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Lokales Lothar Eißmann ist tot – Trauer in Leipzig um Guru der Geologie-Forschung
Leipzig Lokales Lothar Eißmann ist tot – Trauer in Leipzig um Guru der Geologie-Forschung
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07:31 13.07.2019
Professor Lothar Eißmann 2012 bei einem Vortrag im Westphalschen Haus in Markkleeberg. Anfang Juli 2019 ist er gestorben. Quelle: Andre Kempner
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Leipzig

Er war bekannt als der Eiszeit-Mann: Der Leipziger Geologe Professor Dr. Lothar Eißmann ist im Alter von 86 Jahren verstorben. Er gilt als „Guru“ der mitteldeutschen Geologie-Forschung, hat 2015 für sein Lebenswerk das Bundesverdienstkreuz erhalten. „Leipzig verliert mit ihm einen herausragenden Wegbereiter geologischer Forschungen und der Wissensaufbereitung“, sagt Birgit Röhling, die Chefin des Sax-Verlages. In ihrem Verlag hat er sein immenses Wissen publiziert. „Die Erde hat Gedächtnis“ und „Metamorphose einer Landschaft“ heißen die Titel, die viele naturkundlich interessierte Leipziger kennen. Mit „Die Erde hat Gedächtnis“ legte der Forscher und Wissenschaftler über 50 Millionen Jahre mitteleuropäischer Erd- und Klimageschichte im Spiegel mitteldeutscher Tagebaue in Form eines geologischen Grundlagenwerkes vor. Die von ihm konzipierte dreibändige Buchreihe „Das Mitteldeutsche Seenland. Vom Wandel einer Landschaft“ (Mitautor Frank W. Junge), steht mit der Veröffentlichung des abschließenden dritten Bandes kurz vor dem Abschluss und schreibt mit dem westlichen Teil der Region die geologische Geschichte der neu entstandenen Seenlandschaft fort.

Seine Sammlung ist im Naturkundemuseum

Seine Sammlung hat Professor Lothar Eißmann als „Vorlass“ dem Naturkundemuseum der Stadt hinterlassen. Mindestens 1000 Bücher, Karten und Periodika, 15000 Sonderdrucke und eben so viele Dias und Fotos waren das. Hinzu gesellen sich 150 Aktenordner mit Material zu speziellen Themen, Dokumentationen zu Tagebauen, Rohstoff-Lagerstätten oder Gewässern. „Aus alter Verbundenheit und als meinen Beitrag dafür, dass das Konzept einer künftigen Schau zur Klima- und Landschaftsgeschichte viel Substanz bekommt“, sagte er 2017. Im Museum löste die Nachricht Trauer aus. „Er war einer meiner großen Lehrmeister, von dem ich sehr viel gelernt habe“, betont Ronny Maik Leder, der Direktor. „Das weite Feld der Wissenschaft, das Universalgelehrte, war für ihn immer wichtig. Jene omnipotente Herangehensweise hat mich geprägt, das versuche ich in meiner Arbeit umzusetzen.“ Vor allem Goethe spielte für den Naturwissenschaftler eine herausragende Rolle. Viele der Mitarbeiter des Museums kennen Eißmann seit mehr als 40 Jahren.

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Eißmann ist in Hartmannsdorf geboren. Er studierte an der Universität Greifswald. Von 1956 bis 1981 war er für den Geologischen Dienst Freiberg mit Sitz in Leipzig tätig. Er promovierte, habilitierte, wurde Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften. 1992 berief die Universität Leipzig ihn zum Professor für Geologie.

Von Mathias Orbeck

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