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Lokales Mobilität der Zukunft: LVB planen selbstfahrende Busse ab 2021
Leipzig Lokales Mobilität der Zukunft: LVB planen selbstfahrende Busse ab 2021
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16:03 25.04.2019
Blick auf die sieben Kilometer lange Strecke vom BMW-Werk zum Messegelände. In zwei Jahren sollen hier autonome Elektrobusse mit 70 Kilometern pro Stunde fahren. Quelle: LVB
Leipzig

Mit einem halben Dutzend Forschungsprojekten wollen die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) das digitale Zeitalter einläuten. Die Programme laufen alle seit Anfang 2019 und haben geheimnisvoll klingende Namen. Oft ist noch nicht genau klar, was am Ende konkret dabei herauskommen wird, räumt Unternehmenssprecher Marc Backhaus ein. „Im Kern geht es aber darum, unsere Kunden mit Hilfe modernster Technik noch einfacher, flexibler und individueller von A nach B zu bringen – und das möglichst umweltschonend“, erklärt er. 9,6 Millionen Euro an Fördermitteln hätten allein die LVB für die sechs Forschungsprojekte eingeworben. Hinzu kommen Eigenmittel sowie noch weit höhere Fördermittel für verschiedene Projektpartner. Wir stellen hier die wichtigsten Inhalte und Ziele vor.

Absolut (Messe-BMW)

Das Bekannteste der sechs Forschungsprojekte erhält bundesweit viel Aufmerksamkeit. Erstmals in Deutschland wollen die LVB selbstfahrende Elektrobusse mit normalen Geschwindigkeiten im öffentlichen Straßenverkehr einsetzen. Bis zu 70 Stundenkilometer sollen die beiden Prototypen fahren können, die nun gemeinsam mit 14 Partnerfirmen und Hochschulen in Leipzig entwickelt werden. Bislang sind ähnliche Modelle im öffentlichen Straßenverkehr nur mit sechs Stundenkilometern unterwegs. Für Absolut schüttete das Bundeswirtschaftsministerium insgesamt zehn Millionen Euro an die hiesigen Projektpartner aus – der Konsortialführer LVB erhielt davon rund eine Million Euro. Ab Mitte 2021 sind die ersten Testfahrten auf der sieben Kilometer langen Strecke (mit elf Ampeln) zwischen der S-Bahn-Station Leipzig-Messe und dem BMW-Werk geplant. Ende 2021 soll der Regelbetrieb mit den rund um die Uhr abrufbaren Elektrobussen starten. Deren Kapazität liegt zwischen neun und 16 Passagieren.

Mobilitätsfabrik (Wiederitzsch)

Zur Gründung einer Mobilitätsfabrik laufen gerade die Stellenausschreibungen. 20 Softwareentwickler und Wissenschaftler wollen die LVB und das Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation aus Göttingen für zwei Jahre anstellen, um die App Leipzig mobil zu erweitern. „Dabei werden anwendungsbezogene Lösungen am Beispiel Wiederitzsch entwickelt und getestet“, erläutert Backhaus. Eines der Ziele sei ein verbessertes ÖPNV-Angebot im Bereich der Wiederitzscher Bahnhofstraße, wo derzeit die Buslinie 87/88 verkehrt. Die Leipzig mobil-App ermöglicht Nutzern, Busse und Bahnen, Mietautos, Mietfahrräder und Taxis zu ordern. Alles wird einmal pro Monat über eine Rechnung bezahlt. In Wiederitzsch warten viele Einwohner dringend auf bessere Lösungen, berichtete LVZ-Leser Thomas Hoffmann unlängst. „Wir müssen die Wiederitzscher noch um Geduld bitten. Das Forschungsprojekt geht gerade erst richtig los“, so Backhaus.

Madam und Meggie (Tablets)

Wer die Internetseite der Bundesregierung (www.bundesregierung.de) aufruft, sieht derzeit gleich im Starttermin einen großen Artikel über die Leipziger Verkehrsbetriebe. Überschrift: „Meggie fährt immer mit“. Meggie ist ein Tabletcomputer, den alle LVB-Fahrer seit 2017 erhalten, um die Arbeitsabläufe besser zu planen. Kursbücher und Dienstpläne, Streckenkarten und Umleitungen – was früher aus meterlangen Aushängen von den Mitarbeitern zusammengesucht wurde, kommt jetzt über die W-Lan-Netze an den Haltestellen stets aktuell aufs Tablett. Zudem finden sie dort Kurz-Videos und Anleitungen zum Beheben von Schäden wie einer klemmenden Tür. Um noch mehr Zeit zu sparen, sollen die Tablets nun im Programm Madam (diese Abkürzung steht für: Mobile Arbeit wird digital – digitale Arbeit Mobil) weitere Funktionen erhalten – zum Beispiel künftig als Türschlüssel für die Busse dienen, wodurch das Abholen des Schlüssels entfällt. Die Tablets dürfen auch privat genutzt werden, daher ihr offizieller Name: „Mobiles Endgerät für geschäftliche Information und Entertainment“ – oder kurz Meggie.

Leipzig mobil blue (Car-Sharing)

Ab diesem Sommer sollen die LVB-Mitarbeiter einen vereinfachten Zugriff auf Elektro- und andere Dienstautos, Fahrräder und ÖPNV-Angebote erhalten, auch Fahrgemeinschaften leichter über eine digitale Plattform organisieren können. Ab 2020 soll die „blaue Mobilität“ allen 4800 Beschäftigten des Stadtkonzerns Leipziger Gruppe zur Verfügung stehen. Ein Ziel des Projektes ist der Klimaschutz.

Chamäleon (Ampel-Schaltungen)

Anfang 2019 hatte der Bundestagsabgeordnete Jens Lehmann (CDU) rund drei Millionen Euro Fördermittel von EU, Bund und Land überreicht. Mit dem Geld werden bis 2020 weitere Ampeln so modernisiert, dass sie in Echtzeit mit den Straßenbahnen und Bussen kommunizieren können. Über ein Assistenzsystem passen die LVB-Fahrer ihre Geschwindigkeit soweit an, dass sie ohne Stopp solche Ampeln passieren können. Das beschleunigt den Verkehr und spart erheblich Energie. An den Straßenbahnlinien 3 und 15 wird die Technik schon länger erfolgreich erprobt.

 Low Carb (weniger Kohlendioxid)

Bei diesem internationalen Projekt sind die LVB einer von elf europäischen Partnern. Die EU fördert den Austausch untereinander, um den Kohlendioxid-Ausstoß im Verkehrssektor zu verringern. Jüngst schauten sich LVB-Vertreter in Ungarn den Einsatz von Hybrid-Trolley-Bussen an. Es geht vor allem um Infrastrukturplanung, Vernetzung von ÖPNV-Angeboten und autonomes Fahren. Leipzig erstellt innerhalb des Programms einen Masterplan für den Verkehr im Norden der Stadt.

Von Jens Rometsch

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