dass der Handlungsspielraum seines Gremiums gering sei. „Bei unseren Vorstößen im Leipziger Umweltamt heißt es immer, man sei dort nicht für das Abbaugebiet zuständig“, schilderte er. Denn die Fläche liege in der Zuständigkeit des Oberbergamtes – und dort sei man der Ansicht, dass alle Vorschriften beachtet würden. Der Ortschaftsrat will in einer seiner nächsten Sitzung den Vor-Ort-Termin ausführlich auswerten.

Von Andreas Tappert

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