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Lokales Löcher in mehreren Mauern des Airports Leipzig/Halle
Leipzig Lokales Löcher in mehreren Mauern des Airports Leipzig/Halle
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14:41 13.12.2017
Innerdeutsche Erstverbindung: Flugkapitän Jürgen Raps mit Kabinenchefin Uta Breunig in Schkeuditz.  Quelle: Sammlung Raps
Leipzig

 Kein geringerer als der damalige „große Bruder“ der DDR, die Sowjet­union, leitete mit Michail Gorbatschow an der Spitze auch die politische Wende in der DDR ein. „Perestroika (Umgestaltung)“ und „Glasnost (Offenheit)“ waren ab 1986 auch Schlagworte, die die DDR-Bürger für ihr Heimatland umgesetzt sehen wollten.

DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker empfing Franz-Josef Strauß und seine Begleitung, die CSU-Politiker Gerold Tandler (links im Bild) und Theo Waigel (2.v.re.), im Beisein von Außenhandels-Staatssekretär Alexander Schalck-Golodkowski (re. hinter Tandler) und Politbüromitglied Günter Mittag (hinten in der Mitte) am 1.März 1987 persönlich in Schkeuditz. Quelle: Bundesarchiv

Im gleichen Jahr, am 18. März 1986, landete am Flughafen in Schkeuditz zum ersten Mal mit der Concorde von Air France ein Überschall-Flugzeug. Etwa 40 000 Zuschauer bevölkerten das Areal. „In dem Flugzeug hatten wir den Eindruck, dass ganz Leipzig hier war“, erinnerte sich später der damalige Direktor der Air France für die osteuropäischen Länder, Jacques Enxérian. Einen Tag später landete auch die Concorde der British-Airways, die „G-BOAF“. Genau dieser Flieger absolvierte Jahre später den allerletzten Concorde-Flug überhaupt. Seit Mitte Oktober dieses Jahres kann die „G-BOAF“ im neu eröffneten „Aerospace Bristol“-Museum besichtigt werden. Nach insgesamt elf Messe-Besuchen einer Concorde in Schkeuditz landete anlässlich der Leipziger Herbstmesse letztmalig am 4. September 1990 eine Concorde der Air France. Es war der einzige Einsatz dieses Flugzeugtyps während des Kalten Krieges in einem Land des Warschauer Paktes im regulären Luftverkehr für die Passagierbeförderung.

Am 23. Dezember 1989 holt die Deutsche Lufthansa Bürger der „Heldenstadt Leipzig“ mit Flugzeugen des Typs Boeing 747 als Gäste nach Frankfurt/Main. Quelle: Archiv Flughafen Leipzig/Halle

Nicht in die Schallmauer, sondern in jene, die beide deutsche Staaten trennte, flog der damalige Chefpilot der Lufthansa, Jürgen Raps, ein „Loch“. „Am 10. August 1989 hatte ich die Ehre und das Vergnügen, den ersten Linienflug zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR von Frankfurt nach Leipzig durchzuführen“, erinnerte sich Raps. „Ich bin dankbar, dass ich dabei sein durfte“, äußerte Raps. Es war nach 44 Jahren der erste Linienflug von West nach Ost. Einen Tag später eröffnete Interflug den innerdeutschen Flugverkehr auf der Strecke LeipzigDüsseldorf.

Start für den Bau neuer Parkplätze und der Lärmschutzwand für Kursdorf. Quelle: Archiv Flughafen Leipzig/Halle

Schon fünf Jahre zuvor, am 30. August 1984, hatte die Lufthansa AG den Messeflugverkehr eröffnet. Zu den spektakulärsten Messeflügen gehört wohl der Flug des bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß zur Leipziger Frühjahrsmesse 1987. Strauß steuerte seine Maschine selbst. DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker empfing ihn und seine Begleitung, die CSU-Politiker Gerold Tandler und Theo Waigel, im Beisein von Außenhandels-Staatssekretär Alexander Schalck-Golodkowski und Politbüromitglied Günter Mittag persönlich in Schkeuditz. Dieses Treffen trug auch dazu bei, dass die Lufthansa AG und die Interflug aufeinander zugehen konnten.

Beginn der Modernisierung und Erweiterung des Terminals A am 7. Januar 1991. Quelle: Archiv Flughafen Leipzig/Halle

Ein Jahr nach der Lufthansa-Fluglinieneröffnung wurde am 10. August 1990 der Airbus A320-200 mit der Kennung „D-AIPF“ auf den Namen „Leipzig“ getauft. Mit dabei waren der damalige Bundesverkehrsminister Friedrich Zimmermann, der letzte DDR-Verkehrsminister Horst Gibtner, Leipzigs Oberbürgermeister Hinrich Lehmann-Grube und der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Lufthansa, Heinz Ruhnau.

Am 17. September 1990 wurde die „Flughafen Leipzig GmbH“ gegründet. Erster Geschäftsführer: Wolfgang Hesse. Ab 1. Oktober 1990 musste die junge Flughafengesellschaft ihren Flugbetrieb selbstständig betreiben. Geschäftsbetrieb und Anlagevermögen erwarb sie von der „Interflug GmbH“ durch einen Betriebspachtvertrag. Von der übernahm die „Flughafen Leipzig GmbH“ 153 Beschäftigte und acht Lehrlinge. Ab 3. Oktober 1990 war die Bundesanstalt für Flugsicherung für die Leitung des Luftverkehrs in der ehemaligen DDR zuständig. Die „Interflug“ stellte 1991 ihren Flugbetrieb ein.

*Hans-Dieter Tack, 1940 in Schkeuditz geboren, lebte bis 1986 in der Region. Der Flugzeugschlosser und Diplom-Ingenieur für Maschinenbau war 17 Jahre in Schkeuditz tätig. Als profunder Kenner der Luftfahrtgeschichte arbeitete er an mehreren Publikationen mit. Er ist Vizechef der Gesellschaft zur Bewahrung von Stätten deutscher Luftfahrtgeschichte.

Von Hans-Dieter Tack* und Roland Heinrich

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