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Lokales Lindenaus „Holzhaus“ ist Leipzigs schönster Neubau
Leipzig Lokales Lindenaus „Holzhaus“ ist Leipzigs schönster Neubau
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20:23 14.10.2019
Das außergewöhnliche Holzgebäude an der Ecke Zschochersche Straße 8 / Felsenkellerstraße verfügt über fünf Geschosse plus einen gemeinsam genutzten Dachgarten. Architekt Dirk Stenzel hat nur einen Treppenhauskern mit dem Aufzugschacht aus Stahlbeton anfertigen lassen. Alle anderen Teile bis zur Fassade bestehen aus massivem Brettsperrholz aus Österreich. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Im Neuen Rathaus wurde am Montagabend der Architekturpreis der Stadt vergeben, mit dem Leipzig Baukultur fördern will. Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) und Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos) kürten das fünfgeschossige Holzhaus an der Ecke Zschochersche Straße 8/Felsenkellerstraße zum gelungensten Bauwerk des Jahres. Zuvor hatte eine unabhängige Jury aus sieben Experten insgesamt 18 vorgeschlagene Gebäude in Augenschein genommen. Während der Holzbau den Hauptpreis erhielt, gab es lobende Erwähnungen für den Umbau des Portals und des Kundencenters im Finanzamt Leipzig I am Wilhelm-Liebknecht-Platz sowie den Kita-Neubau „Breitenfelder Strolche“.

Meisterleistung trotz schwieriger Bedingungen

Lindenaus Holzhaus wurde von der Baugemeinschaft Z8 GbR errichtet, die sich für einen Entwurf des Leipziger Architekturbüros ASUNA, Atelier für strategische und nachhaltige Architektur, entschieden hatte. Die Preisrichter beeindruckte vor allem, dass den Architekten in Anbetracht gravierender Standortnachteile wie der hohen Lärmbelastung sowie der spitzwinkligen Grundstücksform eine Meisterleistung gelang. Angesichts des Durchschnittsniveaus aktueller Neubauten sei es noch unwahrscheinlicher gewesen, dass an dieser Stelle gute Architektur entstehen könnte, heißt es in der Begründung der Jury. Den Architekten sei es gelungen, den bisher etwas unwirtlich und amorph empfundenen Ort zu urbaner Qualität zu verhelfen. Außerdem kommuniziere der Neubau durch Bezüge in Höhen und Gliederungen mit seinen Nachbarbauten und setze zugleich einen markanten Akzent – vor allem mit dem in Leipzig bisher selten verwendeten Baumaterial Holz und der dynamischen Eckrundung, die den Holzbau „auf die Straßenkreuzung zu schieben scheint“.

Wie berichtet, hat der Neubau in diesem Jahr auch schon den Sächsischen Staatspreis für Baukultur erhalten. Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) überreichte damals ein Preisgeld von 15 000 Euro an die Baugemeinschaft, die aus vier Familien sowie einem alteingesessenen Leipziger Büromöbel-Händler besteht. Diese hatten sich für den Baustoff Holz entschieden, weil ein Kubikmeter davon eine Tonne Kohlendioxid speichert, was dem Treibhauseffekt entgegenwirkt. Und wenn ein solches Haus nach Jahrhunderten demontiert werden muss, hinterlässt es keinen Schutt, sondern weiterhin nutzbares Holz. Zudem haben die Nutzer ein ideales Raumklima durch bessere Feuchte- und Wärmeregulierung. Das Gebäude wird mit Wärmepumpen und Solarkollektoren beheizt und im Sommer gekühlt. In jeder Wohnung trägt noch ein wassergeführter Kamin zum Füllen des Wärmespeichers bei.

Holzhaus mit Preisen überhäuft

Der 2,5 Millionen Euro teure Neubau hat außerdem schon den Holzbaupreis Sachsen 2019, Anerkennungen beim Deutschen Holzbaupreis 2019, den BDA-Preis Sachsen 2019 sowie einen beachtlichen 3. Platz beim KfW-Award Bauen 2019 erhalten. Die dortige Jury würdigte zusätzlich die spektakuläre Rundum-Sicht und den Tatbestand, dass die Bauherren-Gemeinschaft ihre vier Wohnungen fast frei aufteilen konnte, da keine Innenwände fest vorgegeben waren. Über dem Eingang liegt ein Veranstaltungssalon, der zum Beispiel für Lesungen während der Leipziger Buchmesse genutzt werden kann.

Eine lobende Erwähnung erhielt der Umbau des Finanzamtes Leipzig I, den das Leipziger Büro Knoche Architekten BDA im Auftrag des Freistaates Sachsen realisiert hat. Mit einer gezielten Intervention in die Fassade sowie mit neuen gliedernden Einbauten im Innern sei es dort gelungen, eine stärkere Öffnung der Institution zu erreichen, heißt es in der Jury-Begründung. Gleichzeitig sei eine überraschende Aufenthaltsqualität an einem Ort erzeugt worden, „dem nicht wenige Bürger eher mit vorsichtiger Zurückhaltung begegnen“.

Ebenfalls ausgezeichnet: das Finanzamt Leipzig I am Wilhelm-Liebknecht-Platz. Quelle: A. Kempner

Drei Häuser in einem in Breitenfeld

Ebenfalls eine lobende Erwähnung erhielt die Kita „Breitenfelder Strolche“ im Ortsteil Breitenfeld. Diese wurde im Auftrag der Stadt Leipzig errichtet. „Irlenbusch von Hantelmann Architekten haben augenzwinkernd drei Satteldächer giebelständig aneinandergereiht und damit – mit Kinderaugen betrachtet – ein Gebirge erschaffen, wobei das Monolithische durch eine strukturierte Putzfassade noch betont wird“, begründet die Jury die Entscheidung. Im Innern seien jetzt die drei Häuser klar ablesbar, würden kurze Wege und eine klare Orientierung schaffen. Das mittlere Haus öffne sich luftig als Erschließungshalle, die Räume würden die Dachform im Innern erkennbar und greifbar machen und viel Luft sowie viel Raum für Kinder und Mitarbeiter des Hauses schaffen.

Prämiert wurde auch die Kita „Breitenfelder Strolche“ in der Lindenallee 3a. Quelle: A. Kempner

Die Ausstellung zum Architekturpreis ist zwischen dem 15. und 29. Oktober in der Unteren Wandelhalle des Neuen Rathauses zu sehen. Zugleich erscheinen ein farbiger Katalog sowie eine Festschrift zum Architekturpreis. Beide können über die Geschäftsstelle Architekturpreis beim Stadtplanungsamt gegen eine Schutzgebühr von je fünf Euro bezogen werden (E-Mail: architekturpreis@leipzig.de).

Von Andreas Tappert

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