Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Milliarden-Projekt: CG-Gruppe verkauft Eutritzscher Freiladebahnhof
Leipzig Lokales Milliarden-Projekt: CG-Gruppe verkauft Eutritzscher Freiladebahnhof
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:43 08.03.2019
Rings um einen 5,5 Hektar großen Park soll in Leipzig-Eutritzsch eine neuer Stadtteil mit 2100 Wohnungen und 30 Prozent Gewerbeflächen entstehen. Quelle: Octagon / Atelier Loidl
Leipzig

Auf dem Eutritzscher Freiladebahnhof in Leipzig soll in den nächsten Jahren ein neuer Stadtteil mit 2100 Wohnungen errichtet werden – samt einem 5,5 Hektar großen Park, drei Hochhäusern, zwei Schulen, zwei Kitas, Sporthalle und „kulturell-sozialen Einrichtungen“. Etwa eine Milliarde Euro schwer ist dieses Großvorhaben. Während vor Ort gerade die ersten Bagger angerückt sind, um für einige Teilbereiche des 25 Hektar großen Geländes Baufreiheit zu schaffen, hat sich der Projektentwickler CG-Gruppe nun einen Partner für die Realisierung gesucht. Dabei handele es sich um ein Unternehmen aus Österreich, bestätigte ein CG-Sprecher auf LVZ-Anfrage. Dieses Unternehmen werde der neue Eigentümer des Geländes. Es übernehme dabei alle Rechte und Pflichten, die die CG-Gruppe für das Vorhaben ausgehandelt hat.

Stadt Leipzig zeigt sich überrascht

In den Verkaufsprozess sei die Stadt Leipzig erst kurzfristig eingebunden worden, präzisierte die CG-Gruppe. Sie selbst wolle den neuen Stadtteil – dann im Auftrag des österreichischen Grundstücksbesitzers – weiterhin entwickeln und auch bauen. „Alle Ansprechpartner bleiben wie gehabt dieselben“, sagte der Sprecher.

Das sind die 20 größten Bauprojekte in Leipzig:

Die Top 20 der größten Bauprojekte in Leipzig: Die Bilderstrecke zeigt, wo in den nächsten Jahren Milliarden investiert werden und was dort entsteht.

Gegen 14 Uhr hatte das Leipziger Rathaus eine Pressemitteilung verschickt, laut der die Kommune durch den Verkauf „überrascht“ worden sei. „Die Stadt nimmt dabei zur Kenntnis, dass die CG-Gruppe AG ihren vertraglichen festgeschriebenen Informationspflichten gegenüber der Verwaltung nicht nachgekommen ist. Nun muss eine umfassende juristische Prüfung vorgenommen werden, wie der bereits geschlossene Städtebauliche Vertrag für das Areal auch für den neuen Eigentümer gilt und dieser fortgeführt werden kann“, hieß es in der Pressemitteilung aus dem Rathaus.

Rathaus ergänzt Masterplan kurzfristig

Und weiter: „Es steht die Frage, inwieweit es der Stadt zuzumuten ist, mit einem ihr unbekannten neuen Eigentümer zusammenzuarbeiten. Der Masterplan bildet die Grundlage für das weitere Bauleitplanverfahren. Der Stadtrat entscheidet in seiner Sitzung vom 13. März über den Entwurf.“ Die Stadt habe den Entwurf zum Masterplan für das Areal nun noch mal kurzfristig überarbeitet und einige zusätzliche Bestimmungen aufgenommen. „Damit wirkt die Stadt darauf ein, dass die Ergebnisse des Masterplans auch nach dem Eigentümerwechsel umgesetzt werden“, hieß es aus dem Rathaus.

Neuer Partner sei ein alter Bekannter

Wie der neue Partner für das Eutritzscher Großprojekt heißt, wollte die CG-Gruppe im Moment noch nicht bekannt geben, erklärte deren Sprecher gegenüber der LVZ. Den Termin dafür lege das Unternehmen aus Österreich selbst fest. Es handle sich aber um einen langfristigen Bestandshalter, mit dem die Gruppe bereits bei früheren Projekten sehr gute Erfahrungen gesammelt habe. Bekanntlich ist es für die einst in Leipzig entstandene, aber mittlerweile in Berlin ansässige CG-Gruppe durchaus üblich, dass sie Projekte entwickelt, die oft schon vor oder während der Bauarbeiten an langfristige Bestandshalter wie Pensionskassen oder Fonds veräußert werden. Anders wäre ein Projektvolumen von über sechs Milliarden Euro, welches CG gegenwärtig anpeilt, wohl auch kaum zu finanzieren.

Jedenfalls ist es nicht die BUWOG

Der neue Partner ist nach LVZ-Informationen jedenfalls nicht die BUWOG. Wie berichtet, war BUWOG (ein ebenfalls aus Österreich stammendes Wohnungsunternehmen, das aber mittlerweile in Berlin ansässig ist) vor wenigen Wochen in die Projektentwicklung für einen anderen neuen Stadtteil in Leipzig eingestiegen. Dabei handelt es sich um ein großes Areal südlich vom Bayerischen Bahnhof. Dort sind unter anderem rund 1600 neue Wohnungen geplant. BUWOG wurde im vergangenen Jahr durch das größte deutsche Wohnungsunternehmen Vonovia übernommen. Letzteres verfügt in Leipzig bereits über 6500 Wohnungen. Wie die CG-Gruppe in einer Pressemitteilung am späten Nachmittag konkretisierte, stammt ihr Partner-Unternehmen „aus dem Umfeld des ehemaligen Vorstands des STRABAG-Konzerns“.

Mehr zum Thema

Für Milliarden-Ding in Leipzig rücken nun die Bagger an

Neues Stadtviertel im Leipziger Norden bekommt drei Hochhäuser

Aus für das So&So: Clubbetreiber übt Kritik am Investor

Auch am Bayerischen Bahnhof entsteht ein neues Stadtviertel

In Erfurt entsteht Fertigteil-Werk

Das frühere Bahngelände in Eutritzsch hatte CG-Chef Christoph Gröner im Jahr 2016 von der VVBI Capital AG erworben. Durch den jüngsten Immobilienboom in Leipzig dürfte es heute deutlich mehr wert sein als noch vor drei Jahren. In Erfurt lässt die CG-Gruppe gegenwärtig ein modernes Werk zur Herstellung von Bau-Fertigteilen errichten. Die dadurch möglichen Einsparungen wollte der Projektentwickler auch im großen Stil bei dem Vorhaben in Leipzig nutzen.

SPD-Fraktion kritisiert „schlechten Stil“

Die SPD-Fraktion im Leipziger Stadtrat kritisierte den Investor für sein Vorgehen bei diesem Großprojekt. „Wir halten es für schlechten Stil, dass die CG-Gruppe ihren vertraglichen Informationspflichten zum Verkauf des Geländes nicht nachgekommen ist. Die Informationspflichten waren im städtebaulichen Vertrag geregelt, der Anfang vergangenen Jahres zwischen Stadt und CG-Gruppe geschlossen wurde“, so Fraktionschef Christopher Zenker.

Die plötzliche Wendung zeige, dass sich die Stadt Leipzig „noch intensiver darum bemühen muss, dass Flächen, die für Schulen, Kitas, Sport und Kultur vorgesehen sind, zügig, wie ebenfalls geregelt, an die Stadt zum Verkehrswert verkauft werden.“ Für die Sozialdemokraten komme in der Ratsversammlung nächste Woche „lediglich ein Beschluss unter Vorbehalt einer juristischen Prüfung“ in Frage, sagte Zenker weiter.

Störte Musikclub So&So die Verkaufspläne?

„Mit Blick auf die doch recht kompromisslose Haltung der CG-Gruppe gegenüber mehreren Gewerbetreibenden, darunter dem Musikclubs So&So, liegt die Vermutung nahe, dass der Investor aus diesem Grund die Gewerbetreibenden möglichst schnell vom Gelände haben wollte – auch wenn bis zum Beginn der eigentlichen Bauarbeiten nicht in jedem Fall Zeitdruck bestand“, meinte der Fraktionschef. „Ein Grundstück lässt sich so wahrscheinlich schneller und zu besseren Konditionen verkaufen. Nach wie vor vertrete ich die Auffassung, dass mehrere Gewerbetreibende inklusive des So&So zumindest bis zum Baustart auf dem Gelände hätten bleiben können.“

CDU warnt vor Störung des Planungsprozesses

Hingegen appellierte CDU-Stadträtin Sabine Heymann an die anderen Fraktionen, „jetzt nicht kopflos zu werden und das Planungsverfahren damit zu beschädigen“. Es sei eher von Vorteil, wenn der Stadtrat vor der Abstimmung über den Masterplan wisse, wer der künftige Partner ist. Das habe die CG-Gruppe der Stadtverwaltung mitgeteilt. „Alle haben immer gewusst, dass ein Projektentwickler entwickelt und eben kein Bestandshalter ist“, sagte Heymann. Entscheidend sei, dass die Verträge inhaltlich exakt eingehalten werden – und dass Leipzig dadurch schnellstmöglich zu den dringend benötigten Schulen, Kitas, Wohnungen und Gewerbeflächen komme. Man dürfe auch nicht vergessen, dass die CG-Gruppe inzwischen ein börsennotiertes Unternehmen geworden ist, bei dem schon Gerüchte über mögliche Transaktionen Auswirkungen auf den Aktienkurs haben könnten.

CG-Chef Gröner wartet auf Gesprächstermin

Unternehmensgründer Christoph Gröner wunderte sich denn auch über die Aufregung im Rathaus. „Dass wir uns Partner für unsere Projekte suchen, ist ein ganz normaler Vorgang“, sagte er am Abend der LVZ. „Ob LKG-Karree, Technisches Rathaus, Residenz am Waldplatz oder Schumann’s Gärten – das war bei den allermeisten Projekten, die wir in über 20 Jahren in Leipzig verwirklicht haben, nicht anders.“ Er habe im Vorjahr mindestens dreimal bei der Rathaus-Spitze um einen Termin gebeten, um über die Zukunft für das Gelände in Eutritzsch und auch über mögliche Verkaufsoptionen zu sprechen. „Doch ich habe bis heute keinen Termin bekommen“, bedauerte Gröner.

Von Jens Rometsch

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Das ist neu im Leipziger Gefängnis: Sprachmittler für ausländische Häftlinge können über eine Video-Konferenzanlage zugeschaltet werden. „Eine echte Unterstützung“, meint JVA-Leiter Rolf Jacob. Rund 35 Prozent der Häftlinge sind Ausländer.

08.03.2019

Viel Kritik gab es für ein Foto des rein männlichen Vorstandes von Engel & Völkers, das anlässlich des Internationalen Weltfrauentages auf Twitter verbreitet wurde. An diesem Tag sollten Frauen im Vordergrund stehen, kritisieren die Künstlerinnen des „MalerinnenNetzWerks Berlin-Leipzig“ und veröffentlichen eine Satires des Originalbildes.

08.03.2019

Der Auwald wird im Süden Leipzigs auf einer Testfläche bislang regelmäßig nur für maximal zwei Wochen im Jahr so richtig nass. Das soll sich mit einem neuen Flutungsprojekt bald ändern. Denn für den Wald ist es gut.

08.03.2019